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Online-Veranstaltungen an vier Hochschulen wurden gestört. Foto: picture alliance/dpa
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Störungen von Onlinekursen „Zoombombing“ an Berliner Unis

Durch „Zoombombing“ stören Hacker digitale Uni-Veranstaltungen mit pornographischen und rechtsradikalen Inhalten. Das wirft Fragen zum Datenschutz auf.

In einem Onlinekurs wird auf einmal Pornographie eingespielt. Oder eine digitale Vorlesung wird mit rechtsradikalen und antisemitischen Inhalten gestört. Diese Vorfälle, in der Regel durch anonyme Quellen, nennen sich „Zoombombing“ – und sind seit Pandemiebeginn auch bei Online-Veranstaltungen der Berliner Unis aufgetreten.

Das geht aus einer Antwort der Wissenschaftsverwaltung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Niklas Schrader und Tobias Schulze hervor. In der Antwort ist von „vereinzelten“ Störungen an vier Hochschulen die Rede: und zwar an der Freien Universität, der Humboldt-Universität, der Technischen Universität und der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR).

Mindestens 13 Zwischenfälle

Aufgelistet sind zusammen 13 Zwischenfälle an TU, FU und HWR. Dazu gehören öffentliche Veranstaltungen wie eine Sprechstunde der Studienberatung der TU, die durch „Exhibtionismus“ unterbrochen wurde. Andere Zwischenfälle betreffen Seminare und Tutorien. So traten während eines Online-Jurakurses an der FU unbekannte Teilnehmende dem Seminar mehrfach bei, um einzelne Studierende zu beschimpfen.

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Dazu kommen Störungen im „einstelligen Bereich“ an der HU, heißt es. Mindestens einmal wurde dort zum Beispiel mit pornografischen Inhalten eine öffentlich zugängliche Online-Sitzung des Akademisches Senates gehackt, bei der auch der Tagesspiegel zugeschaltet war. Die betreffende Sitzung wurde schnell unterbrochen und nach kurzer Zeit neu gestartet.

Internationale IP-Adressen als Quellen

Das Phänomen ist nicht auf Berliner Hochschulen beschränkt. Weltweit sind an Unis und vielen anderen Einrichtungen Hinweise auf solche Störungen zu finden. In Berlin heißt es nun, bei den Angreifer:innen handele es sich im Wesentlichen um zwei Gruppen. Insbesondere bei öffentlichen Veranstaltungen wurden internationale IP-Adressen als Quellen identifiziert, es handele sich also höchstwahrscheinlich nicht um Unimitglieder.

Bei der anderen Gruppe dürften dagegen Studierende der gestörten Veranstaltungen zumindest beteiligt gewesen sein, da die Meeting-Informationen nicht öffentlich zugänglich waren.

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Unlängst löste es Diskussionen aus, dass die FU weiter auf das Videokonferenzsystem Webex setzt, obwohl die Berliner Datenschutzbeauftragte das System mit einer roten Ampel versehen hat. Sind die „Zoombombings“ ein weiteres Anzeichen dafür, dass die Hochschulen zu lax mit der entsprechenden Software umgehen?

Gibt es Alternativlösungen?

Die Unis weisen darauf hin, dass alle gängigen Videokonferenzsysteme wie Zoom, Webex oder Microsoft Teams mit der roten Ampel versehen sind – und mit Alternativlösungen Onlinelehre in großem Umfang nicht zu stemmen sei. „Es gibt nach unserer Kenntnis keine Softwaresysteme, die einerseits unsere Anforderungen bezüglich Stabilität, Skalierbarkeit und Performanz erfüllen, zweitens die Datenschutzforderungen bezüglich Lehrveranstaltungen erfüllen und drittens ,Bombing‘ wirksam verhindern“, sagt TU-Vizepräsident Hans-Ulrich Heiß. Tatsächlich nutzen auch viele andere Einrichtungen die genannten Systeme, etwa der Berliner Senat und das Abgeordnetenhaus.

Die wirksamste Gegenmaßnahme wäre laut Heiß, wenn sich alle beim Zugang zu einer Zoom-Veranstaltung individuell authentifizieren müssten: „Das bleibt uns aufgrund von Forderungen des Datenschutzes aber verwehrt.“ Stattdessen würden Warteräume für Meetings eingerichtet, was eine andere Zugangskontrollmöglichkeit darstelle. Mitarbeitende würden gewarnt, dass eine Ankündigung von Veranstaltungen auf sozialen Medien das Risiko von Störungen erhöhe. Weitere Schulungen seien in Arbeit.

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