Spielerisch. Chinesisch lernen bei den „Berliner Pandabären“. Foto: Interkulturelle Kindheit
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Chinesisch lernen in Berlin Das Spiel mit den Schriftzeichen

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Um Perfektion geht es nicht: In der Kita „Berliner Pandabären“ lernen Kinder mit viel Spaß chinesische Sprache und Kultur kennen.

Mit einer Fliegenklatsche patschen die Kinder im Bewegungsraum der Kita „Berliner Pandabären“ auf chinesische Schriftzeichen, die Lehrerin I-hua Lin an eine Wand projiziert hat. Eins, zwei, drei – I-Hua Lin sagt auf Chinesisch die Zahlwörter, und die Kinder rennen los und klatschen auf das dazugehörige Zeichen. Still sitzt hier niemand, die drei-, vier- und fünfjährigen Kinder wuseln durcheinander, mal mit der Fliegenklatsche, mal mit kleinen Plastikbällen in der Hand. I-hua Lin selbst ist auch fast immer in Bewegung, sie hüpft herum, lacht viel und unterstreicht die Wörter, die sie auf Chinesisch sagt, ausdrucksstark mit Gesten und Mimik.

Immer freitags kommt die 32-jährige Dozentin in die Kita „Berliner Pandabären“ in der Schliemannstraße in Prenzlauer Berg und lernt mit den Kindern Chinesisch, spielerisch, in kleinen Gruppen, etwa eine dreiviertel Stunde lang.

Hier sind sie also: Kitakinder, die Chinesisch lernen. Das ist ja ein Gemeinplatz geworden, wenn über vermeintlich überzogene Ansprüche vermeintlicher „Helikopter-Eltern“ gesprochen wird. Die Schriftstellerin Juli Zeh sagte kürzlich in einem Tagesspiegel-Interview im Zusammenhang mit einem Druck zur Selbstoptimierung, den sie diagnostizierte: „Das führt dazu, dass schon Dreijährige im Kindergarten Chinesisch lernen sollen, damit sie mit 24 Jahren einen guten Job bekommen.“

Zwei deutsch-chinesische Kitas

Was ist dran an dieser Behauptung? Schicken Berliner Eltern ihre kleinen Kinder reihenweise zum „Frühchinesisch“? Dagegen spricht, dass es zumindest nicht einfach ist, solche Angebote in Berlin zu finden. An mehreren Schulen, vor allem an weiterführenden, wird zwar Chinesisch als Fremdsprache angeboten (siehe unten), aber für Kinder im Kita-Alter findet man nur wenige Kurse.

Und dann gibt es noch zwei bilinguale deutsch-chinesische Kitas: die „Berliner Pandabären“ des Trägers „Interkulturelle Kindheit“ und der deutsch-chinesische Kindergarten des Vereins „Das China Büro“. Beide liegen – und vielleicht hat das zu Juli Zehs Eindruck beigetragen – in Prenzlauer Berg, ganz nah beieinander, die eine in der Schliemannstraße, die andere in der Dunckerstraße. Das sei aber Zufall, sagt die Gründerin der Kita „Berliner Pandabären“, die die Einrichtung 2012 mit zwei Kolleginnen ins Leben gerufen hat.

Es sind beides kleine Kitas, 25 Kinder besuchen die Pandabären, die andere Einrichtung hat 27 Plätze, heißt es auf der Homepage des Vereins.

Viele der Kinder kommen aus Familien, in denen ein Elternteil chinesische Wurzeln hat, sagt die Geschäftsführerin der Pandabären, Xin Xin. Es gebe in Berlin eine große chinesische und taiwanesische Community, und viele Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder in Kontakt mit der chinesischen Kultur kommen. Ihr selbst ging es auch so, erzählt Frau Xin. Sie hat einen deutschen Mann geheiratet und kam 2010 aus Henan nach Berlin, ihr mittlerweile achtjähriger Sohn besuchte ebenfalls die Berliner Pandabären.

Eine Voraussetzung, um einen Platz bei den Pandabären zu bekommen, ist die Herkunft der Eltern aber nicht. „Wir nehmen auch Kinder, die zwei deutsche Elternteile haben“, sagt Xin Xin. Wenn ein Platz zu vergeben sei, finde ein Kennenlerngespräch statt, und das wichtigste sei, dass „die Chemie“ stimme. Dass ihre Kinder bei den Pandabären bilingual betreut werden – das fänden die Eltern schon gut. Gut finden viele es aber auch, überhaupt einen Platz zu finden angesichts der angespannten Kitaplatzsituation in Berlin. Die Warteliste bei den Pandabären ist jedenfalls lang.

