Johannes Rögner mag, dass hier nicht gleich die Polizei kommt, wenn man eine Bierbank auf dem Gehweg aufbaut. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
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Spaziergang mit Frittenbude-Sänger Was das Tempelhofer Feld mit Bayern gemein hat

Der Sänger Johannes Rögner streift gern durch Neukölln und über Berliner Grün. Es seien Orte, „an denen man zur Ruhe kommt.“

Wer öfter im Görlitzer Park oder im Mauerpark unterwegs ist, die ja eher einen räudigen Charme haben, kommt sich im Neuköllner Körnerpark vor, wie in einer ganz anderen Stadt. Vielleicht wie in München. An den Pomp dieser Stadt fühlt sich jedenfalls Johannes Rögner von der dreiköpfigen, inzwischen in Berlin sesshaften Band Frittenbude erinnert, wenn er auf die gepflegte Anlage mit der Anmutung eines Schlossparks blickt. In München hat der Musiker mit dem auffälligen Vollbart zuletzt gelebt, bevor er vor neun Jahren nach Berlin gezogen ist.

Er möge Parks generell, sagt er. Es seien Orte, „an denen man zur Ruhe kommt.“ Außerdem sei er früher immer in Parks zum Skateboarden abgehangen. In den Körnerpark kommt er öfter, seine Wohnung befindet sich gleich in der Nähe. Auch die kleine „Galerie Am Körnerpark“ könne er nur empfehlen. Super Ausstellungen. Die aktuelle, „Are you satisfied? Aktuelle Kunst und Revolution“, die noch bis Anfang April läuft, habe er auch schon gesehen und sie sei hervorragend.

Frittenbude: Jakob Häglsperger, Johannes Rögner und Martin Steer (v. l.) kamen vor sechs Jahren aus München nach Berlin. Foto: Paul Aidan Perry Vergrößern
Frittenbude: Jakob Häglsperger, Johannes Rögner und Martin Steer (v. l.) kamen vor sechs Jahren aus München nach Berlin. © Paul Aidan Perry

Johannes Rögner stammt, genau wie sein Bandkollege Martin Steer, aus dem kleinen, bayrischen Geisenhausen, ganz in der Nähe von Landshut. „Außer Skaten und Musik machen gab es da nicht viel zu tun“, sagt er. Zum Zivildienst ist er dann nach München abgehauen, wo vor inzwischen 13 Jahren die Band Frittenbude gegründet wurde. Rögner ist deren Sänger und Rapper.

Das fünfte Frittenbude-Album heißt "Rote Sonne"

München spielt immer noch eine Rolle für die Band. Zumindest als Ort der Erinnerung. Eben haben die drei ihr fünftes Album veröffentlicht. Es trägt den Titel “Rote Sonne“. Dieser stehe „sowohl für die Liebe, die in uns brennt, als auch für die Revolution, die in uns allen brennen sollte“, wie Rögner das etwas kryptisch formuliert. Er ist aber auch eine Hommage an den gleichnamigen Münchner Club, in dem die Mitglieder von Frittenbude früher oft tanzen waren.

„Alle in der Band lieben Techno“, sagt er und die gemeinsamen Nächte in der Roten Sonne seien eben unvergesslich. Auch in Berlin würde er gerne clubben gehen. Der beste Ausgehladen hier sei das inzwischen geschlossene Stadtbad Wedding gewesen. Aber auch im Friedrichshainer „About Blank“ sei er gerne.

Die Musik von Frittenbude ist eine Mischung aus Punkrock, Hip Hop und elektronischer Musik. Tanzbare Beats treffen auf treibende Gitarren und dazu gibt Rögner seinen Sprechgesang. In der Kategorie „Electro-Punk“ wird diese Art von Sound gerne eingeordnet. „Mit dem Begriff kann ich eigentlich nicht so viel anfangen“, sagt Rögner, „ich würde uns einfach nur als Punkband bezeichnen.“

"Bei Papa" sei die beste Frittenbude Berlins gewesen

Es geht vom Körnerpark ab, die Selkestraße entlang und dann in die Thomasstraße. Nächstes Ziel: das Tempelhofer Feld. Von der kleinen zur riesigen Grünfläche. Und der Weg dorthin: Führt auch wieder durch ein Naherholungsgebiet, durch den Anita-Berber-Park. Vorher zeigt Rögner noch auf die Stelle, wo sich seiner Meinung nach die beste Frittenbude Berlins befand: „Bei Papa“. Leider inzwischen geschlossen. Die Pommes haben dort nur 1,30 Euro gekostet. „Heiß, fettig, nicht so schnieke und jeder kann so sein, wie er ist“, das sind die Assoziationen, die ihm einfallen bei einer Frittenbude nach seinem Geschmack. Und diese Assoziationen seien dann auch ausschlaggebend bei der Findung des eigenen Bandnamens gewesen, erklärt er.

