Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Die Spendenübergabe am 21.06.2022 in der Tagesspiegel-Redaktion. Foto: tsp / Joana Nietfeld
© tsp / Joana Nietfeld

Rekordmarke wird gefeiert Leser spenden 578.000 Euro für Tagesspiegel-Spendenaktion

Leser:innen haben 578.000 Euro für Tagesspiegel- „Ukraine-Hilfe“ gespendet. Bei einer Feier wurden die Helfer bedacht.

Die hellen Töne von den Saiten einer Laute perlen durch die Rotunde des Tagesspiegel-Verlagsgebäudes. Sophia spielt ein ukrainisches Lied, bei dem es um einen Vogel, eine Wachtel, geht.

Sophia ist neun Jahre alt, sie ist mit ihrer Mutter aus dem Kriegsgebiet der Ukraine geflohen, sie überlebten im Bunker. Die beiden haben ihren Mann, ihren Vater, seit langem nicht mehr gesehen.

Er ist Soldat, er kämpft um die Unabhängigkeit seines Landes.

Die ukrainische Schülerin Sofia. Foto: tsp / Joana Nietfeld Vergrößern
Die ukrainische Schülerin Sofia. © tsp / Joana Nietfeld

Sophia untermalt musikalisch ein besonderes Symbol enormer Hilfsbereitschaft. Der Spendenverein des Tagesspiegels kam am Dienstag mit den Mitwirkenden der Hilfseinrichtungen zusammen, denen das Geld der Tagesspiegel-Leser und -Leserinnen überwiesen wird, das sie für die „Ukraine-Hilfe“ gespendet haben. Der Tagesspiegel hat diese Unterstützung in enger Zusammenarbeit mit seinem erprobten Partner, dem „Bündnis Entwicklung Hilft“, organisiert.

Tagesspiegel-Spendenvereinsmitglied Annette Kögel moderiert die Feier, die Redakteurin hat die heutige Spendenaktion „Menschen helfen!“ des Tagesspiegel vor 30 Jahren begründet.

Redakteurin Anette Kögel und Sofia. Foto: tsp / Joana Nietfeld Vergrößern
Redakteurin Anette Kögel und Sofia. © tsp / Joana Nietfeld

Diese findet eigentlich immer zu Weihnachten statt, doch bei Katastrophen in der Welt übernimmt der Tagesspiegel ebenfalls gesellschaftliche Verantwortung.

Dieser Rekord sticht aus anderen Bestmarken hervor

Bei der Feier sagt Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt in seiner Rede beeindruckt: „Wir hatten schon oft die Situation, dass wir angesichts der Spendensumme sagten: So etwas hatten wir noch nie.“

Alle aktuellen Entwicklungen aus der Ukraine und Berlin lesen Sie jeden Morgen ab 6 Uhr in unserem Tagesspiegel-Newsletter Checkpoint. Jetzt hier kostenlos abonnieren.

Jetzt kostenlos bestellen

Auch diesmal gibt es wieder einen Rekord, aber der sticht aus anderen Bestmarken heraus.

578.000 Euro können jetzt dank der Spenden der Leser und Leserinnen des Tagesspiegel vergeben werden. So viel gab es mit Abstand noch nie; beim Tsunami 2004/5 waren es 565 000 Euro.

Maroldt: "Froh, diesen Bündnispartner zu haben"

„Das ist wirklich enorm, wenn man daran denkt, dass diese Summe in so kurzer Zeit zusammengekommen ist“, sagt Maroldt.

Und: „Wir sind froh, dass wir diesen Bündnispartner haben, denn es war schnell klar, dass wir als Spendenverein diese Unterstützung nicht allein stemmen können.“

Die Ziele waren: Unterstützung der Menschen in der Ukraine, in einem ihrer Nachbarländer, das viele Flüchtlinge aufnimmt, sowie Projekte in Berlin und Brandenburg, die sich um Menschen kümmern, die geflohen sind.

Der Tagesspiegel gibt ukrainischen Journalisten Räume und Technik

Der Tagesspiegel selbst hat dank des Verleger-Engagements auch ganz eigene Projekte.

Einige geflohene Journalistinnen arbeiten bereits im Verlagsgebäude. „Wir haben ihnen Raum und Technik zur Verfügung gestellt“, sagt Maroldt, „zudem erhalten sei eine monatliche Unterstützung."

