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Ein Flugzeug fliegt: Start am Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg «Willy Brandt» (BER). Foto: Christoph Soeder/dpa
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Richtig gut wird es nie Der nächste Chaostag am BER ist programmiert

Es wird der Flughafen der bösen Überraschungen bleiben. Jetzt muss die Politik ihn dennoch vor der Pleite retten. Ein Kommentar.

Ist jetzt alles wieder gut? Die Lage hat sich wieder entspannt am Willy-Brandt-Flughafen draußen in Schönfeld, ein paar Tage nach dem schwarzen Wochenende, an dem alles drunter und drüber ging.

Die Lufthansa hat die Bitte an ihre Fluggäste wieder einkassiert, in der Ferienzeit „mindestens 240 Minuten“ vor Abflug am Berliner Flughafen zu sein. Mindestens vier Stunden, das dürfte es vorher für keinen Airport in Deutschland gegeben haben. Das war ja nahe an der Aufforderung, Kranich-Flüge gleich zu lassen. Aber was folgt aus diesem verstörenden Kollaps, dass der BER-Airport, sieben Milliarden Euro teuer, erst ein Jahr in Betrieb, schon bei halber Kraft schlapp machte?

Zunächst: Eine BER-Eröffnung mit den vor der Corona-Krise üblichen hunderttausend Passagieren am Tag wäre ein Fiasko geworden. Vor den Sicherheitskontrollen ist zu wenig Platz. 118 Check-In-Schalter und acht Gepäckbänder sind für einen Metropolen-Airport zu wenig, ein Umbau ist nicht möglich.

An normalen Tagen ist es hier richtig gemütlich

Das führt zur einer Ambivalenz, an die sich die Reisenden wohl gewöhnen muss: An normalen Tagen macht es richtig Spaß, hier abzufliegen, Gemütlichkeit meets Weltstadt. Zu Spitzenzeiten dagegen wird die Reise vom BER zum Hochrisiko.

Und die Passagierzahlen steigen weiter. Es kann also wieder passieren, es wird, ja es muss wieder passieren, wenn es richtig voll wird – zumal das Gebäude jede Menge Baumacken in sich birgt. Der BER wird ein Flughafen der bösen Überraschungen bleiben.

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Und für den sollen Berlin, Brandenburg und der Bund nach den bisherigen Unsummen bis 2026 noch einmal 2,4 Milliarden Euro zahlen? Eine Summe, für die man einen neuen Flughafen bauen könnte?

Ja, und die staatliche Betreiberin braucht das Geld gegen die Pleite schnell, spätestens im Februar 2022. Der jüngste Kollaps wird den Parlamenten die Bewilligung nicht einfacher machen. In Brandenburg wären Regierung und Kenia-Koalition gut beraten, die Zahlung an eine Ausweitung des Nachtflugverbots zu koppeln, wie es der Landtag einstimmig fordert. Der Hauptstadtflughafen selbst wird die Ruhestunde mehr verkraften.

Wo man auch hinschaut: Man kann am Airport der Hauptstadtregion eigentlich nichts mehr richtig machen, höchstens: weniger falsch. Wenigstens das ist am BER noch möglich. Eben das Beste draus machen.

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