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Beamte der Kriminaltechnik sind im Bezirk Wilmersdorf in der Uhlandstraße an einer Postbankfiliale im Einsatz. Foto: dpa/Christoph Soeder
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Täter erbeuteten 266.000 Euro in Berlin 605-PS-Fluchtwagen nach Überfall auf Geldtransporter beschlagnahmt

Schüsse, fünf erbeutete Geldkassetten, mehrere Verletzte: Nach dem Überfall auf einen Geldtransporter Ende Juni ist nun der Fluchtwagen gefunden worden.

Nach dem Überfall auf einen Geldtransporter in Berlin-Wilmersdorf Ende Juni haben die Ermittler nun den mutmaßlichen Fluchtwagen der Täter gefunden. Am Freitagmorgen haben sie den Wagen bei einer Firma in Berlin-Mitte beschlagnahmt. Der Grund für den Ermittlungserfolg: Bei dem Fluchtwagen handelt es sich um ein seltenes Fahrzeug – ein Kombi, ein wahrer Bolide.

Der Audi RS 6 Avant Performance hat einen 605 PS starken Motor, beschleunigt nach Herstellerangaben von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde in nur 3,7 Sekunden und kann auf eine Spitzengeschwindigkeit von bis 305 Stundenkilometer kommen.

Weil es in Berlin nicht sehr viele dieser Modelle gibt, konnten die Ermittler auf Grundlage von Zeugenaussagen das Tatfahrzeug schnell eingrenzen. Es ist auf eine Firma in Mitte zugelassen, die mit einer Autovermietung verbunden ist.

Hinweise auf Verbindungen der Firma ins kriminelle Clan-Milieu gibt es bislang zwar noch nicht. Das werde aber geprüft, auch die Art der Geschäftsbeziehung müsse jedoch noch geklärt werden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Jetzt werden die „erforderlichen umfangreichen kriminaltechnischen Untersuchungen – unter anderem auf DNA- und sonstige Spuren –  umgehend eingeleitet“, sagte der Sprecher. Im Gegensatz zu anderen Überfällen dieser Art war der Fluchtwagen unversehrt, bei früheren Fällen hatten die Täter die Fluchtwagen in Brand gesetzt, um Spuren zu verwischen.

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Mehrere Männer hatten am 29. Juni zwei Mitarbeiter einer Geldtransportfirma und zwei Angestellte der Postbankfiliale in der Uhlandstraße überfallen, mit Reizgas attackiert und mehrere Schüsse abgegeben. Sie erbeuteten fünf Geldkassetten mit insgesamt 266.000 Euro.

Typischer modus operandi von Clan-Kriminellen

Die Ermittler gehen von Bezügen ins Clan-Milieu aus. Das Vorgehen erinnere an den typischen modus operandi von kriminellen Angehörigen bekannter arabischstämmiger Großfamilien, heißt es.

Die Täter waren äußerst gezielt vorgegangen. Als die Mitarbeiter der Geldtransportfirma die Geldkassetten in die Postbank brachten, stürmten zwei maskierte Männer mit Pistolen in das Gebäude, bedrohten Personal und Kunden.

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Sie erbeuteten die Geldkassetten, schossen mehrfach in die Luft. Im Fluchtwagen wartete ein Mann am Steuer, ein weiterer auf der Rückbank. Gleich nach der Tat rasten die Täter davon.

Eine 39-jährige Mitarbeiterin der Transportfirma stürzte bei dem Überfall zu Boden und verletzte sich am Arm. Ihr 49 Jahre alter Kollege sowie zwei 57 Jahre alte Bankangestellte sind durch das Reizgas verletzt worden. Drei Personen mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Einbrecher fahren nach dem Einbruch in das Grüne Gewölbe mit einem hellen Audi A6 Kombi mit schwarzem Dach durch Dresden (Aufnahme einer Überwachungskamera). Foto: Polizeidirektion/dpa Vergrößern
Einbrecher fahren nach dem Einbruch in das Grüne Gewölbe mit einem hellen Audi A6 Kombi mit schwarzem Dach durch Dresden (Aufnahme einer Überwachungskamera). © Polizeidirektion/dpa

Dass die Täter einen Audi als Fluchtwagen nutzten, ist bei den Ermittlern aufmerksam registriert worden. Immer wieder waren Autovermietungen von polizeibekannten Männern arabischer Clans betrieben worden. Generell sind leistungsstarke Modelle des Herstellers Audi als Fluchtwagen bei Überfällen auf Geldtransporter beliebt.

Audi A6 beim Einbruch in das Grüne Gewölbe

So war es auch im Februar 2021, als Männer einen Geldtransporter am Ku’damm ausgeraubt und 650.000 Euro erbeutet haben. Mindestens einer der Täter stammt aus dem berüchtigten Remmo-Clan, er wurde wegen seiner Beteiligung zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Bei dieser Tat war der Wagen jedoch in Brand gesetzt worden.

Auch beim Einbruch in das Grüne Gewölbe und den Diebstahl des Sachsen-Geschmeides im November 2019 hatten die Täter einen Audi A6 als Fluchtwagen genutzt und später in Brand gesetzt. Derzeit sitzen mehrere Männer aus dem Remmo-Clan am Landgericht Dresden wegen des Coups auf der Anklagebank.

Sie sollen am frühen Morgen des 25. November 2019 aus dem Dresdner Museum 21 Schmuckstücke mit insgesamt 4300 Diamanten und Brillanten im Gesamtwert von über 113 Millionen Euro gestohlen und Schäden in Höhe von über einer Million Euro hinterlassen haben. 

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