Noch nicht viel zu sehen von der neuen Grundschule in der Sewanstraße. Foto: privat
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Update Schulneubau verzögert sich 100 Kinder, 50 freie Plätze

Einige Lichtenberger Erstklässler kommen an eine Schule, die es noch nicht gibt. Nun wurde eine Übergangslösung gefunden.

Zahlreiche Erstklässler in Lichtenberg wurden einer Grundschule zugewiesen, die noch gar nicht gebaut ist. Eigentlich wurden die Kinder auch der Schmetterlings-Grundschule zugeteilt. Doch dort ist alles voll. „Eine Aufnahme Ihres Kindes an dieser Schule für das kommende Schuljahr ist aus Kapazitätsgründen wahrscheinlich nicht möglich“, schreibt die Schule den Eltern. Deswegen werden manche Kinder der 1. Klasse der 35. Grundschule in der Sewanstraße 43 zugewiesen. Diese wird zum Schuljahr 2019/2020 neu gegründet. Derzeit ist vor Ort noch nicht viel zu sehen. Die Schule soll jedoch im Schnellbauverfahren entstehen in Holzmodelbauweise, was die Bauzeit verkürzen soll.

Lichtenbergs Schulstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) gab nun bekannt, dass die Kinder in einem modularen Ergänzungsbau in der Dolgenseestraße 60 unterkommen sollen. Zudem soll es im Mai einen Infotermin mit der neuen Schulleitung für die betroffenen Eltern geben.

Die Mutter eines betroffenen Kindes sorgt sich. „Ich bin fassungslos und machtlos, was mit den Kindern gemacht wird“, sagt sie. Über die noch nicht gebaute neue Schule könne man sich ja noch gar keinen Eindruck bilden: Es gibt noch kein Schulkonzept oder so etwas, noch keine Lehrer. „Vor Ort ist ja noch nicht mal ein Gebäude zu sehen. Man gibt das Kind ins Ungewisse.“ Der Bau der Schule ist bereits jetzt im Verzug, der Übergabetermin für den Schulbetrieb Ende Januar 2020 ungewiss. Laut der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen gibt es derzeit einen Verzug von vier Wochen.

Der Grund: Das Baugrundstück sei schadstoffbelastet, der Bodenaushub muss aufwendig entsorgt werden. Das belastet den Fortgang der Arbeiten. Wie viel Boden genau entsorgt werden muss, kann noch nicht gesagt werden. Zudem wurden bei den Arbeiten vier Meter tiefe Keller gefunden, die ebenfalls entfernt und aufwendig entsorgt werden müssen, bevor die Schule gebaut werden kann. Die Senatsverwaltung versichert, dass die 10 anderen Schnellbauschulen ohne Zeitverzögerung entstehen werden.

Eltern haben "Gelegenheit zur Anhörung"

Die Eltern in Lichtenberg konnten gegen die Zuteilung in die noch nicht existierende Schule Rechtsmittel einlegen. Die Schule schreibt den Eltern, man werde diesen die „Gelegenheit zu einer Anhörung“ geben. Ob eine Schule die Aufnahmekapazität erreicht hat, entscheidet die zuständige Schulbehörde. Die Schmetterlings-Schule hat zum Schuljahr 2019/2020 insgesamt 119 Anmeldungen von Schulanfängern erhalten. Die Schulbehörde hat entschieden, dass zum kommenden Schuljahr insgesamt 51 neue Schulplätze zur Verfügung stehen. Auch gebe es in der Nähe keine Möglichkeit, neue Räume einzurichten.

Welche 51 der über 100 Kinder bekommen nun die Plätze? Die Schulbehörde habe hier unter Beachtung der Wegstrecke entschieden, schreibt die Schule. „Dabei ist eine konkrete individuelle Überprüfung der Wege aller möglichen betroffenen Kinder anzustellen. Bei der Ermittlung der Länge des Schulweges hat sich die Schulbehörde dafür entschieden, die Fußwege der Schulanfänger mit Hilfe von Google Maps konkret individuell zu berechnen.“ Für das Kind der in diesem Fall betroffenen Eltern läge der Weg bei 500 Metern. Im Verhältnis zu anderen „Betroffenen“ sei der Weg „schnell und kurz“ zu bewältigen, so die Schule. Daher werde das Kind der noch nicht gebauten Sewanschule zugeteilt.

"Zu Recht sind Eltern nicht nur verwundert"

Die Mutter sieht das anders: Die Ampelschaltung auf dem Schulweg sei katastrophal und sei nicht eingerechnet worden. Die Mutter hat einen Widerspruch geschrieben – welcher abgelehnt wurde. Die Eltern wollen sich weiterhin „mit Händen und Füßen gegen die Zuteilung wehren“. Sie möchte demonstrieren und wollen sich bei Politikern melden.

Lichtenbergs Schulstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) spricht bei den Zuweisungsbescheiden an die Eltern von einem „ganz normalen Verwaltungsvorgang“. Für die Eröffnung zum neuen Schuljahr hätte die Zusage der Senatsverwaltung vorgelegen. Er habe erst jetzt von der Verzögerung erfahren. Es werde derzeit geprüft, wo die betroffenen Erstklässler zur Schule gehen können, bis die Sewanschule fertig ist. Am 10. April fand nun immerhin die Grundsteinlegung statt. Zunächst sollen nur Erstklässler aufgenommen werden, später soll der Ganztagesbetrieb 432 Schülerinnen und Schüler in 26 Unterrichtsräumen beherbergen. Auch eine Sporthalle soll gebaut werden. Die Gesamtkosten liegen bei knapp 25 Millionen Euro.

Hendrikje Klein, für die Linke im Abgeordnetenhaus, forderte Stadtrat Nünthel auf, die Betroffenen Eltern umfangreich zu informieren, man könne gemeinsam mit dem Bezirk an einer Übergangslösung arbeiten. „Zu Recht sind Eltern nicht nur verwundert, sondern auch aufgebracht“, so Klein.

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