Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Wer sich in Berlin um die Weihnachtszeit auf Corona testen lassen will, muss wahrscheinlich auf private Labore ausweichen. Foto: Leif-Hendrik Piechowski/ imago images/Lichtgut
© Leif-Hendrik Piechowski/ imago images/Lichtgut

Sicher zur Familienfeier? Warum in Berlin zu Weihnachten die Corona-Testkapazitäten knapp werden

Viele wollen sich vorm Fest gern testen lassen oder bei Symptomen sichergehen. Doch das Landeslabor macht Ende Dezember deutlich weniger Corona-Tests als sonst.

Eine weihnachtliche Erholungspause ist nicht absehbar. Die Infektionszahlen in Berlin steigen wieder, Familientreffen in den Feiertagen werden das Coronavirus hier und da auch unter den Tannenbaum tragen. Für Menschen, die sich in dieser Zeit infizieren oder sich sicherheitshalber Testen lassen wollen, kann das zum Problem werden.

Nach Recherchen des Tagesspiegel sind viele Gesundheitsämter nicht voll besetzt. Die Testkapazitäten, ohnehin voll ausgelastet, dürften zwischen dem 21. Dezember und dem 3. Januar teils deutlich sinken – besonders das Landeslabor Berlin-Brandenburg (LLBB) wird seine Kapazitäten herunterfahren.

Das Landeslabor mache zu, diese Nachricht machte in den vergangenen Wochen unter Berlins Amtsärzten die Runde. Tatsächlich ist das LLBB einer der Hauptabnehmer der Proben, die die Teams der Gesundheitsämter nehmen, die die Kontaktnachverfolgung leisten.

Auf Tagesspiegel-Anfrage teilte eine Sprecherin mit, dass die Kapazitäten ab kommender Woche tatsächlich deutlich heruntergefahren werden. Momentan werden 5500 Tests pro Woche durchgeführt, diese Kapazität sei bislang „voll ausgelastet“, schreibt die Sprecherin.

Zwischen dem 21. Dezember und dem 3. Januar werden dagegen nur 800 Proben möglich sein – nicht einmal ein Zehntel der sonst üblichen Leistung. Der Grund seien „betriebliche Gründe bei einem Kooperationspartner“, schreibt die Sprecherin. Nach Tagesspiegel-Informationen soll es sich dabei um die Bayer AG handeln.

"Unding, dass ein Labor in die Weihnachtsferien geht"

Amtsärzte und Gesundheitsstadträte sind über die Schließung irritiert. Jeder Bezirk zahlt jährlich für den Betrieb, die Kosten drücken auf die schmalen Haushalte, es geht um Hunderttausende Euro – für jeden Bezirk. „Das ist ein Unding, dass ein Labor einfach in die Weihnachtsferien geht“, sagt zum Beispiel Nicolai Savaskan, Amtsarzt von Neukölln. Gerade weil das LLBB ansonsten hervorragende Arbeit leiste, betont er. Jetzt bräche für die Gesundheitsämter eine „wichtige Stütze in der Pandemie“ weg.

[Wenn Sie alle aktuellen Nachrichten live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere runderneuerte App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Die Pandemiebekämpfer in den Bezirken sorgen sich, dass die Laborkapazitäten in der Stadt noch knapper werden als sie ohnehin sind. Vergangene Woche wurden allein laut der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) 70.030 Corona-Tests durchgeführt, diese Woche werden es fast 72.000 werden. Doch das LLBB beruhigt: „Alle zwölf Bezirke können in der genannten Zeit Proben in anderen Laboren analysieren lassen.“

Man habe bereits frühzeitig über die Schließung informiert, bei der Suche nach Alternativen geholfen. Außerdem soll es Kontingent-Lösungen für die Bezirke geben – 800 Tests würden schließlich durchgeführt. Reicht das?

