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Ankunft der französischen Delegation zur Kapitulationsunterzeichnung der Wehrmacht am 8. Mai 1945 in Karlshorst. Foto: Timofej Melnik/Deutsch-Russisches Museum
© Timofej Melnik/Deutsch-Russisches Museum

Stimmen der Kapitulation Ein Podcast erzählt das Kriegsende aus Sicht der Alliierten

Verärgerte Franzosen, arrogante Deutsche: Ein Podcast zum Jahrestag der Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai lässt Vertreter der Siegermächte zu Wort kommen.

Es war ein historischer Augenblick, der nach unendlich viel Leid den Zweiten Weltkrieg in Europa beendete. Am 8. Mai 1945 unterzeichnete die Führung der Wehrmacht im sowjetischen Hauptquartier – dem heutigen Deutsch-Russischen Museum – in Gegenwart der Alliierten die Kapitulation der Wehrmacht.

Aus diesem Anlass – und weil Corona nicht mehr zulässt – erinnert das Deutsch-Russische Museum in einem Podcast mit dem Titel „Die Kapitulationsunterzeichnung in Berlin-Karlshorst in den Memoiren der Beteiligten“ an das Ereignis.

„Wir standen herum […] und traten von einem Fuß auf den anderen. Alle wurden müde und matt. Tedder saß die Situation gelassen aus. Er stopfte sich ein um das andere Mal seine Pfeife und paffte […]. Die Unterhändler, die sich um die Neufassung der Kapitulationsbedingungen kümmerten, bekamen Unterstützung durch Ikes [Eisenhowers] Sekretärin Feldwebelleutnant Nana Rae, die klugerweise ihre Schreibmaschine mitgebracht hatte. […] Bei der Neufassung ging es zu wie im Taubenschlag“, berichtet der amerikanischen Hauptmanns Harry C. Butcher von dem Ringen um die letzten Formulierungen der Kapitulationsurkunde, die dann um 0.16 Uhr endlich unterzeichnet wurde. Butcher war persönlichen Berater von General Dwight D. Eisenhower – auch Ike genannt.

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In einem 19-minütigen Podcast hat Direktor Jörg Morré Zitate des russischen Generals Georgi Schukow, des französischen Generals Jean de Lattre de Tassigny und des britischen Marschalls Arthur Tedder zusammengestellt und dramatisch verdichtet, sodass erstmals die Kapitulation aus der Sicht der Alliierten geschildert wird. 

Bisher wurden die Ereignisse in Deutschland vor allem auf Basis von Wehrmachtsakten erzählt, deren Dokumentation mit der Kapitulation von Reims am 7. Mai endete.

Es ist interessant zu hören, wie die Beteiligten aufeinander reagierten und einander beurteilten. Die Franzosen vermissten zunächst ihre Fahne, die dann eilig genäht wurde, die Deutschen wurden als arrogant wahrgenommen, bis sie als Besiegte die Zeremonie verließen.

Der Podcast vermittelt überraschende Erkenntnisse über eine vermeintlich bekannte Geschichte. Etwa, dass Tedder bei der Ankunft auf dem Flughafen Tempelhof noch den scharfen Geruch der brennenden Stadt bemerkte. Der Podcast wird am 8. Mai zuerst auf Deutsch veröffentlicht. Versionen auf Englisch und Russisch sollen folgen.

Arthur Tedder (links) und Georgi Schukow bei der Entgegennahme Kapitulation am 8. Mai 1945. Foto: Iwan Schagin/Deutsch-Russisches Museum Vergrößern
Arthur Tedder (links) und Georgi Schukow bei der Entgegennahme Kapitulation am 8. Mai 1945. © Iwan Schagin/Deutsch-Russisches Museum

Auf der Website des Museums findet sich auch der virtuelle Rundgang durch die Jubiläumsausstellung „Von Casablanca nach Karlshorst – 75 Jahre Kriegsende in Europa“ aus 2020. Der traditionelle „Toast für den Frieden“, der jedes Jahr das Museumsfest am 8. Mai mit Reden von zivilgesellschaftlichen Organisationen aus allen beteiligten Ländern im Kapitulationssaal abschließt, muss auch in diesem Jahr virtuell stattfinden.

Jugendliche und junge Erwachsenen aus Russland, Belarus, Ukraine, USA, Großbritannien und Frankreich werden in Videobotschaften auf der Website des Museums zu hören sein.

Weitere Informationen unter www.museum-karlshorst.de

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