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Große Teile des Daches vom Charité-Centrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in der Aßmannstraße in Wilmersdorf liegen auf dem Gehweg. Foto: Jörg Carstensen/dpa
© Jörg Carstensen/dpa

Update Sturmtief „Ylenia“ über Berlin und Brandenburg Schäden an Fassaden, Masten, Bäumen – 1300 Einsätze für die Feuerwehr

Sturm „Ylenia“ trifft die Hauptstadtregion massiv. Auf Straße, Schiene und am BER ist der Verkehr beeinträchtigt. Eine Unwetterwarnung wurde vorerst aufgehoben.

Das Sturmtief „Ylenia“ hat am Donnerstag in Berlin und Brandenburg Bäume umstürzen lassen, zu gesperrten Straßen geführt und Zug- und Flugverkehr durcheinandergewirbelt. Es gab mehrere Verletzte. Die Berliner Feuerwehr wurde seit der Nacht zu mehr als 1300 Einsätzen alarmiert - und rief am Vormittag zum zweiten Mal den Ausnahmezustand aus. „Die Einsätze ziehen sich weiter hin“, sagte ein Sprecher am Abend.

Eine Unwetterwarnung vor orkanartigen Böen hob der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Nachmittag auf. Sie hatte zunächst bis Donnerstagabend gegolten. Allerdings erwartet der DWD ab dem späten Freitagnachmittag das nächste Sturmtief, das in der Nacht zu Samstag zu neuen Orkanböen anschwellen kann. Es trägt den Namen "Zeynep".

Der S-Bahnverkehr auf der Ringbahn wurde in Tempelhof zeitweise unterbrochen, weil ein Antennenmast auf die Gleise gestürzt war. Am Hauptstadtflughafen BER wurde vorübergehend die Abfertigung der Flugzeuge unterbrochen. Nachdem bereits die Deutsche Bahn in mehreren Bundesländern, darunter Berlin und Brandenburg, den Fernverkehr eingestellt hatte, war auch der Betrieb der Berliner S-Bahn massiv eingeschränkt.

Die Deutsche Bahn mit Zugausfällen bis zum Samstag, auch wegen der zweiten erwarteten Sturmfront am Freitagabend.

In der Almstadtstraße Berlin-Mitte stürzten Teile einer Hauswand auf die Straße, wie Tagesspiegel-Leser berichteten. Fotos zeigen ein durch heruntergekommenes Mauerwerk zerstörtes geparktes Auto sowie Schutt auf Gehweg und Straße.

Ein Feuerwehrsprecher teilte auf Anfrage mit, man sei gegen 11.30 Uhr alarmiert worden, weil dort zwei Kubikmeter loses Mauerwerk auf die Straße und einen Bürgersteig gefallen waren. Verletzt wurde demnach niemand, gegen 13.15 Uhr war der Einsatz beendet.

Wegen des heruntergekommenen Mauerwerks rückte die Feuerwehr in die Almstadtstraße in Mitte aus. Foto: Eva D. Vergrößern
Wegen des heruntergekommenen Mauerwerks rückte die Feuerwehr in die Almstadtstraße in Mitte aus. © Eva D.

[Lesen Sie mehr bei Tagesspiegel Plus: Sturm reißt Mauer in Berlin um: „Hätte jemand dort gestanden, wäre er tot gewesen“ – das sagen Anwohner]

Am Paul-Löbe-Haus des Bundestages fiel eine Blechplatte vom Dach, verletzt wurde niemand. Die Grünen-Politikerin Renate Künast schilderte bei Twitter, wie der Sturm im Restaurant neben dem Plenarsaal ein großes Fenster aufdrückte und Mitarbeiter sich dagegen stemmten.

Auf die Autobahn A115, die weltberühmte Avus, stürzte am frühen Nachmittag ein Baum. Die Autobahn wurde zwischen Hüttenweg und Spanische Allee gesperrt, nach kurzer Zeit bildete sich bereits ein Stau von 45 Minuten.

Auf der Spree riss der Sturm zudem ein Boot los, twitterte die Polizei. Ein Foto zeigte eine Art Hausboot, offenbar in der Rummelsburger Bucht. Dieses sei mit Schubleichtern kollidiert. Die Wasserschutzpolizei und das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Spree-Havel seien ausgerückt, um das Gefährt zu bergen und zu sichern.

