Hubertus Knabe, entlassener Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen. Foto: Tim Brakemeier/dpa
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Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen Lederer überlässt Grütters Personalsuche für Knabe-Nachfolger

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Bloß kein Affront: Berlins Kultursenator Lederer (Linke) hält sich bei der Suche nach einem neuen Direktor für die Gedenkstätte Hohenschönhausen heraus.

Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) gibt die Suche nach einem Nachfolger für den entlassenen Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, komplett in die Hände von Bundeskulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Er habe Grütters vorgeschlagen, dass sie das Verfahren begleiten solle, um „die Fachkunde bei der Auswahl zu stärken und der Unterstellung entgegenzuwirken, es sei hier etwas anderes relevant gewesen als das Handeln der bisherigen Stiftungsleitung“, sagte Lederer dem Tagesspiegel. Damit soll jeder Verdacht zerstreut werden, ein Linke-Politiker würde die Arbeit der Gedenkstätte beeinflussen.

Nicht Lederer, sondern Grütters wird nun die Stellenausschreibung für den Direktorenposten an der Gedenkstätte, die von Berlin und vom Bund finanziert wird, herausgeben. Die Staatsministerin soll auch die unabhängige Findungskommission für die Knabe-Nachfolge einsetzen und die fünf Mitglieder benennen. Das Gremium soll dem Stiftungsrat, dem Lederer nach dem Gesetz vorsitzt, aus dem Bewerberpool Vorschläge unterbreiten. In der Kommission sollen aber weder das Kanzleramt, wo Grütters als Bundesbeauftragte für Kultur angesiedelt ist, noch die Berliner Kulturverwaltung vertreten sein, sagte Lederer.

Grütters will damit nicht nur die Kritik an dem Verfahren entkräften, ein linker Kultursenator könne jemanden, der das DDR-Unrecht verharmlost, zum Leiter der Gedenkstätte berufen. Sie wolle auch ein „Vertrauenssignal an die Opfer der SED-Diktatur und an die Gruppe der Experten senden, die an der Aufarbeitung der SED-Diktatur beteiligt sind“, sagt Grütters dem "Spiegel".

Stiftungsrat hält Sexismus-Vorwürfe für stichhaltig

Hubertus Knabe ist vor zwei Wochen als Direktor beurlaubt und zum 31. März 2019 gekündigt worden. Der Stiftungsrat hatte ihm infolge von Sexismusvorwürfen gegen den Vize-Direktor Frauendorfer einstimmig das Vertrauen entzogen, den dringend nötigen Kulturwandel in der Gedenkstätte einzuleiten oder glaubhaft vertreten zu können. Frauendorfer soll über Jahre Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben – und hat Fehlverhalten eingeräumt.

In einem Brief vom Juni an Lederer und Grütters hatten sechs frühere Mitarbeiterinnen „eine Regelhaftigkeit übergriffiger Verhaltensmuster“, ein „Frauenbild der 50er Jahre“ und „strukturellen Sexismus“ in der Gedenkstätte beklagt. Frauendorfer soll sie mit nächtlichen SMS und Berichten über seine Besuche im Bordell oder im Swingerclub belästigt haben - und ihnen auch körperlich zu nahe gekommen sein.

Im Auftrag von Lederer und Grütters hat eine Anwältin die Vorfälle geprüft, die sechs Verfasserinnen des Briefes und weitere Frauen, aber auch Frauendorfer angehört. Das Ergebnis: Die Vorwürfe seien "substanziiert". Knabe hat nach Ansicht des Stiftungsrates die Missstände über Jahre nicht nur geduldet, sondern sogar befördert. Er sei seinen Sorgfaltspflichten nicht nachgekommen. Daher habe der Stiftungskraft kein Vertrauen mehr in seine Fähigkeiten als Führungskraft, hieß es. 

Knabe soll Anweisungen nicht befolgt haben

Knabe war erstmals 2016 über Belästigungsvorwürfe informiert worden, die Kulturverwaltung zog mehrfach Volontärinnen ab. Knabe hat laut Verwaltung Anweisungen und Bitten, um weitere Vorfälle zu verhindern, nicht befolgt. Dazu zählt etwa die 2017 ergangene Anweisung, eine Volontärin nicht im Bereich von Frauendorfer einsetzen. Auch gegen Knabe selbst sind Belästigungsvorwürfe laut geworden. 

Inzwischen haben Knabe und Frauendorfer eine Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht Berlin eingereicht. Mit der Klage wollen beide feststellen lassen, dass ihr Arbeitsverhältnis mit der am 25. September vom Stiftungsrat einstimmig beschlossenen Kündigung nicht aufgelöst worden ist. Knabe wies den Vorwurf, in der Gedenkstätte habe ein „Klima der Angst und des Mobbings geherrscht“, als falsch zurück. Er habe seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stets "fair und respektvoll behandelt".

 

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