Stephan von Dassel ist seit 2016 Bürgermeister des Bezirks Mitte. Im April hatte der Grünen-Politiker erklärt, sich selbst mit dem Coronavirus angesteckt zu haben – bei seiner Frau. Foto: dpa
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Stephan von Dassel zu Corona in Mitte „Als letztes Mittel müssen wir Schließungen von Bars und Gaststätten erwägen“

Mitte hat mehr Infizierte als die anderen Bezirke und liegt bundesweit auf Platz 2 – noch ist die Sache unter Kontrolle, sagt der Bezirksbürgermeister.

Stephan von Dassel ist seit 2016 Bürgermeister des Bezirks Mitte. Im April hatte der Grünen-Politiker erklärt, sich selbst mit dem Coronavirus angesteckt zu haben – bei seiner Frau.

Herr von Dassel, der Bezirk Mitte, für den Sie zuständig sind, ist Spitzenreiter der Corona-Neuinfektionen in Berlin und bundesweit auf Platz 2. Haben Sie die Lage noch unter Kontrolle?
Unsere medizinischen Fachleute schätzen das momentan so ein, ja. Es kommt dabei aber darauf an, wie man Kontrolle definiert. Derzeit können wir in Mitte, wenn wir Infektionsfälle feststellen, nachverfolgen, wer Kontakt hatte, um weitere Infizierte ausfindig zu machen und in Quarantäne zu schicken. Das schafft unser Gesundheitsamt noch. Es bewältigt gleichzeitig auch die notwendigen Massentests, wie beispielsweise vor einigen Tagen, als wir alle Beschäftigten einer Bar am Alexanderplatz getestet haben. Und es ist immer noch leistbar, dass diese Tests in der Regel innerhalb von 24 Stunden ausgewertet werden. Wenn das die Kriterien sind, haben wir das Geschehen unter Kontrolle. Schwer einzuschätzen ist allerdings die Dunkelziffer, insbesondere unter jungen Leuten.

Es heißt, die Erhöhung der Infektionen komme besonders von den Reiserückkehrern. Haben Sie eine Strategie, wie das eingedämmt werden kann?
Ab Montag soll am Hauptbahnhof, so wie es an den Flughäfen schon der Fall ist, die Möglichkeit für Rückkehrende bestehen, sich testen zu lassen. Allerdings wurde noch nicht das Problem gelöst, wie mit Menschen umgegangen wird, die falsche Personalangaben machen. Das kommt leider immer noch extrem häufig vor. Listen, die nicht stimmen, können nicht nachverfolgt werden und nicht den zuständigen Gesundheitsämtern zugeordnet werden.

Die Gesundheitssenatorin möchte sich mit den Bezirken über ein lokal und zeitlich begrenztes Verbot des Außerhausverkaufs von Alkohol austauschen. Wie könnte ein Verbot aussehen?
Dass sich die Gesundheitssenatorin mit den Bezirken darüber austauschen möchte, ob dies für Berlin ein Modell sein und wie das konkret aussehen könnte, begrüße ich. Ich habe heute die Senatsverwaltung gebeten, aus Hamburg, wo mit dieser Strategie an besonderen Brennpunkten offenbar erfolgreich gearbeitet wird, belastbare Zahlen zu erfragen. Wie funktioniert das wirklich? Was muss man bedenken? Gab es Verlagerungen? Das müssen wir wissen, bevor wir mit dem Senat darüber sprechen.

Gab es auch schon Überlegungen zu einer Sperrstunde oder einem Alkoholverkaufsverbot in Spätis und Kneipen nach 22 Uhr?
Das ist Sache des Senats. Eine Sperrstunde können wir nicht bezirksindividuell begründen.

Sie kündigten jetzt verstärkte Kontrollen für dieses Wochenende an, wie sieht das konkret aus?
Es wird sicherlich, wie an den vergangenen Wochenenden auch, Einsätze weit über 24 Uhr hinaus geben. Das Ordnungsamt Mitte wird jetzt darauf schauen, welche Bars und Gaststätten mehrfach auffällig waren und wo wir womöglich zu drastischeren Mitteln greifen müssen. Bei vielen gastronomischen Einrichtungen haben wir allerdings Verbesserungen festgestellt. Aber wenn jetzt am dritten Wochenende beispielsweise immer noch keine Kontaktlisten geführt werden sollten, dann müssen als letztes Mittel auch Schließungen in Erwägung gezogen werden.

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