Am Bahnhof Tempelhof stürzte nach Angaben der Feuerwehr von 11.30 Uhr ein 15 Meter hoher Antennenmast um und landete auf den Gleisen der Ringbahn. Die Feuerwehr rückte mit einem Kran aus, um die Strecke freizuräumen, wie ein Sprecher sagte.

Weg damit. Die Feuerwehr beseitigt den umgestürzten Mast in Tempelhof. Foto: imago images/Marius Schwarz Vergrößern
Weg damit. Die Feuerwehr beseitigt den umgestürzten Mast in Tempelhof. © imago images/Marius Schwarz

Auf der Ringbahn wurde der S-Bahn-Verkehr zwischen Hermannstraße und Südkreuz unterbrochen. Auch der Tempelhofer Damm wurde stadteinwärts gesperrt, ebenso die Anschlussstelle der Stadtautobahn A100. Betroffen war auch die Buslinien 140 und 184 der Berliner Verkehrsbetriebe. Auf dem Tempelhofer Damm bildete sich ein Stau.

Laut Verkehrsinformationszentrale war auch die Stadtautobahn selbst in Fahrtrichtung Nord ab Detmolder Straße zeitweise gesperrt, außerdem zwischen Dreieck Funkturm und Kaiserdamm.

Sturm beschädigt auch zwei Charité-Gebäude

Der Sturm beschädigte am Donnerstag auch zwei Gebäude der Berliner Charité. An der Zahnklinik habe sich ein Teil des Vordachs gelöst, sagte Kliniksprecher Markus Heggen. Menschen seien nicht verletzt worden. Der Betrieb in dem Gebäude in der Aßmannshauser Straße in Wilmersdorf ist demnach nicht beeinträchtigt. Am Campus Benjamin Franklin in Steglitz löste sich an der Nordrampe ein Teil des Dachs. Auch dort kamen laut Heggen keine Menschen zu Schaden.

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Es gab auch kuriose Schäden: Union Berlin trauert um seine Tanne vor der Geschäftsstelle, die zu Weihnachten stets festlich geschmückt wurde, am Olympiastadion mussten die Olympischen Ringe vorsorglich abmontiert werden - und auf dem Bundestag wehten zerfledderte Deutschlandflaggen. [Mehr dazu hier.]

U-Bahn fährt oberirdisch teils nur mit Tempo 40

Bei der Berliner S-Bahn häuften sich im Laufe Tages die Einschränkungen. Der Südring war zwischen Neukölln und Südkreuz ebenso unterbrochen , ebenso wie die Strecke der S7 zwischen Wannsee und Griebnitzsee, die S1 zwischen Hohen Neuendorf und Frohnau und die S2 zwischen Schichauweg und Priesterweg. Probleme gab es auch auf den Strecken der S3 und der S9.

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Bei der U-Bahn gab es Einschränkungen bei der U3 zwischen Breitenbachplatz und Krumme Lanke. Davon abgesehen waren die Auswirkungen des Sturmtiefs auf U-Bahn, Straßenbahn und Busse in Berlin laut BVG zunächst „kleiner als erwartet“. Das teilte ein Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe am Donnerstagmorgen mit.

Verspätungen gab es allerdings bei allen Verkehrsmitteln, weil Sturmschäden manche Straßen blockierten und das Tempo der U-Bahnen auf oberirdischen Streckenabschnitten auf 40 km/h gedrosselt worden sei.

Das Sturmtief hat die Hauptstadt erreicht. Die Auswirkungen auf den Nahverkehr waren laut BVG jedoch kleiner als erwartet. Foto: imago images/Jürgen Ritter Vergrößern
Das Sturmtief hat die Hauptstadt erreicht. Die Auswirkungen auf den Nahverkehr waren laut BVG jedoch kleiner als erwartet. © imago images/Jürgen Ritter

Wegen umgestürzter Bäume und großer Äste oder Gegenstände auf der Fahrbahn mussten die Buslinien M41, M45, 154, 259, 398 sowie die Nachtlinien N20 und N24 umgeleitet werden. Bei der Straßenbahn sei es nur ganz vereinzelt zu Störungen gekommen.

