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Mit dem Pappbecher voll Glühwein durch den „Zero Waste“-Bezirk Friedrichshain. Foto: dpa
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Statt Berliner Weihnachtsmärkten Sind die Glühwein-Pulks in Prenzlauer Berg und Friedrichshain Corona-konform?

„Glühwein to go“ ist auch während der Pandemie erlaubt. Das Ordnungsamt eines Bezirks will nun gegen Gruppen an Verkaufsständen vorgehen.

„Drei Döner und drei Glühwein, bitte.“ Ein paar Jugendliche stehen am „Döner-Dach“ in der Simon-Dach-Straße in Friedrichshain. Vor dem Imbiss ist ein bunt blinkender Stand aufgebaut, hier wird massig Glühwein verkauft. Früher, vor Corona, war „Döner-Dach“ vor allem ein Anlaufpunkt für die Feiernden vom nahegelegenen RAW-Gelände, morgens auch für den „Kater-Döner“. Lange her.

Mit dem Virus wurde es stiller auf der Partymeile, zu der die Simon- „Krach- oder -„Lach-Straße gehört. Die Dealer stehen zwar weiterhin in der Kälte, aber die Bars und Restaurants haben geschlossen.

Nun ist die Straße zur Glühwein-Meile geworden: Spätis, Asia-Imbisse, Rahmen-Restaurants, Pizzerien, Döner-Läden und sogar Privathaushalte verkaufen Becher mit dampfendem Inhalt – zusätzlich zu ihren sonstigen Angeboten. Alles „to go“ natürlich. Doch nicht alle Kundinnen und Kunden gehen gleich weiter. 

Die Mitarbeiterin eines asiatischen Restaurants an der Ecke Boxhagener Straße, Simon-Dach-Straße sagt, Glühwein sei mittlerweile die Haupteinnahmequelle des Lokals. Leute aus dem Kiez stehen bei ihr an, machen ihre tägliche Runde um den Block, wie sie sagen. „Wir brauchen ja Bewegung, mal raus aus dem Homeoffice.“

Und mit einem warmen Getränk in der Hand laufe es sich gleich viel besser – zudem komme noch etwas weihnachtliche Stimmung auf. Leider nur in Pappbechern. Sie dürfe den Glühwein nicht in mitgebrachte Tassen kippen, erklärt die Verkäuferin. Im Kiez sind keine Leute mit Keramiktassen zu sehen - und das im „Zero Waste“-Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.

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Eine Ausnahme während dieser schwierigen Phase der Pandemie? Der Bezirk hatte sein neues Müllkonzept Anfang des Jahres vorgestellt. Doch für die Gastro-Betriebe scheint das Pappbecher-Prinzip derzeit am einfachsten und sichersten zu funktionieren. Eine Auflage des Bezirksamtes, wegen Corona nur in Pappbechern ausschenken zu dürfen, gibt es jedenfalls nicht. 

Maske ab für den Konsum

Unterdessen hat sich eine Schlange gebildet, die Abstandsregeln werden eingehalten, die Masken zum Trinken allerdings abgenommen. So lässt sich auch das verpflichtende Maskengebot auf dem angrenzenden Boxhagener Platz umgehen: Wer konsumiert, setzt den Schutz natürlich ab. Und so stehen auf dem „Boxi“ viele kleine Grüppchen, Friedrichshainer Glühwein-Punks.

Bisher habe das Ordnungsamt keine Hinweise bekommen, dass Corona-Auflagen nicht eingehalten werden, sagt Andy Hehmke, SPD-Ordnungsstadtrat. „Die Glühweinstände der örtlichen Gastronomie bringen ein bisschen Weihnachtsflair in die Straßen unserer Kieze und geben den Menschen trotz Teil-Lockdown die Möglichkeit, einer liebgewonnenen Adventstradition nachzugehen – natürlich unter Einhaltung der Infektionsschutzverordnung und der lebensmittelrechtlichen Vorschriften.“

AfD-Stadtrat gegen Glühwein-Pulks in Prenzlauer Berg

Auch im Bezirk Pankow kennt man die sich um Stände bildenden „Glühwein-Pulks“, besonders in Prenzlauer Berg. Hier will das Ordnungsamt jedoch dagegen vorgehen. Das kündigt Ordnungsstadtrat Daniel Krüger (AfD) an. „Konkret haben wir Probleme mit dem Ausschank von Alkohol in der Stargarder Straße und teilweise in der Hufelandstraße.“ In der Stargarder Straße sei das besonders problematisch, da „sich dort die Läden ballen und auch der Gehweg sehr schmal ist und es viel Fußverkehr gibt“.

Stehenbleiben verboten

Zwar hatte nicht nur Pankows Bezirksamt die Sondernutzungsregeln für Gehwege unlängst gelockert, um Gastronomen Außenterrassen zu ermöglichen. Sogar Heizungen und Zelte sind demnach prinzipiell erlaubt.

Doch nach der erneuten Verschärfung der Pandemieverordnung sei das inzwischen überholt, sagt Krüger: „Vor jeglichen geöffneten Ladengeschäften ist nun Mundschutz zu tragen ist. Und die Maßgabe auch beim Kauf von Lebensmitteln lautet zudem, dass die Leute weitergehen müssen.“

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Der erlaubte Außerhausverkauf von Lebensmitteln ziele eigentlich auf Restaurants ab, „da holt man sich das Essen und geht wieder“, sagt Krüger. Mit dem Alkoholausschank auf dem Gehweg hätten die Gastronomen hier „ein Schlupfloch gefunden“. Doch das Einhalten der Lockdown- und Abstands-Regeln sei beim Glühwein- oder generellen Alkoholtrinken schwierig, „denn man trinkt ja in der Regel nicht alleine. Da kommt es quasi automatisch zu Verstößen“.

Gegen diese „Glühwein-Pulks“ müsse das Ordnungsamt nun vorgehen. „Wir machen die Regeln nicht, aber wir müssen sie natürlich durchsetzen“, sagt Krüger, der teilweise „sinnfreie“ und widersprüchliche Regelungen in der Verordnung kritisiert. „Wir machen das mit Augenmaß, wir ziehen nicht gleich den Quittungsblock. Unsere Kollegen im Außendienst werden die Gastronomen und Besucher dafür sensibilisieren, dass es zu keiner Pulkbildung vor den Türen kommt.“

In den späten Abendstunden sei aber auch die Polizei gefragt, „da sind unsere Leute nicht mehr im Einsatz“.

Weihnachtsähnliche Zustände ohne Glühwein

Und wie sieht es außerhalb der Ringbahn aus? Spandau, das in der Infektionstabelle weit oben liegt, will fünf Buden aufstellen - ohne Glühwein. Denn dann würden sich dort Gruppen bilden, ist sich Stadtrat Frank Bewig (CDU) sicher. Weihnachtliche Stimmung soll mit gebrannten Mandeln und anderen Produkten aufkommen. Glühwein gibt es natürlich auch in Spandau an vielen Orten zu kaufen. 

Zum Glühwein-Hotspot könnte auch die Weitlingstraße in Lichtenberg werden, die von Händlern geschmückt und zur „Weihnachtsstraße“ ernannt wurde. Ab Montag, den 7. Dezember, starte dort Außerhausverkäufe von Pizzerien, Cafés, Modegeschäften und Orthopädieläden. Ein Lampenladen wirbt mit dem Verkauf von Ersatzglühbirnen, ein Schuhgeschäft verspricht Rabatte und kleine Süßigkeiten. Und Glühwein, na klar, wird es auch geben.

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