Jens-Holger Kirchner (Grüne), Verkehr und Umwelt

Jens-Holger Kirchner (Grüne), ist Favorit für das Ressort Verkehr und Umwelt. Foto: picture alliance / dpa
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Jens-Holger Kirchner (Grüne), Verkehr und Umwelt

Mit Jens-Holger Kirchner würde die authentische Berliner Schnauze in den Senat einziehen: schnoddrig, rauflustig, direkt. Der seit Jahrzehnten in Prenzlauer Berg verankerte Grüne macht seit 1990 Bezirkspolitik und verantwortete seit 2011 das Stadtentwicklungsressort in Pankow, Berlins bevölkerungsreichstem und am stärksten wachsenden Bezirk. Das Problem des knapper werdenden Platzes samt Verteilungskampf um den Straßenraum und die Freiflächen ist dem möglichen Verkehrs- und Umweltsenator also bestens vertraut. Und Kirchner führt diesen Kampf ohne Angst, was ihm zugute kommen dürfte, wenn er etwa das Mobilitätsgesetz zugunsten von Rad- und Fußverkehr umsetzen und die Linden vom privaten Autoverkehr befreien soll. Letzteres könnte im Chaos enden, wenn Ideologie vor Pragmatismus ginge – aber diese Gefahr besteht bei Kirchner nicht. Der wird am Sonnabend 57 und verströmt noch immer eine fast kindliche Freude, wenn er Besitzstandswahrer und Moralapostel mit pointierter Rhetorik in ihre Schranken weisen kann. Dabei interessiert ihn wenig, ob die Widersacher aus der eigenen Partei kommen. So ließ er sich kürzlich mit der Bemerkung zitieren: „Hätte es die direkte Demokratie schon in der Anfangszeit Berlins gegeben, würden jetzt noch immer die Leute in ihren Hütten und Fachwerkhäusern im Urstromtal sitzen und sagen: Nee, wollen wir nicht!“ Denkanstöße wie dieser sind ihm den absehbaren Ärger allemal wert. Er kann austeilen, ohne persönlich zu werden, und einstecken, ohne beleidigt zu sein. Alles in allem also qualifiziert für das schwierige neue Ressort.

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