Hubertus Knabe, Ex-Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, gedenkt 2016 mit einer Kranzniederlegung an die Opfer von Stalinismus und Nationalsozialismus. Foto: Maurizio Gambarini/dpa
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Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen Hubertus Knabe klagt gegen seine Entlassung

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Wegen Sexismus-Vorwürfen in der Gedenkstätte Hohenschönhausen wurden Direktor und Vizedirektor gekündigt. Jetzt wehren sich Knabe und Frauendorfer juristisch.

Der als Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte entlassene Hubertus Knabe hat eine Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht Berlin eingereicht. Auch der als wegen Belästigungsvorwürfen gekündigte Vize-Direktor Helmuth Frauendorfer geht juristisch gegen seinen Rausschmiss vor.

Das bestätigte eine Sprecherin des Arbeitsgerichts. Mit der Klage wollen beide feststellen lassen, dass ihr Arbeitsverhältnis mit der am 25. September vom Stiftungsrat einstimmig beschlossene Kündigung nicht aufgelöst worden ist. Es werde jetzt zeitnah ein Gütetermin anberaumt, bei dem zunächst nach einer gütlichen Einigung gesucht werde. Sollte es dazu nicht kommen, müsse der Arbeitgeber, also das Land Berlin, die Gründe für die Entlassung darlegen. Dann käme es zum Prozess.

Knabe ist vor zwei Wochen beurlaubt und zum 31. März 2019 gekündigt worden. Der Stiftungsrat hatte ihm infolge von Sexismusvorwürfen gegen den Vize-Direktor Frauendorfer einstimmig das Vertrauen entzogen, den dringend nötigen Kulturwandel in der Gedenkstätte einzuleiten oder glaubhaft vertreten zu können. Frauendorfer soll über Jahre Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben – und hat Fehlverhalten eingeräumt.

Frauendorfer soll Mitarbeiterinnen mit Berichten über Bordellbesuche belästigt haben

In einem Brief vom Juni an Lederer und Grütters hatten sechs frühere Mitarbeiterinnen „eine Regelhaftigkeit übergriffiger Verhaltensmuster“, ein „Frauenbild der 50er Jahre“ und „strukturellen Sexismus“ in der Gedenkstätte beklagt. Frauendorfer soll sie mit nächtlichen SMS und Berichten über seine Besuche im Bordell oder im Swingerclub belästigt haben - und ihnen auch körperlich zu nahe gekommen sein.

Im Auftrag von Lederer und Grütters hat eine Anwältin die Vorfälle geprüft, die sechs Verfasserinnen des Briefes und weitere Frauen, aber auch Frauendorfer angehört. Das Ergebnis: Die Vorwürfe seien "substanziiert".

Knabe hat nach Ansicht des Stiftungsrates die Missstände über Jahre nicht nur geduldet, sondern sogar befördert. Er sei seinen Sorgfaltspflichten nicht nachgekommen. Daher habe der Stiftungskraft kein Vertrauen mehr in seine Fähigkeiten als Führungskraft, hieß es.

Knabe war erstmals 2016 über Belästigungsvorwürfe informiert worden, die Kulturverwaltung zog mehrfach Volontärinnen ab. Knabe hat laut Verwaltung Anweisungen und Bitten, um weitere Vorfälle zu verhindern, nicht befolgt. Dazu zählt etwa die 2017 ergangene Anweisung, eine Volontärin nicht im Bereich von Frauendorfer einsetzen. Auch gegen Knabe selbst sind Belästigungsvorwürfe laut geworden. Knabe wies die Vorwürfe am Dienstag zurück. Der Vorwurf, in der Gedenkstätte habe ein „Klima der Angst und des Mobbings geherrscht“, sei falsch. Er habe seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stets "fair und respektvoll behandelt".

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