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Zwei Wochen nach Ferienende gibt es trotz vieler Reiserückkehrer nicht viele Infektionen an Berlins Schulen. Foto: dpa/Lm Otero/AP
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Selbstproben für Tausende Schüler Charité bereitet Corona-Tests für zu Hause vor

Am Montag startet in Berlin die Schule, wo sich tausende Kinder begegnen. Und im Herbst droht eine Erkältungswelle. Charité-Experten wollen deshalb Tests erleichtern.

Der baldige Schulstart, die Urlaubsheimkehrer, die Sorge vor einer zweiten Corona-Welle und die ohnehin übliche Erkältungswelle im Herbst stellen Epidemiologen vor große Herausforderungen. Um einem etwaig Krankenstand zu begegnen und das Gesundheitswesen nicht zu überlasten, arbeiten Experten der Berliner Charité an einem massentauglichen Kit für Selbstabstriche zu Hause. Damit sollen Familien allein Proben entnehmen können, die dann im Labor ausgewertet werden.

Ziel des Projektes ist es, die ab Oktober vor allem bei Kindern auftretenden Erkältungen zügig von Coronavirus-Infektionen zu unterscheiden: In beiden Fällen sind etwa Symptome wie Husten, Fieber und Halsschmerzen möglich. Der Selbstabstrich ist aber nicht für alle Berliner Familien vorgesehen, sondern soll gezielt Schulkindern zur Verfügung stehen, die leichte Symptome haben. So wolle man verhindern, dass potenziell Erkältete massenhaft in Praxen und Kliniken laufen.

Corona-Test: Abstriche in der Wange oder Gurgelwasser?

Ein Sprecher der für die Charité zuständigen Senatswissenschaftsverwaltung sagte am Mittwoch, es handele sich um ein Pilotprojekt – Details müssten zwischen Ärzten, Kliniken und anderen Senatsverwaltungen abgestimmt werden. Zunächst wäre zu klären, wie valide die konzipierten Verfahren sind.

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Die Selbstabstriche sollen schmerzfrei und einfacher erfolgen, als die bislang übliche Methode – eben deshalb wären sie, so die Charité-Experten, für kleinere Kinder geeignet. Man erprobe Abstriche, die mit Gurgelwasser funktionieren, alternativ würden Abstriche der Zunge, Innenwange und des Nasenvorhofs getestet.

Dies könnten Erwachsene bei sich selbst und ihren Kindern durchführen, sagte der Direktor des Charité-Instituts für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit, Frank Mockenhaupt. Man müsse mit dem Tupfer nicht so tief in die Nase wie bislang üblich.

Statt Sars-Cov-2 rechnen Experten mit grippalen Infekten

Sollten die Selbstabstriche vom Charité-Vorstand und dem Senat für geeignet befunden werden, wird die Universitätsklinik nach Tagesspiegel-Informationen mindestens 10.000 solcher Kits vorhalten. Wie genau das Material an Testwillige verschickt und von dort ins Labor gebracht werden könne, klären die Charité-Experten in den nächsten Wochen. Auch um die Kosten wird es gehen. Für die ambulante Krankenversorgung ist die Kassenärztliche Vereinigung (KV) zuständig.

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Zählen die freiwilligen Abstriche allerdings zur Berliner Teststrategie, wäre der Senat zuständig. Regierungschef Michael Müller (SPD) hatte die Charité beauftragt, eine Teststrategie zu entwickeln. Ärzte der Universitätsklinik und der ebenfalls landeseigenen Vivantes-Krankenhäuser sind an den Flughäfen im Einsatz, um Urlauber auf das auch Sars-Cov-2 genannte Virus zu testen.

Überwiegend, davon gehen Mediziner derzeit aus, werden Kinder im Herbst nicht von Corona, sondern grippalen Infekten betroffen sein. Der Bundesarzt des Malteser-Hilfsdienstes, Rainer Löb, regt grundsätzlich mehr Grippeimpfungen für diesen Herbst an. Eine zeitgleiche Corona- und Grippewelle wäre „wirklich richtig schlimm“ für das Gesundheitswesen, sagte er dem kirchlichen Online-Portal domradio.de in Köln.

In Berlin startet das Schuljahr am Montag. In den Gebäuden gilt eine Maskenpflicht. Nach dem Ende der Sommerferien soll auch in Brandenburg der reguläre Schulbetrieb trotz Pandemie wieder aufgenommen werden. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hatte an weiterführenden Schulen eine Maskenpflicht in Aussicht gestellt.

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