Glückloser Retter. Sebastian Czaja (FDP) war stets bemüht um Tegel. Mit ihm sprach Felix Hackenbruch. Foto: promo
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Sebastian Czaja zum Abschied von TXL „Mit Tegel verbinde ich Glück“

Der Fraktionschef der Berliner FDP war der größte TXL-Aktivist der Stadt. Ein Gespräch über seine Verbindung zum Airport und was seiner Partei nun fehlt.

Herr Czaja, Sie haben jahrelang für die Offenhaltung Tegels gekämpft – vergeblich. Wie traurig sind Sie?
Es ist ein trauriger Tag für die Stadt und ein bitterer für die Demokratie. Mehr als eine Million Menschen haben für die Offenhaltung gekämpft. Doch der Senat missachtet und verrät deren Interessen.

Haben Sie sich schon vom Flughafen verabschiedet?
Nein, noch nicht. Aber ich habe es vor.

Welche persönliche Erinnerung haben Sie an Tegel?
Wie viele andere Menschen, habe ich eine emotionale Verbindung zum Flughafen. Als ich vor vielen Jahren die wunderbare Frau kennenlernte, die heute Mutter unserer gemeinsamen Tochter und meine Ehefrau ist, lebte sie in Düsseldorf und ich in Berlin. Tegel war unser Tor zum Glück, wie für so viele Hunderttausende hier. Glück und Freiheit, das verbinde ich mit Tegel und das wird bleiben.

War es den Kampf wert?
Er hat mir Freude bereitet, ich habe immer gerne für Tegel gekämpft. Uns hat eine große Mehrheit getragen. Eine Million, die sich für Infrastruktur ausgesprochen hat. Wo gibt es das sonst? Ich habe aber gelernt, dass es auch politische Mehrheiten braucht. Dass ein Volksentscheid, der mehr Stimmen erhält als Rot-Rot-Grün, von ebendiesem Senat total ignoriert wird, hätte ich nicht für möglich gehalten.

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Bei der letzten Wahl half Ihnen Tegel über die 5-Prozent-Hürde. Bedeutet das Ende von Tegel auch das Ende der Berliner FDP?
Nein, wir sind 2016 für eine funktionierende Stadt angetreten – Tegel war elementarer Baustein. Die Probleme bleiben. Die BER-Eröffnung gelingt nur, weil es wegen Corona fast keinen Flugverkehr gibt. Es bleibt genug Arbeit für die Berliner FDP.

Nun wollen Sie einen Volksentscheid zur Randbebauung des Tempelhofer Feldes voranbringen. Ist THF Ihr neues TXL?
Wir reden stets über das Notwendige in der Stadt. Uns geht es um die zentrale Frage, wie wir Wohnraum in Berlin schaffen. Das Feld wurde lange politisch nicht angegangen, weil es den Volksentscheid von 2014 gab. Nur ein neuer Volksentscheid kann den Stillstand beenden.

Was wünschen Sie TXL für die Zukunft?
Dass man aus dem Gelände etwas macht, das dem Flughafen würdig wird. Und dass wir keine Zeit verlieren bei politischen Entscheidungen, das Areal zu entwickeln. Und am Ende muss dieser Ort auch immer mit Erinnerungen an den Flughafen Tegel verbunden bleiben.

In einer Kampagne warnten Sie zuletzt: „Wenn in TXL das Licht ausgeht, verliert ganz Berlin an Strahlkraft.“ Steht die Stadt kurz vorm Stromausfall?
Da ging es um die Wirtschaftlichkeit der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB). Tegel hat immer dafür gesorgt, dass die FBB eine Cashcow hatte. Mit Blick auf die aktuelle Finanzlage bekommt man ein flaues Gefühl für die Zeit nach der BER-Eröffnung. Wir werden sehen, wie ein internationaler Flughafen ohne Drehkreuz und kaum Langstreckenflügen mit Tegel mithalten kann.

Noch ein versöhnlicher Satz zum BER?
Schön, dass er endlich öffnet.

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