Samu Haber in der Hauptstadt: „Warum sollte ich nach Berlin ziehen?“ Foto: Promo
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Samu Haber in der Hauptstadt „Warum sollte ich nach Berlin ziehen?“

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Vor dem Konzert mit seiner Band Sunrise Avenue erzählt der finnische Sänger, was er über Berlin denkt – und über Frauen in der Monkey Bar.

Klar war er schon mal auf der Sonnenallee – die Berlin endlich mal in „Sunrise Avenue“ umbenennen sollte, findet der Sänger Samu Haber. Das würde cooler klingen, meint der Sunrise-Avenue-Frontmann. Aber fernab der Sonnenaufgangs-Allee bespielt der blonde Finne mit dem ewigen Surferboy-Charme am Montagabend erst einmal die Mercedes-Benz-Arena in Neu-Friedrichshain.

„Wir freuen uns irre auf das Konzert“, jubelte Haber schon vor Wochen und frohlockte: „Es sieht gut aus, die Arena ist schon fast ausverkauft.“ Der Ehrlichkeit halber und natürlich zur Freude aller Fans der fünf fidelen Finnen muss man sagen: Es gibt durchaus noch Karten (ab etwa 80 Euro).

Wohin schickt das Universum dich?

Sunrise Avenue, die sind so ein Fall von: Keiner kennt die Songtitel, aber alle können mitsingen. Ein Test: „Fairytale Gone Bad“. Na? Eben. Aber wie Samu Haber im dazugehörigen Clip von 2006 lässig am Strand sitzt und verträumt in die Kamera säuselt, während eine zarte Brise seinem blonden Wuschelkopf umspielt – das hat „Bravo“-Geschichte geschrieben. So viel älter scheint Haber seit 2006 nicht geworden zu sein. Selbe Frisur, selbes Heartbreaker-Image.

Passenderweise heißt das neue Album „Heartbreaking Century“. Hach! Die Songtexte sind doch bestimmt komplett in Berlin entstanden? Stadt der gebrochenen Herzen und so? Des Nachts, beim rastlosen Wandeln auf den Straßen dieser gemeinsam so einsamen Stadt? Im Regen?

„Nein, das ist meist Zufall.“ Schade. Aber: „Es ist wohl eher eine Frage, wohin das Universum Dich schickt, wie Du reagierst. Ob Du deinem Herzen folgst.“ Ach Samu, diese Worte! Aber sag doch, wie geht das, seinem Herzen folgen? „Wenn Du nicht weißt, was morgen geschehen wird oder warum Dinge passieren – dann folgst Du deinem Herzen.“ So weise.

Aber hier leben...

Berlin findet der gar nicht wortkarge Skandinavier natürlich great: „Underground, hipstery, dieses coole Whatever in Neukölln und Kreuzberg, dieser Indie-Vibe. Wow!“ Für die Aufzeichnung der Casting-Show „The Voice of Germany“, in deren Jury er sitzt, ist er manchmal in der Stadt. Aber eine Wohnung hat er wegen der Arbeit in den Adlershofer Studios nicht, das würde sich ja gar nicht lohnen für die paar Stunden. Außerdem seien die Hotels in der Hauptstadt really, really great.

Und welche Ecke findet Samu Haber am greatesten? „Ich fahre sehr gern mit dem Rad, vor allem in Friedrichshain und Kreuzberg.“ Da würden ihn die Leute nicht sofort erkennen, in kleinen Friedrichshainer Clubs etwa werde er in Ruhe gelassen. Aber auch die „kleinen, coolen“ Bars in Mitte hätten es ihm angetan, und auch habe er sein Herz für den alten Westen entdeckt, diese schönen Straßen abseits des Ku'damms.

Aber nach Berlin ziehen? „Warum sollte ich?“, lacht er auf. „Hier in Helsinki sind all meine Freunde, meine Familie, ich habe die allerschönste Wohnung, ein Penthouse mit Blick auf einen Park.“ Und dann wird er wieder ganz, ganz nachdenklich: „Ich glaube, es geht mehr darum, das eigene Leben und das innere Selbst zu lieben. Anstatt wegzurennen.“

Die schönen Mädchen und ihre Handys

So wie die armen, armen Berliner Frauen in der „Monkey Bar“ am Zoo – da geht er ganz gern hin – vor ihrem Leben: „Ich habe die Mädchen angesehen. Wirklich, wirklich gutaussehende Mädchen. Aber alle mit ihren Telefonen verheiratet, auf den Bildschirm starrend. Und dann dachte ich – wonach suchen die?“ Nach ihm vermutlich nicht, denn: Berlin sei eine einzige große Party, aber dann, abends im Hotel, fühle auch er sich „sehr, sehr einsam“.

In diesen Momenten der dramatischen Loneliness sind vielleicht die zwei Lieder entstanden, die er nämlich doch in Berlin geschrieben hat, darunter den thematischen Titelsong des Albums, „Flags“. Dort heißt es: „Es ist besser, den richtigen Weg langsam zu gehen, als schnell irgendwohin zu kommen.“ Ein poetischer Trost für alle, die mal wieder im M 41 auf der Sunrise Avenue feststecken.

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Das Konzert findet am Montag, den 12. März ab 20 Uhr in der Mercedes-Benz-Arena statt.

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