Als Vorsichtsmaßnahme fahren die Straßenbahnen und U-Bahnen auf den Außenstrecken zudem langsamer, hieß es. In der Nacht sei es zu kurzzeitigen Verspätungen bei den Nachtbuslinien gekommen. Insgesamt sei die Lage aber sehr ruhig, sagte der Sprecher.

BER: Fluggastbrücken dürfen nicht an Flugzeuge gefahren werden

Passagiere am Berlin-Brandenburger Flughafen brauchten am Donnerstagvormittag Geduld. Wegen starker Windböen war die Flugzeugabfertigung stark eingeschränkt, es kam zu Verspätungen, wie ein Sprecher der Betreibergesellschaft sagte. „Wir versuchen, die Abfertigung so schnell wie möglich wieder hochzufahren.“

Die erste Welle von Starts und Landungen am BER zu Betriebsbeginn am frühen Morgen war den Angaben zufolge noch reibungslos gelaufen. Weil der Sturm danach wieder stärker wurde, durften die Ausleger der Fluggastbrücken des Terminals nicht an die Maschinen herangefahren werden. Teilweise wurde auf mobile Brücken ausgewichen. Wegen starker Böen durften zeitweise auch keine Gepäckklappen geöffnet werden.

Wie groß die Verspätungen waren, blieb zunächst offen. Auch über Flugabsagen gab es noch keine abschließende Information. Die Lufthansa hatte in der Nacht Flüge nach Frankfurt annulliert. Gegen Mittag normalisierte sich jedoch die Anzeige für Abflüge und Ankünfte auf der BER-Website weitgehend.

Fernverkehr der Bahn vorläufig eingestellt

Die Deutsche Bahn hat wegen des Sturms den Fernverkehr in mehreren Bundesländern eingestellt, darunter auch Berlin und Brandenburg, wie das Unternehmen am Donnerstagmorgen mitteilte. Zunächst hieß es, die Einschränkungen dauerten voraussichtlich bis zum Mittag an, später gab das Unternehmen keine Prognose mehr ab.

"Zug fällt aus" steht auf der Info-Tafel an einem Gleis im Hauptbahnhof Berlin. Die Bahn hat in einigen Bundesländern den Fernverkehr wegen des Sturmtiefs eingestellt. Foto: Paul Zinken/dpa Vergrößern
"Zug fällt aus" steht auf der Info-Tafel an einem Gleis im Hauptbahnhof Berlin. Die Bahn hat in einigen Bundesländern den Fernverkehr wegen des Sturmtiefs eingestellt. © Paul Zinken/dpa

„Für eine Schadensaufnahme ist es noch zu früh. Die Schäden sind aber erheblich“, sagte Bahn-Sprecher Achim Stauß. „Im Moment sind Reparaturtrupps der Bahn mit Hochdruck unterwegs, um Strecken freizuräumen, mit der Kettensäge Bäume zu schneiden oder auch Oberleitungen zu reparieren, was bei diesen Wetterbedingungen nicht ganz einfach ist.“

Wegen des andauernden Sturms sei mit weiteren Störungen zu rechnen. Probleme werde es auch durch die zweite erwartete Sturmfront geben, sagte Stauß. „Ich fürchte, unsere Reisenden müssen noch über einen längeren Zeitraum mit Einschränkungen leben.“ Reisende sollten sich vor ihren Fahrten genau informieren. Wenn möglich sollten Reisen verschoben werden. Fahrkarten seien länger gültig.

Nicht nur in Berlin und Brandenburg, sondern auch in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern verkehren keine Züge des Fernverkehrs, teilte das Unternehmen mit. Auch im Regionalverkehr komme es in diesen Regionen zu Zugausfällen und Verspätungen, hieß es in einer Pressemitteilung. Auswirkungen gebe es auch in den anderen Bundesländern.

Nächster schwerer Sturm in der Nacht zu Samstag erwartet

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes gab es in Berlin in der Nacht zum Donnerstag schwere Sturmböen mit Windstärke 10, in Brandenburg sogar orkanartige mit Windstärke 11. Dabei wurden in der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam Windgeschwindigkeiten von bis zu 111 Stundenkilometern, in Berlin-Dahlem von 104 Stundenkilometern gemessen.

Auch im Süden Brandenburgs gab es während der Nacht orkanartige Böen, in Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) mit Geschwindigkeiten von ebenfalls 111 Stundenkilometern. In Angermünde (Uckermark) hat der DWD sogar einen Wert von 125 Stundenkilometern gemessen. Der DWD wies darauf hin, dass der Sturm noch nicht zu Ende sei.

