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Der Turm der Potsdamer Garnisonkirche. Foto: Soeren Stache/dpa
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Symbolort für Antidemokraten Ausstellung in Potsdamer Garnisonkirche soll Geschichte aufarbeiten

„Glaube, Macht und Militär“: Eine Dauerausstellung im Garnisonkirchturm soll die Vergangenheit des Ortes beleuchten. Doch das reicht den Kritikern nicht.

In einer dreiteiligen Dauerausstellung unter dem Titel „Glaube, Macht und Militär“ soll im Garnisonkirchturm die Geschichte des Ortes beleuchtet werden. Am Freitag stellte die Wiederaufbaustiftung das lang erwartete Konzept der Ausstellung vor, die Grundlage für die Bildungsarbeit der Stiftung sein soll. Das Kuratorium der Stiftung habe dem Konzept einstimmig zugestimmt.

In der Ausstellung soll die Entwicklung der Garnisonkirche von einer Militärkirche zu einem Sammlungsort demokratiefeindlicher Kräfte in der Weimarer Republik nachgezeichnet, außerdem ihre Bedeutung in der NS-Zeit bis zur Sprengung des kriegsbeschädigten Turms in der DDR beleuchtet werden, erklärte Kuratorin Maria Schultz am Freitag in der Baustelle des Turms. Wird alles so umgesetzt, wie auf 29 Seiten Konzept beschrieben, dürfte die Ausstellung bei Nostalgikern wenig Gefallen finden. Kritische Aspekte dominieren.

Die Ausstellung soll nach der geplanten Fertigstellung des Kirchturms Ende 2022 auf einer Fläche von 250 Quadratmetern in der vierten Etage eröffnet werden. Für die Kosten in Höhe von gut einer Million Euro seien Mittel beim Staatsministerium für Kultur und Medien sowie beim Verteidigungsministerium beantragt worden, sagte Kuratorin Schultz. Jeder der drei Räume widmet sich einem Themenkomplex: Rekonstruktion und Original, Macht und Glaube sowie Krieg und Verantwortung.

Dabei handelt es sich um Arbeitstitel. „Es geht um die Frage: Wie konnte es dazu kommen, was folgte daraus und was heißt das für uns?“, erläuterte Schultz. Ziel Ausstellung und der Bildungsarbeit insbesondere mit jungen Menschen sei es, in dem wiederaufgebauten Kirchturm einen „demokratie-, menschenrechts- und friedensorientierten Lern- und Bildungsort zu schaffen“.

Im ersten Raum sollen Objekte und Texte zur Diskussion um den Wiederaufbau seit 1991 gezeigt werden. „Die Ausstellung beleuchtet unterschiedliche Standpunkte in der Kontroverse um den Wiederaufbau“, heißt es im Konzept. Außerdem soll sich der Raum dem Kontext des Kirchenbaus im 18. Jahrhundert und seiner Rolle im Militärkirchenwesen widmen. Die monarchisch forcierte Verknüpfung von preußischem Militär und protestantischer Kirche sei grundlegend für das weitere Verständnis der folgenden Ausstellungsthemen.

Antidemokraten sammelten sich in der Kirche

Im zweiten, zentralen Ausstellungsraum geht es zum einen um die Nutzung des Gotteshauses als Ort militärischer Selbstvergewisserung und Verherrlichung der preußischen und deutschen Kriege. Themen sind auch das Glaubensleben und die Grablege der beiden Preußenkönige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. Daran schließt sich die Rolle der Garnisonkirche als antidemokratischer Symbolort an. „Für das demokratische Preußen nach 1918 stand die Garnisonkirche gerade nicht.“

Platz für Geschichte. Im Innern des Kirchturms entstehen Ausstellungsräume. Foto: Ottmar Winter/PNN Vergrößern
Platz für Geschichte. Im Innern des Kirchturms entstehen Ausstellungsräume. © Ottmar Winter/PNN

Stattdessen soll die Ausstellung erläutern, wie die Kirche als Ort für politische Kundgebungen und als Bindeglied zwischen dem nationalistischen, republikfeindlichen Lager und der Reichswehr diente. Mit interaktiven und quellenkritischen Medienstationen soll auch der „Tag von Potsdam“ – am 21. März 1933 reichte Reichspräsident Paul von Hindenburg dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler vor der Kirche die Hand – und dessen Bedeutung auf dem Weg zur Etablierung der nationalsozialistischen Diktatur beleuchtet werden.

Der dritte Raum ist Anfang und Ende des Zweiten Weltkriegs gewidmet. Gezeigt werden Exponate aus dem Alltag der Wehrmachtspfarrer. „Die Garnisonkirche war keine Keimzelle des Widerstands gegen den Nationalsozialismus“, wird im Konzept erläutert. Schließlich geht es am Ende der Ausstellung um die Sprengung des Turmstumpfes 1968. Die damit verbundenen Entscheidungsprozesse im SED-Staat und die Rezeption der Sprengung sollen dargestellt werden.

Während der Turm der Garnisonkirche weiter in die Höhe wächst, stellt die Wiederaufbaustiftung das Konzept zur geplanten Ausstellung vor. Foto: Ottmar Winter/PNN Vergrößern
Während der Turm der Garnisonkirche weiter in die Höhe wächst, stellt die Wiederaufbaustiftung das Konzept zur geplanten Ausstellung vor. © Ottmar Winter/PNN

Gegner des Wiederaufbaus hatten der Stiftung in der Vergangenheit einen unkritischen Umgang mit der Geschichte des Ortes vorgeworfen. In einem offenen Brief meldeten sich am Freitag knapp hundert internationale Wissenschaftler, Architekten, Künstler, Kirchenvertreter, Kulturschaffende und zivilgesellschaftlich Engagierte zu Wort.

Dem angekündigten Lernort fehle es an allem: „An einem Konzept, an Ausstellungsfläche, an Personal, an Geld“, hieß es. Der Wiederaufbau des Kirchturms bleibt also ein Streitthema.

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Denn während die Kritiker fordern, bei dem überwiegend aus Steuergeldern finanzierten Projekt keine weiteren Fakten zu schaffen, solange der von den Stadtverordneten beschlossene mehrstufige Diskussionsprozess zum Standort rund um den Turm läuft, stellt die Stiftung klar, dass sie sich in ihren Rechten keineswegs einschränken lassen will.

Die baurechtliche Duldung des Rechenzentrums, das zum Teil auf dem Grundstück des Kirchenschiffs steht, laufe 2023 ab, sagte Kommunikationsvorstand Wieland Eschenburg. „Über den Gebäudeteil auf unserem Grundstück gibt es vertragliche Regelungen.“ In der Diskussion gehe es zunächst um die inhaltliche Weiterentwicklung des Standorts, nicht um bauliche Fragen.

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