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Die Gropiusstadt in Neukölln belegt in punkto Armut und Krankheit im Sozialstrukturatlas 2022 einen der vorderen Plätze. Foto: imago stock&people
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Spitzenreiter Steglitz-Zehlendorf, Schlusslicht Neukölln Berlin ist bei Gesundheit und sozialer Lage tief gespalten

Der diesjährige Gesundheits- und Sozialstrukturatlas zeigt Berlin als zutiefst ungleiche Stadt. Innen- und Außenbezirken zeigen dabei einen gegenläufigen Trend.

Die Berliner leben immer länger. Doch bei Gesundheit und sozialer Lage ist die Hauptstadt tief gespalten. In der Innenstadt wird es besser, in Vierteln am Stadtrand geht es bergab. Zu diesem Ergebnis kommt der neue „Gesundheits- und Sozialstrukturatlas Berlin 2022“ der Senatsgesundheitsverwaltung für die Entwicklung seit dem Jahr 2013. Ein Überblick.

Die gespaltene Stadt

Berlin ist nicht nur sozial tief gespalten. Auch die gesundheitliche Lage der Bewohner unterscheidet sich zwischen den Bezirken und Vierteln massiv. Die geringsten gesundheitlichen und sozialen Belastungen treten in Steglitz-Zehlendorf auf: Nirgendwo ist die Arbeitslosenquote niedriger, nirgendwo gibt es weniger Wohnungen in sogenannter einfacher Lage.

Auch gesundheitlich geht es den Menschen im Südwesten am besten. Eine ähnlich günstige Lage und Sozialstruktur weisen Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf und Treptow-Köpenick auf.

Ungleich schlechter ist die Situation in Reinickendorf sowie – mit noch einmal deutlich stärkeren Belastungen – in Mitte, Spandau und Neukölln. Diese vier Bezirke weisen die höchsten Anteile an Sozialhilfeempfängern, eine hohe frühzeitige Sterblichkeit und eine geringere Lebenserwartung der Bewohner auf. Insbesondere in Neukölln zeigen sich bei mehr als der Hälfte der 20 verwendeten Indikatoren die höchsten Belastungen im Vergleich zu den anderen Bezirken.

Bezirke mit zwei Gesichtern

Häufig sind die Bezirke selbst tief gespalten. In Spandau und Mitte etwa herrscht in rund einem Viertel der Planungsräume eine sehr günstige gesundheitliche Lage. Zugleich haben viele Menschen in Ortsteilen wie Gesundbrunnen, Wedding und Moabit, in Charlottenburg-Nord und in Siemensstadt, Haselhorst, Ortsteil Spandau, Wilhelmstadt und Falkenhagener Feld mit Armut und Krankheit zu kämpfen. Besonders schlimm ist es in Nord- Neukölln, Gropiusstadt, Nord-Kreuzberg, den Plattenbauten von Marzahn-Hellersdorf und Teilen von Lichtenberg.

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Fast die Hälfte der Planungsräume in der inneren Stadt weist einen aufsteigenden Trend auf. Bei den Planungsräumen der äußeren Stadt ist es nur ein Viertel. Trotz bestehender Probleme hat sich die Lage in den zentralen Bezirken Mitte und Kreuzberg verbessert. In der äußeren Stadt weist mehr als jedes dritte Gebiet eine deutlich schlechtere Rangplatzierung als 2013 auf. Die Planungsräume mit klar negativer Dynamik konzentrieren sich in Spandau, Reinickendorf sowie in den südlichen Teilen von Tempelhof-Schöneberg und Neukölln.

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Nirgendwo in Berlin werden die Bewohner so alt wie in Charlottenburg-Wilmersdorf. Dort liegt die mittlere Lebenserwartung bei 82,4 Jahren, in Steglitz-Zehlendorf bei 82,36 Jahren. Insgesamt ist die Lebenserwartung gestiegen – wenngleich die Unterschiede groß bleiben: Nur 79,8 Jahre alt werden etwa die Bewohner von Friedrichshain-Kreuzberg im Mittel.

Steglitz-Zehlendorf hält fit

Am gesündesten sind die Menschen im Südwesten Berlins: In Steglitz-Zehlendorf ist die gesundheitliche Situation der Bewohner am besten, ergibt die Auswertung aller Indikatoren. Mit durchschnittlich 130 von 100 000 sterben nirgendwo sonst so wenige Menschen vor ihrem 65. Geburtstag. In fast allen Bezirken ist die Zahl der frühen Tode deutlich gesunken. Nur in Lichtenberg blieb sie nahezu konstant bei 200 je 100 000 Einwohner, stadtweit der höchste Wert.

Insgesamt betrachtet ist die gesundheitliche Lage in Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Neukölln und Spandau schlecht. In Spandau müssen durchschnittlich 469 von 100 000 Personen wegen psychischer oder Verhaltensstörungen durch Alkohol im Krankenhaus behandelt werden – mehr als doppelt so viele wie in Steglitz-Zehlendorf.

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