Auch das Potenzial von Mietwohnungen soll künftig besser genutzt werden. Foto: promo / Stadt und Land
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Solarenergie in Berlin Beratungszentrum für Hausbesitzer und Ämter eröffnet

An der Fasanenstraße in Charlottenburg soll anderen bei einem Thema geholfen werden, an dem die Verwaltung selbst oft scheitert.

Was die Verwaltung bisher selbst nicht wirklich hinbekommt, will sie nun allen erleichtern: die Installation von Solaranlagen an und auf Gebäuden. Dazu wurde am Mittwoch im „Effizienzhaus Plus“ des Bundes an der Fasanenstraße ein Beratungszentrum eröffnet. Es richtet sich sowohl an Hauseigentümer als auch an Wohnungsbaugesellschaften, aber auch an Verwaltungsleute, an Handwerker und an Schulen.

Stadt tut sich bei Solarstärkung schwer

„Wir müssen das Solarpotenzial der Stadt endlich besser nutzen“, sagt Wirtschaftsstaatssekretär Christian Rickerts mit Verweis auf die Dachflächen, von denen bisher nicht einmal ein Prozent zur Gewinnung von Strom oder Wärme aus Sonnenenergie genutzt werde. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Stadt mitmacht.“

Nur tut sich die Stadt selbst nach wie vor schwer: Wie berichtet hat keine einzige der zehn im Zuge der laufenden Neubauoffensive bereits errichteten Schulen eine Solaranlage – obwohl das 2016 beschlossene Energiewendegesetz eine Nutzungspflicht vorschreibt.

„Bei der nächsten Tranche der Schulen muss das auf jeden Fall kommen“, sagt Andreas Otto, Bauexperte der Berliner Grünen. Die Fachleute aller Koalitionsfraktionen seien kürzlich unangenehm überrascht gewesen von der Nachricht, dass sich trotz Gesetz nichts tut. Nach zweieinhalb Jahren Rot-Rot-Grün sei das Anlass zur Selbstkritik. Inzwischen gebe es vielversprechende Gespräche mit der Bauverwaltung. Die bestätigt auf Anfrage, dass die aktuell 21 konkret geplanten Schulneubauten Photovoltaikanlagen erhalten sollen. Das Betreiberkonzept werde zurzeit erarbeitet. Und die bereits errichteten Neubauten könnten nachgerüstet werden.

Masterplan soll bessere Nutzung ermöglichen

Am 22. Mai will die von Ottos Parteifreundin Ramona Pop geleitete Wirtschaftsverwaltung auf den Berliner Energietagen ihren „Masterplan Solarhauptstadt“ vorlegen, der die Potenziale heben soll. Laut Uwe Hartmann, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Solarenergie, sind die aktuell installierten 110 Megawatt „so gut wie gar nichts“; laut einer Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft „haben wir mindestens das 50-fache an Potenzial“.

Als Bremse nennen verschiedene Fachleute die Bezirksämter mit ihren unterschiedlich zugeschnittenen, oft knapp besetzten und fachlich mitunter überforderten Ressorts. „Wir werden aktiv auf die Bauämter der Bezirke zugehen“, kündigt Verbandsvorstand Hartmann an. Die von der Wirtschaftsverwaltung des Senats gewährte Förderung des Solarzentrums reiche für vier Vollzeitstellen. Um auch die weniger Interessierten zu erreichen, habe man ein Werbebudget.

Auch Mieter im Fokus

Wer sich zum Handeln entschließt, soll Handwerker empfohlen bekommen und Angebote von Firmen kostenlos prüfen lassen können, weil gerade Privatleute damit erfahrungsgemäß oft überfordert sind. Die große Mehrheit der Berliner lebt allerdings zur Miete. Um die haben sich bisher – wenn überhaupt – die zu den Wasserbetrieben gehörenden Stadtwerke gekümmert, die bisher rund 150 Dächer von Wohnungsbaugesell- und -genossenschaften mit Solaranlagen bestückt haben. Ein Großteil der gewonnenen Energie wird als „Mieterstrom“ direkt in den Gebäuden verbraucht.

Demnächst soll das bundesweit größte derartige Projekt realisiert werden. Parallel errichten die Stadtwerke für die Berliner Immobilien-Management-Gesellschaft (BIM) Solaranlagen auf Landesgebäuden und haben Pakete mit den Bezirken Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg vereinbart. Laut Vorstandschef Jörg Simon wurde dabei Zeit vertan, denn „die Zuständigkeiten in den Bezirken, wer was mit- und unterzeichnen muss, sind unklar und in jedem Bezirk anders.“

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