Viele Bezirke arbeiten ab 21. Dezember mit privaten Laboren zusammen

Notgedrungen arbeiten viele Bezirke ab 21. Dezember mit privaten Laboren zusammen. Auch sie werden ihre Kapazitäten über die Weihnachtsfeiertage nicht auf so hohem Niveau halten können. Das Jahr hat Spuren hinterlassen, die Personaldecke sei ausgedünnt. „Auch unsere Mitarbeitenden haben es verdient, Zeit mit ihren Familien zu verbringen“, erklärt Nina Beikert, Vorstandsmitglied der ALM.

Patrick Larscheid, Amtsarzt aus Reinickendorf, hält die Lösung des LLBB daher für „eine Mogelpackung“. Bis heute seien die Test-Kontingente nicht klar verteilt und reichten kaum aus. „Wir werden an den Feiertagen so wenig machen wie möglich. Was sollen wir denn sonst tun?“, sagt der Amtsarzt.

Aus anderen Bezirken wird zu Bedenken gegeben: Laborwechsel seien schwierig, weil Proben aus unterschiedlichen Laboren nur schlecht miteinander vergleichbar seien. Das Unverständnis über die Auszeit des Landeslabors ist groß.

[Mehr aus der Hauptstadt. Mehr aus der Region. Mehr zu Politik und Gesellschaft. Und mehr Nützliches für Sie. Das gibt's nun mit Tagesspiegel Plus: Jetzt 30 Tage kostenlos testen.]

Cornelia Wanke, Sprecherin der ALM beruhigt: „Medizinisch notwendige Tests werden auf jeden Fall geleistet, das ist gesichert“, sagte sie. Es gebe weiterhin ausreichend Laborkapazitäten für Menschen mit Corona-Symptomen, Kontaktpersonen ersten Grades und vulnerable Gruppen – etwa Pflegepersonal oder Bewohner von Altenheimen. Für Reiserückkehrer und alle anderen Test-Willigen dürften die Kapazitäten dagegen fehlen.

„Wir gehen aktuell davon aus, dass die Versorgung der Gesundheitsämter mit Laborkapazitäten über die Weihnachtstage und Neujahr sichergestellt ist. Bei einzelnen Bezirken wird noch auf finale Bestätigung gewartet“, sagte Lisa Frerichs, Sprecherin von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD), am Mittwoch.

Vorsichtshalber haben die Gesundheitsämter Schnelltests bekommen

Ganz sicher scheint sich aber kaum jemand zu sein: Vorsichtshalber wurde den Gesundheitsämtern größere Mengen Antigen-Schnelltests zur Verfügung gestellt, falls die Kapazitäten doch knapp werden sollten. Allein Neukölln hat 4000 geordert. Für diese Weitsicht in der Not gibt es Lob für die Gesundheitsverwaltung. Das sei nicht immer so gewesen, heißt es.

Im Gesundheitsamt Charlottenburg- Wilmersdorf blickt man daher recht zuversichtlich auf die Feiertage. Rund 80 Mitarbeiter hätten sich freiwillig gemeldet, um auch zwischen den Jahren Kontakte nachzuverfolgen und Infizierte zu betreuen. An den Feiertagen selbst ist eine Notbesetzung von 20 bis 30 Personen im Einsatz.

[Und was ist konkret los in Ihrem Kiez? Die 12 Tagesspiegel-Newsletter für Berlins 12 Bezirke gibt es kostenlos unter leute.tagesspiegel.de]

Jetzt kostenlos bestellen

„Damit sind wir gut aufgestellt“, meint Gesundheitsstadtrat Detlef Wagner (CDU). Aus anderen Bezirken sind ähnliche Zahlen zu hören und die Zeit bis ins neue Jahr werde man dann mit rund einem drei Viertel des üblichen Personals bestreiten. Schon jetzt werden Kontaktpersonen aber teilweise erst nach neun Tagen informiert, gibt Stadtrat Wagner zu.

Er verweist auf die Allgemeinverfügung zur Quarantäne, wonach Kontaktpersonen der Kategorie Eins verpflichtet werden, sich auch ohne Aufruf zu isolieren. Hochachtung habe er vor seinen Mitarbeitern, die weiter motiviert zur Arbeit kämen, auch wenn „einige langsam wirklich auf dem Zahnfleisch daherkommen“.

Zur Startseite