Nach einer etwas ruhigeren Phase am Morgen nahm der Sturm wieder an Fahrt auf. Am Nachmittag ließ der Sturm zwar etwas nach. In der Nacht zu Samstag jedoch ist laut DWD bereits der nächste schwere Sturm zu erwarten - stellenweise mit Orkanböen um 120 Stundenkilometer.

Drei Bäume stürzen auf parkende Autos in Lichterfelde

In der Nacht zu Donnerstag hatte die Berliner Feuerwehr den Ausnahmezustand bereits zwischen 2.30 Uhr und 4.30 Uhr ausgerufen. Von 2.00 Uhr bis 5.30 Uhr gab es 76 wetterbedingte Einsätze. „Größtenteils handelte es sich um umgestürzte Bäume oder lose Bauteile.“ Die Lage beruhigte sich dann zunächst.

In Berlin-Lichterfelde stürzten in der Nacht drei Bäume auf parkende Autos, auch eine Laterne wurde mitgerissen. In Marienfelde deckte der Sturm Teile eines Flachdachs ab.

Die Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ) meldete den Unfall eines Ausflugsschiffes im Westhafen. Die BVG-Fähre F12 in Grünau im Südosten Berlins fuhr wegen des Sturms nicht mehr.

Mit dem Berufsverkehr und der zunehmend belebten Stadt am Morgen kamen aber wieder viele Alarmierungen zusammen. Gegen 9.00 Uhr rief die Feuerwehr deshalb zum zweiten Mal den Ausnahmezustand aus. Ausnahmezustand bedeutet, dass so viele Alarmrufe eingehen, dass sie nicht mehr wie sonst üblich nacheinander abgearbeitet werden können, sondern andere Prioritäten gesetzt werden. Das kommt häufiger vor. Bis 13 Uhr stieg die Zahl der sturmbedingten Einsätze auf mehr als 600, bis 17 Uhr waren es mehr als 1100.

Meistens hätten die Feuerwehrleute Bäume und Äste beseitigt, die auf der Straße und zum Teil auch auf Autos lagen, sagte ein Sprecher. Oft ging es auch um lose Dachziegel oder ähnliche Gebäudeschäden.

Vom Dach der Otto-Wels-Grundschule in der Alexandrinenstraße in Kreuzberg mussten die Feuerwehrleute diesen umgestürzten Baum ziehen. Foto: Bodo Marks//dpa Vergrößern
Vom Dach der Otto-Wels-Grundschule in der Alexandrinenstraße in Kreuzberg mussten die Feuerwehrleute diesen umgestürzten Baum ziehen. © Bodo Marks//dpa
Nur ein Auto und zum Glück keine Menschen begrub dieser Baum in Kreuzberg unter sich. Foto: Gerd Roth/dpa Vergrößern
Nur ein Auto und zum Glück keine Menschen begrub dieser Baum in Kreuzberg unter sich. © Gerd Roth/dpa

Die Feuerwehr warnte auch am Donnerstag weiterhin davor, das Haus zu verlassen, wenn das nicht unbedingt nötig sei. Wälder und Parks in Berlin sollten besser nicht betreten werden, weil durch den Sturm Äste von den Bäumen fallen könnten.

Brandenburg: Feuerwehr und Polizei im Dauereinsatz

In Brandenburg waren Feuerwehr und Polizei wegen des Sturmtiefs „Ylenia“ im Dauereinsatz. Zunächst gab es keine größeren witterungsbedingten Verkehrsunfälle, wie ein Sprecher der Feuerwehr am Donnerstagmorgen mitteilte.

In den Landkreisen Cottbus, Spree-Neiße, Oberspreewald-Lausitz, Dahme-Spreewald und Elbe-Elster sei es in der Nacht zwischen 1.00 Uhr und 5.30 Uhr zu etwa 150 Einsätzen wegen umgefallener Bäume gekommen, sagte der Sprecher. Besonders in den Landkreisen Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz seien viele Bäume auf die Fahrbahn gefallen.