Chefredakteur Lorenz Maroldt. Foto: tsp / Joana Nietfeld Vergrößern
Chefredakteur Lorenz Maroldt. © tsp / Joana Nietfeld

"Die Hilfe geht so lange weiter, wie sie nötig ist. Aber wir wünschen allen, dass sie bald wieder in ihrer Heimat arbeiten können.“ Auch die Mutter von Sophia ist als Journalistin im Tagesspiegel-Gebäude tätig.

Die Journalistin Nadiia Kulish mit ihrer Tochter. Foto: tsp / Joana Nietfeld Vergrößern
Die Journalistin Nadiia Kulish mit ihrer Tochter. © tsp / Joana Nietfeld

Der frühere Tagesspiegel-Shop ist jetzt, räumlich betrachtet, Teil der Ukraine-Hilfe. Dort ist eine temporäre Kinderbetreuung eingerichtet, mit der erfahrenen Impuls Soziales Management Die Familienexperten gGmbH als Träger.

Auch dieses Projekt erhält Geld aus der Spendenaktion.

Nicht bloß Projekte in der Ukraine sollten unterstützt werden

Peter Mucke, der Geschäftsführer und Sprecher von „Bündnis Entwicklung Hilft“, lobte in seiner Ansprache „die ganz besondere Zusammenarbeit mit dem Tagesspiegel“.

Peter Mucke bei der Spendenaktion. Foto: tsp / Joana Nietfeld Vergrößern
Peter Mucke bei der Spendenaktion. © tsp / Joana Nietfeld

Bündnis und Spendenverein waren sich schnell einig, dass es nicht allein um Hilfe für Projekte direkt in der Ukraine gehen könne.

„Wir als Bündnis haben eine Welle der Hilfsbereitschaft erlebt“, sagt Mucke. „Schon am zweiten und dritten Tag des Kriegs haben sich sehr viele Menschen mit der Frage gemeldet: Wie können wir helfen?. So eine breite Unterstützung habe ich noch nie erlebt.“ So eine Katastrophe wie den Ukraine-Krieg habe er allerdings auch noch nie erlebt. „Wir sehen einen Krieg, der in aller Brutalität geführt wird.“

Integrations-Senatorin Kipping ist beeindruckt

Auch Katja Kipping (Linke), Senatorin für Integration, Soziales und Arbeit, zeigt sich vom Engagement beeindruckt.

Sie konnte an der Feier nicht persönlich teilnehmen, teilt aber mit: „Fast 600 000 Euro, das ist eine tolle und beeindruckende Summe."

Über 500.000 Euro kamen zusammen. Foto: tsp / Joana Nietfeld Vergrößern
Über 500.000 Euro kamen zusammen. © tsp / Joana Nietfeld

Ich finde die Spendenaktion auch deshalb sehr gut, weil ein Medium wie der Tagesspiegel nicht nur verlässliche Nachrichten und Analysen über den Krieg gegen die Ukraine liefert, sondern seine Reichweite und Popularität auch dafür nutzt, um geflüchtete Menschen aus der Ukraine mit Spenden seiner Leserschaft konkret zu unterstützen."

Sie sagt: "Das ist beispielgebend. Für dieses gesellschaftliche Engagement und die Großzügigkeit danke ich dem Tagesspiegel mit seinen Leserinnen und Lesern.“

[Wenn Sie alle aktuellen Nachrichten live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Diese Welle der Hilfsbereitschaft, auch vom Mit-Unterstützer Admiralspalast, sichert jetzt diversen Projekt viel Geld. Dabei hat der Tagesspiegel-Spendenverein schon früh entschieden, neben dem Bündnis auch lokale Initiativen zu stärken.

Die Spendenbrücke Ukraine unterhält im Hangar 1 des Tempelhofer Flughafens ihr Zentrallager von Sachspenden. Von hier werden Versorgungsfahrten innerhalb Berlins organisiert.

Vor allem Hygieneartikel werden mehrmals täglich mit Transportern an die Hilfsstationen am Hauptbahnhof, dem Südkreuz oder dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) gefahren.

Flüchtlinge erhalten am Südkreuz und am Hauptbahnhof Hygieneartikel

An diesen Anlaufstellen fehlt schlicht der Platz, um das Material, das ausgeben wird, zu lagern. Die Flüchtlinge erhalten in erster Linie Artikel, die sie nach tagelanger Fahrt dringend benötigen, darunter Babynahrung und Hygieneartikel.

