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2015 wurde der Skandal um Gesundheitsgefahren in den Schießständen der Polizei und schwer erkrankte Beamte aufgedeckt. Rainer Jensen/dpa
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Schießstandaffäre Berliner Polizisten wollen mit Sarg-Autokorso protestieren

Louise Otterbein

In den Berliner Schießständen waren Polizisten jahrelang Giftstoffen ausgesetzt, einige von ihnen starben. Ihre Kollegen wollen ein Zeichen setzen.

Am Donnerstag, den 15. April, wollen Polizisten mit einem Autokorso durch Berlin ziehen und damit erneut auf die Schießstandaffäre, einen der größten Skandale der Berliner Polizeigeschichte, aufmerksam machen. Zunächst hatte die B.Z. berichtet.

Mindestens 30 Autos sollen von der Keibelstraße, in der sich das Gebäude der Dienstunfallvorsorge befindet, zum Amtssitz des Innensenators in der Klosterstraße fahren. Als Sensenmänner verkleidete Demonstranten sollen den Autokorso zu Fuß anführen. 18 schwarze Fahrzeuge mit nachgebildeten Särgen auf den Dächern sollen an die Kollegen erinnern, die verstorben waren, nachdem sie in jahrelang in Berliner Schießständen Schadstoffe eingeatmet hatten.

Der Autokorso solle darauf aufmerksam machen, dass die Verantwortlichen die Schuld weiterhin von sich wiesen, sagte der ehemalige SEK-Teamchef und Organisator Karsten Loest dem Tagesspiegel. Auch gegen den "defizitär" ausgestatteten Ausgleichsfonds von Innensenator Andreas Geisel (SPD) solle protestiert werden. "Der Innensenator, unser Dienstherr, verweigert sich Gesprächen", sagt Loest. "Dabei trägt er hier Verantwortung. Er hätte die Möglichkeit für Befriedigung zu sorgen, doch er stellt sich quer."

Wie viele Fahrzeuge an dem Autokorso teilnehmen, sei laut Loest noch nicht sicher, es könnten bis zu 50 werden. "Wir gehen davon aus, dass nicht nur Kollegen sondern auch Angehörige an dem Autokorso teilnehmen. So zum Beispiel die Angehörige des zuletzt an Bauchspeicheldrüsenkrebs verstorbenen Kollegen", sagt Loest.

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Hintergrund ist die Affäre um die schadstoffbelasteten Polizeischießstände. Beamte erkrankten, nachdem sie dort im Einsatz waren. In der Polizeiführung und teils bei den Gewerkschaften waren die Gesundheitsrisiken bekannt, doch niemand schritt ein.

Zuletzt hatte die Staatsanwaltschaft Berlin die Ermittlungen gegen ihre eigene Chefin Margarethe Koppers, jetzige Generalstaatsanwältin und damalige Vize-Präsidentin der Polizei, eingestellt. Seit der Skandal aufgedeckt wurde, war wegen des Verdachts auf Körperverletzung im Amt durch Unterlassen zunächst gegen unbekannt und ab 2017 gegen Koppers ermittelt worden, so wie auch gegen die früheren Polizeipräsidenten Dieter Glietsch und Klaus Kandt.

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