Die Streetartkünstler How (l.) and Nosm (Raoul and Davide Perre) lassen ein 360-Grad-Gemälde entstehen. Foto: Gregor Fischer/AFP
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Streetart im Humboldt Forum How und Nosm sprühen für Berlin-Ausstellung

Carry Fuchs

Auf 275 Quadratmetern entsteht das neueste Wandgemälde der Streetartkünstler How und Nosm. Vier Wände zeigen eine zerteilte Welt.

Der Geruch von Farbe aus Spraydosen: Das ist das erste, was einem in die Nase steigt, betritt man den Eröffnungsraum der Berlin Ausstellung im Humboldt Forum. Zumindest wird das noch die nächsten zwei Wochen so sein. So lange werden die beiden Street-artkünstler How und Nosm noch an ihrem großflächigen, 360-Grad Wandbild „Weltdenken“ (World Thinking), arbeiten. Das Kunstwerk wird mit der Eröffnung des Humboldt Forums im September 2020 im Rahmen der Berlin Ausstellung zu sehen sein.

Seit März 2015 entwickelt die Kulturprojekte Berlin GmbH im Auftrag des Berliner Senats ein kulturelles Großprojekt im teilweise rekonstruierten Stadtschloss. Die Berlin Ausstellung wird auf einer Gesamtfläche von 4.000 Quadratmetern in insgesamt neun Räumen das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen Berlin und der Welt erzählen. In jedem Raum werden die Besucher typische Berlin- und Weltthemen finden – von Revolution, Freiraum, Vergnügen und Grenzen bis hin zu Krieg, Mode und Verflechtung.

Farbe an die Wand. How und Nosm bei der Arbeit im Humboldt Forum. Foto: AFP Vergrößern
Farbe an die Wand. How und Nosm bei der Arbeit im Humboldt Forum. © AFP

Den ersten Raum, der Berlin Ausstellung werden die Besucher künftig über eine Rolltreppe erreichen. Dort erwartet sie ein 275 Quadratmeter großer Raum in dem das Wandbild „Weltdenken“ an allen vier Wänden zu sehen sein wird. Auf jeder Wand soll sich künftig ein Weltbild befinden, das jeweils einen historischen Bezug hat – für das Bild einer zerteilten Welt steht: beispielsweise das 19. Jahrhundert, dass durch die koloniale Politik der europäischen Mächte auch die Berliner Wissenschafts- und Sammelgeschichte prägte und sich so zum Beispiel durch ein Porträt von Robert Koch in dem Kunstwerk wiederfindet, Christoph Kolumbus findet sich auf der Wand zum Thema Expansion wieder.

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Diese Thematiken hat das Künstlerduo im eigenen Stil umgesetzt. Rosa, Rot, Violett, Weiß und Schwarz, auf riesigem Format: Das ist das Markenzeichen der beiden deutsch-spanischen Zwillingsbrüder aus New York. Unverkennbar ist auch der Zeichenstil: Klare Linien, detaillierte Darstellungen. Die riesigen Wandbilder bestehen zum Teil aus filigranen Zeichnungen und das macht sie für den ersten Raum der Ausstellung so wichtig.

Für das Projekt der Berlin Ausstellung seien die deutsch-spanischen Street-Art Künstler perfekt gewesen, meint Kuratorin Young: „Die Fähigkeit große, detaillierte Geschichten zusammen an einer Wand zu erzählen eine ganze Geschichte mit einem Bild zu erzählen, ja ein ganzes Jahrhundert auf eine Wand zu packen, war für dieses Projekt unerlässlich“, erklärt Yasha Young. Die Kuratorin hatte bereits 2015 mit den beiden Zwillingsbrüdern How und Nosm zusammengearbeitet, die eigentlich Raoul and Davide Perre heißen.

Kunst lässt Freiraum zur Interpretation

Im Rahmen des damaligen Projektes besprühten die Künstler eine Hausfassade in der Neheimer Straße 6 in Tegel. In der Berlin Ausstellung soll es vor allem darum gehen, Gedanken und Reflektionen anzustoßen. Das Schöne an der Kunst sei, sagt Paul Spies, Direktor des Berliner Stadtmuseums und Chef-Kurator des Landes Berlin im Humboldt Forum, dass man sie nicht aufschreiben muss. Sobald man etwas aufschreibe, werde es gleich politisch. Die Kunst aber lasse dem Betrachter Freiraum zur Interpretation:

„Die Ausstellung soll zum Denken anregen. Warum sind die Objekte, die gesammelt sind in Berlin und nicht in Afrika?“.

Vertreter der Presse besichtigen das 375 Quadratmeter große Wandbild "Weltdenken". Foto: Gregor Fischer/dpa Vergrößern
Vertreter der Presse besichtigen das 375 Quadratmeter große Wandbild "Weltdenken". © Gregor Fischer/dpa

Damit verweist Spies auf die Debatte, ob die Exponate aus dem Ethnologischen Museum Dahlem, die künftig auch im Humboldt Forum – abseits von der Berlin Ausstellung - gezeigt werden sollen. Bei den Exponaten handelt sich um Benin-Bronzen, bei denen vermutet wird, dass es sich um Beutekunst aus Kolonialzeiten handelt.

Die Initiative „No Humboldt 21“ hatte bereits vor rund sechs Jahren für den Baustopp des Humboldt Forums ausgesprochen. Das Ziel, die Menschen zum Denken anzuregen, wird durch Partizipative Formate unterstützt: Die Besucher erhalten zu Beginn der Ausstellung ein Armband und können durch die Beantwortung von Fragen, die die Ausstellung an sie richtet, ihre eigene Spur hinterlassen. Am Ende erhält jeder eine Auswertung, die eigene Positionen wiederspiegelt, aber auch das Meinungsbild der anderen Besucher zeigt.

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