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Geknickt. Der Angeklagte beim Prozessauftakt vor dem Berliner Landgericht. Foto: Paul Zinken/dpa
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SUV-Unfall mit vier Toten in Berlin Ärzte rieten Angeklagtem wiederholt vom Autofahren ab

Vier Menschen starben, als ein 44-Jähriger mit seinem Wagen auf den Gehweg der Invalidenstraße raste. Vor Gericht äußerte er sich nun zu seinem Anfallsleiden.

Was ihm die Ärzte erklärten, hielt er für eine Empfehlung. Bereits einen Monat nach seinem ersten epileptischen Anfall saß Michael M. wieder am Steuer seines schweren Fahrzeugs. "Gelegentlich kürzere Strecken" sei er gefahren, sagte der 44-Jährige am Montag vor dem Landgericht. Er habe ein Medikament erhalten und gedacht: „Wenn es am Tage passiert, merkt man es und hat es unter Kontrolle“.

Der Unternehmer war vier Monate nach Bekanntwerden der Erkrankung mit seinem SUV in der Berliner Invalidenstraße auf einen Gehweg gerast – laut Ermittlungen wegen eines erneuten Anfalls. Vier Menschen, darunter ein dreijähriger Junge, starben noch am Unfallort.

Michael M. muss sich wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er am Steuer des Wagens, ein Porsche Macan, saß, obwohl er wegen einer strukturellen Epilepsie und einer nur einen Monat zurückliegenden Gehirnoperation nicht in der Lage gewesen sei, das Auto sicher zu führen.

Am 12. Mai 2019 habe er seinen ersten epileptischen Anfall erlitten – „im Schlaf“, berichtete der Angeklagte. Seine Frau habe es bemerkt. Im Krankenhaus sei ihm dann gesagt worden, dass er für drei Monate kein Auto steuern dürfe. Er habe das als „Hinweis, eine Empfehlung, nicht als ein gesetzliches Verbot“ gesehen.

Vier Wochen später, im Juni, seien die medizinischen Untersuchungen dann positiv ausgefallen. Danach sei er „ab und zu“ mal gefahren.

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Anfang August 2019 folgte eine Operation in der Schweiz. Minimalintensiv wurde ein Hirntumor entfernt. Wenige Tage später war er wieder zu Hause. Vier Wochen sollte er sehr vorsichtig sein und nicht Auto fahren. Die Zeit habe er fast eingehalten, so M. Sein Neurologe soll ihm zehn Tage vor dem Unfall noch hinterhergerufen haben: „Denken Sie daran, nicht Auto zu fahren.“

Er war mit seiner kleinen Tochter und seiner Mutter im Porsche auf dem Weg zu einem Restaurant, als es auf der Invalidenstraße in Mitte zum schrecklichen Unfall kam. Sie habe plötzlich gemerkt, dass ihr Sohn „ganz steif“ geworden sei, so die Mutter des Angeklagten. „Auf einmal waren wir in der Gegenfahrbahn.“ Die Fortsetzung des Prozesses ist am Mittwoch.

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