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Grit Driewer vom Verein Türöffner. Foto: Foto: Sven Darmer
© Sven Darmer

Tagesspiegel-Spendenaktion „Menschen helfen!“ Wie ein geflüchteter Schäftemacher in Berlin seinen Traumjob fand

Marian Schuth

Der Verein Türöffner e. V. hilft Geflüchteten dabei, eine passende Ausbildung oder einen Job zu finden und coacht sie dabei. Damit dies auch digital funktioniert, bittet der Verein um Spenden.

In diesem Jahr bittet der Tagesspiegel-Spendenverein „Menschen helfen!“ für Unterstützung in der Coronakrise um Spenden. Stellvertretend für alle 30 Initiativen für Berlin, Brandenburg und die Welt stellen wir zwölf Projekte in unserer Spendenserie bis Weihnachten vor. Heute: Der Türöffner e. V. mit seinem Jobnetzwerk für Geflüchtete in Berlin-Köpenick.

Einmal kam ein syrischer Schäftemacher auf seiner Arbeitssuche zu Grit Driewer. „Was ist denn ein Schäftemacher?“, wunderte sich Driewer. Sie ist Geschäftsstellenleiterin des Vereins „Türöffner“, der Geflüchteten dabei hilft, Arbeit zu finden. In der Corona-Zeit wird das durch Kontaktbeschränkungen erschwert, daher bittet der Verein dringend um Spenden für technisches Equipment.

Wer beim Schäftemacher an eine aus mangelnden Sprachkenntnissen geborene Wortneuschöpfung für einen Händler oder Verkäufer denkt, der täuscht sich. Ein Schäftemacher fertigt den Schaft des Schuhs aus Leder und Stoffen an. „Den kriege ich nie unter!“, war Driewers spontane Reaktion auf den speziellen Beruf des Mannes.

Dennoch versuchte sie ihr Glück, zunächst in einer Kreuzberger Schusterei. Erfolglos. Die hatte schon genügend Schäftemacher, aus verschiedensten Ländern. Ein paar Straßen weiter eine Ledermanufaktur: Portemonnaies, Handtaschen, Gürtel.

 „Aber ich bin doch Schäftemacher, Frau Driewer“, sagte der Mann, dessen Eltern einst ein Schuhgeschäft in Syrien führten, und lehnte es ab, dort anzufangen. Er bestand auf seine Profession, das Nähen von Portemonnaies sei nicht dasselbe wie das Fertigen von Schuhschäften.

Dann, als sie durch Annoncen blätterte, stieß Grit Driewer tatsächlich auf eine passende Anzeige: „Schäftemacher gesucht“. In einem Geschäft in der Nähe des Tiergartens. „Wir sind sofort hingefahren und haben ein zehntägiges Praktikum vereinbart. Und nach drei Tagen haben sie angerufen und gesagt: Den nehmen wir.“

Nicht immer klappt die Vermittlung so gut

Somit wurde der syrische Schäftemacher zu einem der heute 92 Geflüchteten, denen „Türöffner“ eine Arbeit oder Ausbildung vermittelt hat. Von insgesamt 400, seit der Verein im Jahr 2016 seine Tätigkeit aufnahm. Das zeigt schon: Nicht immer nehmen die Geschichten einen so glücklichen Verlauf. „Es ist schwer für Neuankömmlinge, Arbeit zu finden“, berichtet Driewer.

Gemeinsam mit den Geflüchteten findet „Türöffner“ heraus, was die Menschen gut können, worin sie sich auskennen und was sie beruflich machen wollen. Die Zusammenarbeit dauert in der Regel zwölf Monate und findet in 50 Einzelstunden statt.

Die Begleitung der Geflüchteten ist dabei immer individuell. „Da ist alles dabei, von keinerlei Schulbildung bis hoch qualifiziert“, sagt Grit Driewer. Dabei kann es für einen Bauingenieur manchmal sogar schwerer sein, einen Job zu finden, als für einen Handwerker. 

„Es heißt zwar immer, wir brauchen mehr Fachkräfte, aber der Bauingenieur muss sich an ganz neue rechtliche Rahmenbedingungen anpassen und ein Fachvokabular lernen“, erklärt Driewer. „Eine Wand wird hingegen überall in der Welt ungefähr gleich gemauert.“

Hilfsjob für Hochqualifizierte

Für viele bleibt daher zunächst oft nur eine Hilfstätigkeit auf Mindestlohnbasis – für Hochqualifizierte oft eine Überwindung, denn ihre Ausbildung, ihr Studium und ihre Berufserfahrung in der Heimat nützt dann zunächst wenig.

„Wer eine Flucht durchgemacht hat, wird mit den unterschiedlichsten Situationen fertig“, sagt Grit Driewer. Sie versucht, gemeinsam mit den Geflüchteten deren Stärken herauszuarbeiten. Fachlich und mental. 

Auf der Flucht würden die Menschen notgedrungen Eigenschaften wie Durchhaltevermögen und Anpassungsfähigkeit erwerben, sagt Driewer. Diese besonderen Stärken macht „Türöffner“ den Unternehmen, aber auch den Geflüchteten selbst bewusst.

„Es kommen Geflüchtete zu uns, die einen Job suchen, und Unternehmen, die einen Handwerker oder jemanden in der Produktion brauchen. Wir sind ein Vermittlungsdreieck, das versucht, den Weg in die Arbeit so kurz wie möglich zu machen“, fasst Driewer die Tätigkeit ihres Vereins zusammen. 

Dafür bedient sich „Türöffner“ aus einem Pool von derzeit 118 Unternehmen im Berliner Raum, die ihren Kontakt hinterlegt haben. Diese kommen aus Wirtschaft, Kultur, Sport und Kirche. In manchen Fällen, wie dem des Schäftemachers, wird aber auch außerhalb dieses Pools vermittelt.

Türöffner braucht Laptops für digitale Bewerbungen

In der Corona-Pandemie wird die Zusammenarbeit mit den Geflüchteten durch Kontaktbeschränkungen erschwert. „Türöffner“ finanziert sich durch Spenden, Stiftungen und Mitgliedsbeiträge. Mit Laptops und Headsets möchte der Verein den Geflüchteten die Recherche und Kommunikation mit potenziellen Arbeitgebern auch von zu Hause aus ermöglichen. 

Dafür ist aber im üblichen Budget des Vereins kein Geld vorhanden. Mit den Spenden sollen so auch jetzt Geflüchtete qualifiziert und in Arbeit vermittelt werden – wie der syrische Schäftemacher, der mehrere Jahre erfolgreich bei dem Geschäft am Tiergarten Schuhschäfte fertigte.

Das Spendenkonto: Empfänger: Spendenaktion Der Tagesspiegel e. V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse BIC: BELADEBE, IBAN: DE43 1005 0000 0250 0309 42. Bitte Namen und Anschrift für den Spendenbeleg notieren. Auch Online-Banking ist möglich.

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