Auch in den Landkreisen Frankfurt (Oder), Oder-Spree und Märkisch Oderland habe es seit etwa 2.00 Uhr viele witterungsbedingte Einsätze gegeben - insgesamt etwa 80, wie ein anderer Sprecher am Donnerstagmorgen mitteilte. Häufiger Grund waren auch in diesem Fall umgefallene Bäume.

Wie die Polizei Brandenburg am Donnerstag mitteilte, hat es wegen des Sturms erheblich mehr Notrufe gegeben als üblich. Anrufer meldeten sich etwa wegen umgestürzter Bäume, abgerissener Äste, verunreinigter Fahrbahnen, beschädigter Leitplanken oder Autos, bei denen wegen des Sturms die Alarmanlage ausgelöst wurde.

Auto fährt gegen umgestürzten Baum - zwei Verletzte

Beim Zusammenstoß mit einem beim Sturm umgestürzten Baum wurden an der Landesgrenze von Mecklenburg zu Brandenburg zwei Autofahrer verletzt. Wie eine Polizeisprecherin am Donnerstag sagte, lag der Baum am Morgen auf der Landesstraße zwischen Wittstock (Kreis Ostprignitz-Ruppin) und Wredenhagen (Mecklenburgische Seenplatte). Bei Dunkelheit fuhr demnach ein 21-Jähriger aus der Müritzregion mit dem Auto dagegen, dann von der anderen Seite ein Mann mit seinem Transporter.

Die beiden Verletzten wurden in Krankenhäuser gebracht. Die Fahrzeuge könnten sich geblendet haben, hieß es. Das Auto des Mannes von der Seenplatte musste geborgen werden. An beiden Fahrzeugen entstand rund 12.000 Euro Sachschaden, hieß es. Der Unfall ereignete sich in einem dichten Waldstück.

Stromausfälle im Süden Brandenburgs

Im Süden Brandenburgs kam es in mehreren Landkreisen zu Stromausfällen. Mehr als 2500 Kunden seien zeitweilig betroffen gewesen, sagte ein Sprecher des Energieversorgers EnviaM. „Ursache waren Bäume und Äste, die auf unsere Stromleitungen stürzten. Bereits am Donnerstagmittag funktionierte die Versorgung in den meisten der betroffenen Haushalte aber wieder, lediglich 400 Kunden in den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße waren noch betroffen.“

Die Reparaturarbeiten an den zerstörten Leitungen seien im Gange, würden aber durch die zweite Welle des Sturmtiefs erschwert. Glücklicherweise könne man die Versorgung durch ein Umschalten auf andere Leitungen relativ schnell wieder garantieren. Der Sprecher bat darum, eventuelle neue Störungen anzuzeigen und warnte eindringlich davor, defekten Stromleitungen zu nahe zu kommen.

Sturmflut nach Berliner Art: Meterhoch schlagen die Wellen am Tegeler See gegen die Greenwichpromenade. Foto: Jörg Carstensen/dpa Vergrößern
Sturmflut nach Berliner Art: Meterhoch schlagen die Wellen am Tegeler See gegen die Greenwichpromenade. © Jörg Carstensen/dpa

In der Leitstelle Lausitz wurde das Personal verdoppelt. Bereits bis Beginn der zweiten Welle hatte es hier mehr als hundert Einsätze und mehr als 600 Anrufe gegeben. Meist ging es dabei um umgestürzte Bäume oder beschädigte Dächer. Menschen waren zunächst nicht verletzt worden.

In den noch aktiven Tagebauen der Niederlausitz konnte der Betrieb bis zum Donnerstagmittag „normal“ aufrecht erhalten werden, wie ein Sprecher des Energiekonzerns Leag sagte: „Bei zu starken Windspitzen müssen wir die Förderbrücken abschalten - schon allein, um unsere Kollegen zu schützen.“ Die Arme der bis zu 600 Meter langen Förderbrücken könnten bei hohen Windgeschwindigkeiten in Höhen bis zu 60 Metern bedenklich schwanken - bislang sei das aber nicht der Fall gewesen.

Schulen: Präsenzpflicht in Berlin und Brandenburg aufgehoben

Da der DWD bereits am Mittwoch eine Unwetterwarnung herausgab, in der sogar von Orkanböen die Rede ist, stellte die Berliner Bildungsverwaltung Eltern frei, ihre Kinder am Donnerstag zu Hause zu lassen: „eine formlose schriftliche Mitteilung genügt“.

