Neue Worte für die Alice-Salomon-Hochschule: das Gedicht von Barbara Köhler. Foto: Alice Salomon Hochschule
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Sexismus-Debatte 31.000 Euro für die Sanierung der Alice-Salomon-Fassade

Nach dem Zoff um das "avenidas"-Gedicht stehen seit Dezember neue Verse auf der Hauswand der Alice Salomon Hochschule. Geldverschwendung, kritisiert die CDU.

Genau 31.575 Euro und 59 Cent hat die Alice Salomon Hochschule (ASH) dafür bezahlt, das umstrittene Gedicht "avenidas" von ihrer Fassade zu entfernen und die Hauswand neu zu gestalten. Das geht aus der Antwort der Senatskanzlei auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Hans-Christian Hausmann hervor.

Demnach seien die Gelder komplett aus der Hochschulkasse geflossen. Eine Fassadensanierung sei aufgrund von Rissen im Putz ohnehin notwendig gewesen, so die Senatskanzlei. Entsprechend seien keine Extrakosten angefallen, um das Gedicht zu entfernen.

Die CDU stört sich dennoch an den hohen Kosten. "Angesichts der teuren, aus Steuergeldern finanzierten Neugestaltung der Fassade müssen sich die Verantwortlichen die Frage gefallen lassen, inwieweit hier noch von Verhältnismäßigkeit gesprochen werden kann", sagt Hans-Christian Hausmann. "Das Geld wäre an anderer Stelle im Interesse der Studierenden mit Sicherheit besser angelegt gewesen."

Alle fünf Jahre ein neues Gedicht an der Fassade

Der Akademische Senat hatte sich im Sommer 2016 für eine Neugestaltung der Fassade ausgesprochen, nachdem Hochschulangehörige und schließlich auch der Asta das Gedicht an diesem Platz in Frage gestellt hatten. Die Zeilen von Eugen Gomringer - Alleen/Alleen und Blumen/Blumen/Blumen und Frauen/Alleen/Alleen und Frauen/Alleen und Blumen und Frauen und/ein Bewunderer - reproduzierten eine patriarchale Kunsttradition, in der Frauen ausschließlich schöne Musen sind und vermittle sexistische Tendenzen, so die Kritiker.

Die Entscheidung der Hochschule, sich von dem Gedicht zu trennen, war in den Feuilletons massiv kritisiert worden. Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hatte von einem "erschreckenden Akt der Kulturbarbarei" gesprochen, Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hatte den Vorwurf, das Gedicht sei sexistisch, "absurd" genannt.

Doch nun will die Alice Salomon Hochschule auf ihrer Fassade alle fünf Jahre das Werk eines anderen Poeten zeigen. Den Anfang macht Lyrikerin Barbara Köhler, die im vergangenen Jahr mit dem Alice Salomon Poetikpreis ausgezeichnet wurde.

Seit Dezember vergangenen Jahres kommt sie auf der Wand zu Wort: SIE BEWUNDERN SIE/BEZWEIFELN SIE ENTSCHEIDEN/SIE WIRD ODER WERDEN GROSS/ODER KLEIN GESCHRIEBEN SO/STEHEN SIE VOR IHNEN/IN IHRER SPRACHE/WÜNSCHEN SIE IHNEN/BON DIA GOOD LUCK. Köhler hat die Zeilen eigens für die ASH geschrieben, der Senat hatte die Wahl auf der Basis eines Online-Votums der Hochschulangehörigen getroffen.

Ganz vergessen ist das alte Gesicht allerdings nicht: Einige seiner Buchstaben scheinen noch im neuen Text durch - ein gezielter Clou von Barbara Köhler. Außerdem erinnert eine Metalltafel in Spanisch, Deutsch und Englisch unterhalb von Köhlers Zeilen an "avenidas" und die heftige Debatte um Gomringers Werk.

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