Dichtes Gedränge am Bahnhof: Pendler wollen hier vom RE in andere Verkehrsmittel umsteigen Jörn Hasselmann
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Update Sperrung der Stadtbahn An den Bahnhöfen gibt's Gedränge

Die sechswöchige Sperrung der Regionalbahnstrecke auf der Stadtbahn hat begonnen. Es gibt kaum Informationen und viel Gedränge.

Am Bahnhof Zoo drängen sich am Dienstagmorgen vor allem die Pendler. Einige Rollkoffer klackern, genervte Flüche. Es dauert Minuten, bis alle Fahrgäste den vollen RE2 aus Nauen verlassen haben. Alle müssen umsteigen: Denn seit heute fährt nur noch die S-Bahn zwischen Zoo und Hauptbahnhof - und das für die nächsten sechs Wochen.

Obwohl die Sperrung wegen Bauarbeiten seit langer Zeit angekündigt ist, gibt es zumindest am Zoo weder Durchsagen noch Info-Tafeln. Besonders Touristen laufen verwirrt auf den Bahnsteigen umher, fragen sich durch. Vor allem hier am Zoo ist das mit sehr langen Wegen verbunden ist, da der Bahnhof selbst eine Großbaustelle ist. Die Haupthalle ist gesperrt, es bleibt nur der mehrere hundert Meter lange Weg über den Hardenbergplatz.

Mit einer kleinen Änderung könnte die Bahn das Aussteigen am Zoo erleichtern - indem die Züge am Bahnsteig 100 Meter weiter vorfahren. So ließen sich die beiden Treppen zum einzigen Ausgang schneller erreichen. Trotz der seit Monaten andauernden Bauarbeiten am Zoo halten die Züge weiterhin mittig in der Halle. Dort sind die Abgänge aber gesperrt. Die Bahnsteige sind lang genug, schließlich hielten früher auch ICE am Zoo. Ein Bahnsprecher sagte zu, dass man sich die Situation ansehen werde.

In der Ausweich-S-Bahn ist das Gedränge zwischen Hauptbahnhof und Zoologischem Garten natürlich noch größer als sonst. Die Bahn rät dennoch, auf die S-Bahnen (S3, S5, S7, S9) auszuweichen.

Der S-Bahn-Takt werde während der Bauarbeiten, die bis zum 14. Oktober geplant sind, nicht erhöht. Dafür gebe es bei nur zwei Gleisen keine Kapazität, hieß es von der Bahn. Wegen der Umstiegszeiten müssten Bahnkunden mehr Zeit einplanen. Alle Linien enden bereits in den Bahnhöfen Charlottenburg, Zoo oder und Friedrichstraße. Am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche endet auch der RE1 aus Westen kommend bereits in Charlottenburg, nicht in Zoo.

Vom 10. September bis zum 14. Oktober ist die Stadtbahn für Regionalbahnen gesperrt. TSP Vergrößern
Vom 10. September bis zum 14. Oktober ist die Stadtbahn für Regionalbahnen gesperrt. © TSP

Viele Spandauer, die am westlichen Stadtrand wohnen, haben sich am ersten Sperrtag extra den RB10 ausgesucht, der durch den Tunnel bis zum Hauptbahnhof fuhr. Einige sind sogar extra nach Albrechtshof an der Grenze zu Brandenburg gefahren, um dort einzusteigen. Allerdings war der aus Nauen kommende Zug so voll, dass viele Pendler nicht mitkamen.

Der Frust ist seit Jahren groß, weil immer mehr Menschen kurz hinter die Berliner Stadtgrenze gezogen sind, aber der Ausbau der Bahn nicht mithält.

Laufen statt fahren: Umsteiger zwischen Bauzäunen und Containern am Bahnhof Zoo. Foto: Jörn Hasselmann Vergrößern
Laufen statt fahren: Umsteiger zwischen Bauzäunen und Containern am Bahnhof Zoo. © Jörn Hasselmann

Die Sperrung wurde nötig, weil in den kommenden sechs Wochen am Hauptbahnhof zwei Bauteile ausgetauscht werden. Sie heißen Fahrbahn-Übergangskonstruktion, kurz „Fük“. Sie sind die Rache für Schludereien beim Bau. Bekanntlich sollte der Hauptbahnhof zur Fußball-WM 2006 fertig werden, gebaut wurde deshalb (zu) schnell. Unter den Gleisen wurden untaugliche Fugen eingebaut.

Diese sollen die durch die Züge ausgelösten Kräfte ableiten, um die Schienen zu entlasten. Am Zoo wird derzeit nur ein Bahnsteig benützt, auf den beiden anderen Gleisen sind bereits Bauarbeiter tätig. Die Bahn nutzt die Sperrung, um auch andere Arbeiten zu erledigen. (mit dpa)

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