Weg da: Ein unbequemer Lehrer muss jetzt von Tempelhof nach Mitte wechseln. Foto: dpa/ Maurizio Gambarini
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Schule in Berlin-Tempelhof Klassenlehrer zwangsweise versetzt

Die Bildungsbehörde reagiert auf einen Streit zwischen Leiterin und Teilen des Kollegiums der Johanna-Eck-Schule. Lehrer protestieren gegen die Versetzung.

Die Zwangsversetzung eines Klassenlehrers belastet die ohnehin schon angespannte Lage an der Tempelhofer Johanna-Eck-Schule. Aus Protest trugen Lehrer diese Woche in der Schule rote Herzen, auf denen zu lesen war: „Bin ich der Nächste?“ Dem Lehrer wird nach Informationen des Tagesspiegels vorgeworfen, den Schulfrieden zu stören, weil er nicht mit der neuen Schulleiterin kooperiere. Eine Zwangsversetzung im Sommer hatte nach Protesten von Eltern zunächst verhindert werden können.

Diesmal blieb für Elternaktionen keine Zeit, denn der Lehrer wurde erst am Freitagnachmittag von der Entscheidung der Schulaufsicht unterrichtet und sollte sich bereits am Montag in der Willy-Brandt-Schule in Mitte einfinden. Die Wut vieler Kollegen und die Betroffenheit der Schüler hat auch damit zu tun, dass der Lehrer gerade eine zehnte Klasse zum Abschluss führen sollte, die er seit Jahren in den Hauptfächern unterrichtet. Ihm wird auch ein guter Draht zu den geflüchteten Schülern bescheinigt, die zum Teil seit Jahren ohne Eltern in Berlin leben.

„Es wird nicht gefragt, was für die Schüler am besten ist“, kritisierte die Schulausschussvorsitzende im Bezirk, Martina Zander-Rade, die „unprofessionelle“ Entscheidung. Das Krisenmanagement zeige, dass die Senatsverwaltung für Bildung „überfordert“ sei. Die Behörde reagierte nicht auf diesbezügliche Anfragen.

Massive Spannungen - seit mehr als einem Jahr

Wie mehrfach berichtet gibt es an der Schule seit über einem Jahr massive Spannungen zwischen der neuen Schulleiterin und Teilen des Kollegiums, das noch aus der ehemaligen viel gelobten Werner-Stephan-Hauptschule hervorgegangen war. Die Bildungsbehörde, die sich hinter die neue Schulleiterin stellt, hatte massive Vorwürfe gegen früheres Leitungspersonal und gegen die Konrektorin erhoben. Zudem wurden Rassismusvorwürfe gegen Lehrer lanciert und der Vorwurf "schwarzer Kassen". Ein ominöser Rassismusvorwurf steht noch im Raum, die "schwarzen Kassen" erwiesen sich als wenig skandalös.

"Aufgabe der Verwaltung wäre gewesen, die Wogen zu glätten und zur Beruhigung von Lehrkörper, Eltern- und Schülerschaft beizutragen. Das hat sie jedoch versäumt und provoziert nun neue Frustrationen", kommentierte Zander-Rade. Zwangsversetzungen werden nur selten verhängt. Am selben Tag bekannt wurde auch die Strafaktion gegen einen Schulleiter des Bezirks.

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