Ein Stadtspaziergang durch Neukölln. Foto: Tsp/Bartel Vergrößern
Ein Stadtspaziergang durch Neukölln. © Tsp/Bartel

Der Anita-Berber-Park ist erst ein paar Jahre alt, früher war das Gelände die Einflugschneise des ehemaligen Flughafen Tempelhof. Die eingezäunten Anflugbefeuerungen zwischen den vielen Bäumen erinnern noch daran.

Dort, wo der Park an die Hermannstraße grenzt, befindet sich eine DHL-Packstation, die von oben bis unten mit Graffiti besprüht wurde. „Das Ding ist ein echtes Phänomen“, sagt Rögner, „es ist eigentlich immer kaputt.“ Auch jetzt, als er daran vorbeigeht, ist die Packstation ganz offensichtlich nicht funktionsfähig.

Niederbayern bestehe eigentlich nur aus Feldern und Fläche

Dann steht er endlich vor dem schier endlosen Tempelhofer Feld. Und wirkt fast schon sentimental. Heimatgefühle. Der Anblick erinnere ihn an Niederbayern – „das besteht eigentlich auch nur aus Feldern und Flächen.“

Er sei gerne hier, sagt er. An dem Ort, der ihn ein wenig an seine Kindheit erinnert. Gelegentlich drehe er hier seine Runden mit dem Fahrrad. Und er freue sich schon auf den Frühling, „da sitzen dann 5000 Leute hier und grillen.“

Auch wegen einem Ort wie diesem sei er von München nach Berlin gezogen. Weil man sich hier freier fühlen könne. „Hier lässt die Polizei einen eher in Ruhe. In München kommt sofort das Ordnungsamt, wenn Du mal eine Bierbank vor die Haustüre stellst.“

Als Mitglied einer linken Punkband passt er einfach besser ins liberale Berlin als nach Bayern, findet er. Wobei er mit der Zuschreibung, Frittenbude sei eine linke Band, gar nicht so viel anfangen kann. „Wir wollen uns nicht als politische Band labeln lassen“, erklärt er, „in unseren Songs geht es gar nicht nur um Politik, sondern auch einfach nur um das Leben an sich.“

Im Columbiabad schwimmt er im Sommer immer einige Runden

Wobei etwa das Stück „Die Dunkelheit darf niemals siegen“ auf dem neuen Album, in dem sich gegen Antisemitismus, die identitäre Bewegung und was sonst noch so von Rechts kommt, klare Kante zeigen würde. „Aber Antifaschist zu sein, das ist einfach eine Selbstverständlichkeit für mich“, sagt der 37-jährige Sänger und Songtexter, „so hat mich meine Mutter erzogen.“

Vom Tempelhofer Feld kommt er auf den Columbiadamm. Im Columbiabad, das gerade noch geschlossen hat, schwimmt er im Sommer immer einige Runden. Alle Stationen seines Spaziergangs haben etwas mit Freizeit und Vergnügen zu tun, und damit, dass sie im Sommer mehr zu bieten haben als im Winter, das ist schon auffällig.

So auch der Schlusspunkt der kleinen Runde durch Neukölln, die Hasenschänke in der Hasenheide. In den kalten Monaten des Jahres hat das Café, das bunt bemalt ist und wirkt wie ein Späti mitten im Park, nur an den Wochenenden geöffnet. Gerade, mitten unter der Woche, wirkt der Ort eher trostlos. Außer einem Obdachlosen, der es sich unter der Überdachung der Hasenschänke gemütlich gemacht hat, ist hier niemand. Im Sommer würden überall Leute herumsitzen und ein Bier trinken. Unter ihnen dann auch oft der Sänger von Frittenbude.

Frittenbude spielen live am 29. März im SO 36, Oranienstraße 190 in Kreuzberg. Karten gibt es noch unter www.festsaal.shop. Der Auftritt der Band am 30. März im Festsaal Kreuzberg ist bereits ausverkauft.

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