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Tina Klüwer führt die geschäfte des KI-Entwicklers Parlamind derzeit von zu Hause aus. Ein mal die Woche geht sie ins Büro - ist aber dort meist allein. Foto: Parlamind GmbH
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Serie „Im Homeoffice“ Parlamind-Chefin Klüwer sieht Dreifach-Belastung für Eltern

Tina Klüwers Start-up Parlamind entwickelt Künstliche Intelligenz (KI), mit der man Firmenprozesse automatisieren kann. Das geht jetzt von zu Hause aus.

Hunderttausende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Berlin müssen sich wegen der Pandemie zu Hause ein Büro einrichten. Viele Vorgesetzte gehen mit gutem Beispiel voran und zeigen, wie sie persönlich im Homeoffice arbeiten. Sie verraten, was in Privaträumen besser funktioniert als im Büro, aber mitunter auch, wovon sie sich leicht ablenken lassen.

Heute im 4. Teil: Tina Klüwer, Gründerin und Chefin des Berliner KI-Unternehmens Parlamind.

Seit wann und wie oft arbeiten Sie im Homeoffice?
In der aktuellen Situation gilt bei uns seit dem 16. März freiwilliges Home Office für alle Mitarbeiter, und das wird auch von allen Mitarbeitern in Anspruch genommen. Da seit diesem Tag auch die Schulen geschlossen sind und mein Mann und ich zwei Kinder im Grundschulalter haben, bin ich auch seit diesem Tag größtenteils im Homeoffice und fahre nur an einzelnen Tagen noch ins Büro. Da bin ich dann in der Regel alleine und kann besser und in Ruhe arbeiten.

Was sind ihre wichtigsten Geräte?
Wir sind ein Software Startup und haben schon vor der Krise komplett digital gearbeitet. Unsere Arbeitswerkzeuge sind Online Kollaborationstools und Slack. Unsere Mitarbeiter sind entsprechend mit Notebook und Headset ausgestattet viele haben zudem ein Geschäftshandy.

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Diese Geräte sind auch für mich jetzt entscheidend: Notebook und Telefon sowie die Kollaborations-Anwendungen. Einige unserer Mitarbeiter haben auch vorher schon hin und wieder im Home Office gearbeitet. Dadurch ist ein virtuelles Arbeiten für uns technisch keine große Herausforderung.

Was fehlt Ihnen hier? Was vermissen Sie?
Der direkte unkomplizierte Austausch mit den Kollegen und persönliche Gespräche. Wir hatten einige geplante Mitarbeiter Feedback-Gespräche in den letzten beiden Wochen. Die per Video zu machen, war schon etwas ungewöhnlich.

Auch Geschäftspartner persönlich zu treffen, fehlt manchmal. Einige Dinge lassen sich einfach persönlich am besten besprechen. Und natürlich meine Freunde zu treffen. Das fehlt mir sehr. Außerdem vermisse ich meinen täglichen Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit.

Tina Klüwer, Geschäftsführerin der Parlamind GmbH aus Berlin-Kreuzberg mit ihren beiden schulpflichtigen Kindern zu Hause. Foto: Parlamind GmbH Vergrößern
Tina Klüwer, Geschäftsführerin der Parlamind GmbH aus Berlin-Kreuzberg mit ihren beiden schulpflichtigen Kindern zu Hause. © Parlamind GmbH

Worauf verzichten Sie gern?
Auf den morgendlichen Schulstress. Die Hektik, die morgens vorherrscht, damit die Kinder pünktlich um 8:00 in der Schule sind, ist etwas, auf das ich gut verzichten kann.

Hand aufs Herz: Schaffen Sie im Homeoffice mehr, weniger oder etwa gleich viel Arbeit im Vergleich zum Büro?
Ich kann grundsätzlich im Homeoffice genauso viel schaffen wie im Büro. Aber es ist illusorisch zu denken, dass Eltern, wenn sie gleichzeitig noch Kinder betreuen und sich außerdem auch noch um deren Schulbildung kümmern sollen, auf Dauer dasselbe Pensum erreichen können wie unter normalen Umständen.

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Volle Arbeitszeit, volle Kinderbetreuung und volles Homeschooling ist von einen auf den anderen Tag die dreifache Belastung. Das ist einfach zu viel für einen 12-Stunden-Tag. Viele berufstätige Eltern sind an die Doppelbelastung Arbeit und Kinderbetreuung in gewissen Maße gewöhnt, aber jetzt arbeiten sie regelmäßig bis tief in die Nacht - auf Dauer lässt sich das einfach nicht durchhalten.

Tina Klüwer im Homeoffice: Sie hatte das Unternehmen Parlamind im Jahr 2015 gegründet. Foto: Parlamind GmbH Vergrößern
Tina Klüwer im Homeoffice: Sie hatte das Unternehmen Parlamind im Jahr 2015 gegründet. © Parlamind GmbH

Haben Sie Tipps für andere Firmen und Institutionen?
Ich kann nur dazu raten, aufeinander zuzugehen und Verständnis für die jeweilige Situation der Anderen mitzubringen. Für die Herausforderungen, die es jetzt zu meistern gibt, gibt es kein Rezept. Man muss für jede einzelne persönliche Situation die passende Lösung finden.

[Lesen Sie auch auch die anderen Teile unsere Serie "Im Homeoffice": Stefan Franzke (Berlin Partner), Tanja Wielgoß (Vattenfall Wärme), Beatrice Kramm (IHK Berlin).]

Außerdem rate ich jedem Arbeitgeber, der es noch nicht gewagt hat, den Sprung in die digitale Arbeitswelt. Mit Parlamind und unserer Unternehmensgruppe bieten wir ja unter anderem auch Software an, die den Kundenservice entlastet und Prozesse automatisiert, um an anderer Stelle Verbraucher besser beraten zu können. Die aktuelle Situation zeigt die Wichtigkeit solcher Werkzeuge.

Ihr Wunsch für die nächsten Wochen?
Mein Wunsch ist, dass wir die Sache möglichst schnell in die richtige Richtung bewegt bekommen, so dass wir unser gewohntes Leben wieder aufnehmen können. Während der Zeit der Kontaktsperre wünsche ich mir ein respektvolles Miteinander.

Ich beobachte leider aktuell sehr häufig, dass einzelne Bürger auf der Argumentation von Solidarität über Andere vorschnell urteilen und auch mit Vorwürfen und Anfeindungen schnell zu Hand sind. Da kommen auch oft generelle Vorurteile und Abneigungen durch, die mit Corona gar nichts zu tun haben.

Das ist aus meiner Sicht das Gegenteil von Solidarität und macht uns das Leben jetzt nur schwerer. Wir haben alle verschiedene Lebenswelten. Akzeptanz und Verständnis füreinander sind die Verhaltensweisen, mit denen wir jetzt die Herausforderungen dieser Zeit am besten meistern.

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