Schulplätze finden - irgendwie. Darum geht es zurzeit in den Bezirken. (Symbolbild). Foto: Felix Kästle/dpa
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Weiterführende Schulen in Berlin Es wird eng: Wie die Bezirke die Lage an den Oberschulen einschätzen

Nochmals weit über 1000 Siebtklässler mehr als im Vorjahr brauchen einen Platz. Bald beginnt die Anmeldezeit für die weiterführenden Schulen.

Eltern gäben viel darum, wenn ihnen das erspart bliebe: das Bangen um die richtige Entscheidung bei der Oberschulwahl. Selbst wer genau zu wissen glaubt, welche Schule die richtige wäre, ist nicht aus dem Schneider. Denn rund zwei Drittel aller Gymnasien und Sekundarschulen sind übernachgefragt, sodass es die zusätzliche Sorge gibt, ob die Noten reichen oder das Kind im Lostopf landet.

In den vergangenen Jahren haben die Nöte der Familien noch zugenommen, denn der Anstieg der Schülerzahl führt dazu, dass immer mehr Kinder nicht an einer ihrer drei Wunschschulen landen: 2018 galt das für 2000 Bewerber. Dieses Jahr dürfte diese Zahl noch wachsen, weil es – je nach Statistik – 1000 bis 2000 Schüler zusätzlich geben könnte. Erwartet werden insgesamt 28 000 Siebtklässler an öffentlichen und privaten Schulen.

Starke Zuwächse

Den stärksten Zuwachs mit über 220 Sechstklässlern gegenüber dem Vorjahr verzeichnet Marzahn-Hellersdorf. Zwar weiß kein Bezirk, wie viele seiner Grundschulabgänger im Bezirk bleiben wollen, aber eng dürfte es werden. Bildungsstadtrat Gordon Lemm (SPD) kann allerdings in Mahlsdorf über eine zusätzliche Sekundarschule verfügen und geht davon aus, dass die Schulplatzanzahl „voraussichtlich auskömmlich“ ist.

Rund 200 Siebtklässler mehr erwartet das ohnehin schülerreichste Pankow. Es kann nicht alle Bezirksschüler selbst versorgen. Die größte Wanderungsbewegung von 1100 Schülern gab es 2018 in Richtung Lichtenberger Sekundarschulen, 800 wichen auf Reinickendorfer Gymnasien aus. „Drei komplette Oberschulen fehlen schon jetzt“, sagt Bildungsstadtrat Torsten Kühne (CDU). Der Engpass führt zu vielen Widersprüchen – zuletzt 300. „Eltern kämpfen mit allen Mitteln“, weiß Kühne. In einem Fall war eine Brandenburger Scheinanmeldung aufgeflogen. Das Kind verlor den Platz, und alle Kinder, die auf die gleiche Schule wollten, mussten aufgenommen werden, berichtet Kühne.

Über „besondere Engpässe“ bei den Sekundarschulen klagt Treptow-Köpenicks Stadträtin Cornelia Flader (CDU). Sie habe sich an Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) gewandt und darauf hingewiesen, dass es den Eltern in einem Flächenbezirk „nur schwer vermittelbar ist, dass ihre Kinder einen Schulplatz in einem anderen Bezirk annehmen müssen“. Es ergäben sich daraus besonders lange Wege – und die Schülerzahl steigt weiter.

Auch Friedrichshain-Kreuzberg verzeichnet ein deutliches Plus bei den Siebtklässlern. An einigen Sekundarschulen könnten aber „problemlos“ weitere Klassen aufgemacht werden, lässt Stadtrat Andy Hehmke (SPD) ausrichten. Anders an den Gymnasien: Hier werde es abermals „nicht ausreichend Plätze“ für alle Erstwunschbewerber geben.

In Tempelhof-Schöneberg wird erwartet, dass es an den Sekundarschulen eng werden könnte. Es gebe schon Gespräche mit Schulen, zwei bis drei zusätzliche Klassen aufzumachen, berichtet das Schulamt von Bildungsstadtrat Oliver Schworck (SPD). Weitere Engpässe sieht er bei der Versorgung von Kindern mit Förderstatus und bei Willkommensschülern: Das gelte sowohl für Plätze in Willkommensklassen als auch für den Übergang in Regelklassen.

In Steglitz-Zehlendorf ist die Lage entspannt

In Charlottenburg-Wilmersdorf hält sich Bildungsstadträtin Heike Schmitt- Schmelz (SPD) mit Prognosen zurück und will erst die Anmeldungen abwarten. Im Bezirk gibt es aktuell etwa 380 Sechstklässler mehr als 2018, über zusätzliche siebte Klassen werde „nachgedacht“.

Auch Mitte ist mit Prognosen vorsichtig. Die Zahl der Schüler ist stabil, es sind keine zusätzlichen Klassen geplant, heißt es auch dem Schulamt von Stadtrat Carsten Spallek (CDU).

Bildungsstadträtin Karin Korte (SPD) berichtet, dass Neukölln „nach derzeitigen Planungen“ alle Schüler versorgen kann. Der Schüleranstieg ist gemäßigt, ohnehin wechseln stets sehr viele Kinder in andere Bezirke.

Engpässe sind auch in Reinickendorf kein großes Thema: „Bisher konnten immer alle Schüler untergebracht werden“, heißt es seitens des Schulstadtrats Tobias Dollase (parteilos, für CDU).

Entspannung pur im geburtenschwachen Steglitz-Zehlendorf: „Es sind keine Engpässe zu erwarten“, lautet die Ansage aus dem Haus von Bildungsstadtrat Frank Mückisch (CDU).

Aus Spandau und Lichtenberg werden die Einschätzungen noch nachgereicht.

Mehr Infos zu Schülerwanderungen unter www.bildungsstatistik.berlin.de.

Mehr zum Anmeldeverfahren in Berlin und Tipps, worauf Eltern bei der Schulwahl achten sollten, lesen Sie hier.

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