Die Betreuung in den Schulen sei aber sichergestellt, hieß es auf Anfrage. Die Präsenzpflicht pausiert in der Hauptstadt schon wegen der Corona-Pandemie - allerdings muss das Fernbleiben normalerweise wochenweise erfolgen und angemeldet werden.

Auch das Brandenburger Bildungsministerium setzte wegen der Sturmwarnung die Präsenzpflicht in den Schulen an diesem Donnerstag aus: Schulkinder und ihre Eltern sollten morgens nach eigenem Ermessen entscheiden, ob sie den Weg zur Schule riskieren wollen. Die Lehrer seien jedenfalls da, um die Kinder zu betreuen. In Nordrhein-Westfalen wurde die komplette Schließung der Schulen angeordnet.

Senat warnt vor Betreten von Grünanlagen und Wäldern

Der Berliner Senat warnte dringend davor, in den nächsten Tagen Grünanlagen und Wälder zu betreten. „Herabfallende Äste und Kronenteile können lebensgefährlich sein - auch nach dem Sturm muss noch mit Astbruch oder umstürzenden Stämmen gerechnet werden“. Gefahr drohe auch von Straßenbäumen in der Stadt, fallenden Dachziegeln und Gerüstteilen.

Der Bezirk Mitte betonte: „Bäume können unvermittelt umstürzen. (...) Für Menschen, die sich in Parks und Grünanlagen aufhalten, besteht Lebensgefahr.“ Weil viele Bäume wegen der langen Trockenheit der vergangenen drei Jahre stark geschwächt seien, steige das Risiko. „Es kann zum Umsturz ganzer Bäume und zum Abbrechen starker Äste kommen, auch wenn die Bäume jährlich auf die Verkehrssicherheit überprüft wurden.“ Die Menschen sollten auch nach dem Sturm Parks erst wieder betreten, wenn Entwarnung gegeben wurde und gravierende Schäden beseitigt worden seien.

Der landeseigene Parkbetreiber Grün Berlin kündigte an, dass auch die eintrittspflichtigen Anlagen Gärten der Welt, der Britzer Garten und der Naturpark Südgelände am Donnerstag nicht öffnen werden. Sie sollen ab Freitag um 11 Uhr wieder zugänglich sein. Allerdings könnte es am Sonnabend zu erneuten Schließungen kommen. Zudem rief die Grün Berlin dazu auf, die kostenfreien Parks wie den Park am Gleisdreieck, den Mauerpark und das Tempelhofer Feld während des Sturms zu meiden

Zoo und Tierpark blieben am Donnerstag geschlossen

Zoo und Tierpark in Berlin blieben aus Sicherheitsgründen am Donnerstag geschlossen. Auch die Tiere wurden sicherheitshalber in Häusern und Stallungen untergebracht, nur das Aquarium war geöffnet. Gäste mit Tickets für den 17. Februar sollen sich zwecks Umbuchung selbstständig an ticket@zoo-berlin.de bzw. ticket@tierpark-berlin.de wenden, teilte der Zoo mit. Sollten größere Sturmschäden ausbleiben, wolle man den Betrieb am Freitag regulär wieder aufnehmen.

Die Flamingos durften wegen der Sturmwarnung nicht ins Freie. Foto: Annette Riedl/dp Vergrößern
Die Flamingos durften wegen der Sturmwarnung nicht ins Freie. © Annette Riedl/dp

Es ist nicht das erste Mal, dass Zoo und Tierpark wegen des Wetters schließen. "Das kam in letzter Zeit häufiger vor", sagte eine Sprecherin. Und auch wenn es Stimmen gegeben habe, die diese präventiven Schließungen übertrieben fanden: Bei den letzten Unwettern seien jedes Mal ein, zwei Bäume heruntergekommen im Besucherbereich - einmal eine dicke Buche. Passiert sei zum Glück niemandem etwas.

2017 allerdings nahm Sturm Xavier 18 Flamingos das Leben - durch herabfallende Äste, berichtete die "Berliner Morgenpost" damals. Die Tiere hätten sich partout nicht in ihre Stallungen bewegen lassen. "Die Schließung am Donnerstag ist also nicht übervorsichtig", so die Sprecherin. "Vorsicht ist da besser als Nachsicht. Für Mensch und Tier."

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