Deutsche und chinesische Feste werden in der Kita gefeiert

Sechs Erzieherinnen und zwei Aushilfen betreuen die Kinder, die chinesischstämmigen Erzieherinnen sprechen Chinesisch mit den Kindern, die deutschen Deutsch. Auf die Vermittlung beider Kulturen werde Wert gelegt, sagt Xin Xin. Deutsche und chinesische Feste werden gefeiert, die Kinder lernen Märchen, Lieder und Techniken aus beiden Kulturen kennen. Mit den beiden Sprachen kämen die Kinder meist schnell gut klar. Die meisten Kinder hätten als Muttersprache Deutsch, verstehen es aber bald, wenn sie auf Chinesisch angesprochen werden.

Das merkt man auch im Sprachunterricht von I-hua Lin. Die Lehrerin zeigt den Kindern Schriftzeichen für Verkehrsmittel – Züge, Autos, Flugzeuge – und spricht mit ihnen auf Chinesisch darüber. „Ich bin schon zweimal geflogen“, antwortet ein Mädchen auf Deutsch ohne zu zögern, als es um Flugzeuge geht.

Das Sprachgefühl für Chinesisch soll geweckt werden

„Ich will den Kindern möglichst viele Gelegenheiten bieten, mit den Schriftzeichen vertraut zu werden, und ermuntere sie zum Sprechen“, sagt I-hua Lin. Ein strenger Unterricht, wie er in China üblich sei, mit Stillsitzen und Zuhören, sei in Deutschland nicht möglich, da haben die Eltern andere Vorstellungen von Pädagogik. Spielerisch und mit viel Spaß laufe der Unterricht hier ab.

Es gehe auch nicht darum, dass die Kinder perfekt Chinesisch lernen, sagt Xin Xin. Sondern eher darum, ein Sprachgefühl bei ihnen dafür zu wecken. „Wir legen ein Samenkorn“, sagt Xin. Oft verblassten die Chinesischkenntnisse nach der Kitazeit wieder, aber bei vielen Kindern bleibe ein Gespür für die Sprachmelodie und für das Hörverständnis.

Und weil viele Kinder auch nach der Kitazeit weiter Chinesisch bei den Pandabären lernen wollten, bietet die Kita seit Kurzem samstags einen Kurs für Kinder ab sechs Jahren an.

CHINESISCH LERNEN AN SCHULEN

Elf Gymnasien, eine Sekundarschule, und drei private Grundschulen bieten laut Schulverzeichnis der Senatsbildungsverwaltung Chinesisch als Fremdsprache an. Außerdem bietet auch die staatliche Bruno-H-Bürgel-Grundschule Chinesisch an. An den Gymnasien kann Chinesisch als dritte Fremdsprache gewählt werden, die Bettina-von-Arnim-Sekundarschule bietet es als zweite Sprache und Kulturfach ab Klasse 7 an.

Die Liste der Schulen: Askanisches Gymnasium (Tempelhof), Berlin Cosmopolitan School (Mitte), Bettina-von-Arnim-Schule (ISS, Märkisches Viertel), Carl-von-Ossietzky-Gymnasium (Pankow), Europäisches Gymnasium Bertha-von-Suttner (Reinickendorf), Gymnasium Tiergarten, Herder-Gymnasium (Westend), Humboldt-Gymnasium (Tegel), Leonardo-da-Vinci-Gymnasium (Buckow), Lily-Braun-Gymnasium (Spandau), Romain-Rolland-Gymnasium (Wittenau), Werner-von-Siemens-Gymnasium (Nikolassee), Dreieins-Grundschule (Pankow), Kreativitätsgrundschule Berlin Friedrichshain, Kreativitätsgrundschule Berlin Lichtenberg.

Die Bruno-H.-Bürgel-Grundschule in Lichtenrade bietet in Klasse 3 und 4 Chinesisch als AG an, in Klasse 5 und 6 als einstündiges Schwerpunktfach. Außerdem hat die Schule eine Partnerschule in Peking, mit dieser finden regelmäßig Austauschfahrten statt.

In der Grundschule am Planetarium in Prenzlauer Berg gibt es im Rahmen einer AG Chinesisch-Kurse.

WEITERE ANBIETER: Das Chinesische Kulturzentrum Berlin in Tiergarten bietet Sprachkurse für Kinder ab sechs Jahren an (http://c-k-b.eu). Die „Berlin Shuren Schule für Chinesische Sprache und Kultur“ bietet Chinesisch-Kurse für Kinder ab vier an, an Standorten in Wedding und Prenzlauer Berg (deutsch-chinesische-schule.de).

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