Die Spendenbrücke ist eine Initiative des sozialen Trägers Tentaja Soziale gemeinnützige GmbH in Kooperation mit dem Landesverband Berlin der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG).

Tentaja ist eine Gründung des Trägers Tamaja; seit 2015 im Hangar 1 des Tempelhofer Flughafens aktiv. Mit dem Geld will Tentaja Benötigtes kaufen, zudem wird das Geld für die Fahrkosten der fünf Kleinlastwagen benötigt.

Die DLRG ist als Kooperationspartner dabei, weil sie sich mit Transportmanagement auskennt.

Michael Elias, der Geschäftsführer von Tamaja, sagt bei der Feier des Spendenvereins: „Ich erlebe ein gigantisches Engagement. Und das Schöne ist, dass man Teil eines großen Ganzen ist.“

Tentaja will seine Ukraine-Hilfe ausbauen. „Als nächsten Schritt wollen wir Kinder- und Jugendheime in der Ukraine direkt unterstützen, mit Essen und anderen Dingen.“

Auch die Kinder- und Jugendeinrichtung Elisabethstift erhält Geld

Ein weiteres Projekt, das Unterstützung erhält, ist das Elisabethstift, eine Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung in Berlin und Brandenburg mit Hauptzentrum in Hermsdorf.

Seit Mitte März leben dort auch Flüchtlinge, eine Pflegemutter mit neun Kindern und ein Pflege-Elternpaar mit vier Kindern.

Das Stift möchte den Ukrainern traumapädagogische und -therapeutische Angebote machen und dafür auf Honorarbasis Fachpersonal einstellen.

Die Einrichtung benötigt aber auch Geld für Personal, das die ukrainischen Kinder und Jugendlichen bei der schulischen Nachhilfe unterstützt. Das Stift möchte auf Honorarbasis jemanden anstellen, der Ukrainisch oder Russisch spricht.

Der Caritasverband kann zwei Sozialarbeiter zur Kinderbetreuung finanzieren.

In Moldawien werden Schutzzentren unterstützt

Auch Moabit hilft e.V. bekommt Geld, Diana Henniges dankte. Über das Bündnis erhalten nun die Schutzzentren der „Concordia Sozialprojekte Stiftung“ in Moldau Geld, mit der die Kindernothilfe kooperiert.

Bei der Spendenaktion der Ukraine-Hilfe stehen von der Caritas Antonia Tschierschke, Anna Agarkova und Carloin Hoffmann auf der Bühne (links), sowie vom Elisabethstift Janine Naqiv (Mitte links), von Moabit Hilft e.V. Diana Henninges (Mitte) und von Tentaja Michael Elias neben Tagesspiegel-Redakteurin Annette Kögel. Foto: tsp / Joana Nietfeld Vergrößern
Bei der Spendenaktion der Ukraine-Hilfe stehen von der Caritas Antonia Tschierschke, Anna Agarkova und Carloin Hoffmann auf der Bühne (links), sowie vom Elisabethstift Janine Naqiv (Mitte links), von Moabit Hilft e.V. Diana Henninges (Mitte) und von Tentaja Michael Elias neben Tagesspiegel-Redakteurin Annette Kögel. © tsp / Joana Nietfeld

Viele Flüchtlinge sind dort untergekommen. Aber oft brechen Kriegs-Traumata erst in der Ruhe auf. „Unsere Pädagogen und Pädagoginnen sowie Psychologen und Psychologinnen erleben, dass die Kinder zunächst drei Tage nur Krieg nachspielen“, sagte Bernhard Drumel, Vorstandsmitglied der Stiftung in Österreich mit Sitz in Wien, dem Tagesspiegel.

Auch armen Menschen, die Flüchtlinge unterstützen, wird geholfen

Mit den Spenden werden Betten, Hygieneartikel, Lebensmittel, Medizin, Spielzeug, Online-Beschulung der Kinder und psychologische Hilfen finanziert.

Arme Menschen, die privat Flüchtlinge aufnehmen, sollen Geld etwa für Holz und Lebensmittel bekommen.

Spenden erhält auch das Krankenhaus Uschhorod in der Ukraine nahe der Grenze, das von „German Doctors“ unterstützt wird, etwa für Medikamente und Ausstattung.

Der Spendenverein hat beim Bündnis zudem ein Projekt angeregt, das über Terre des hommes mit Xenion e.V. in Berlin traumatisierte junge Flüchtlinge betreut, dank Geld für einen weiteren Kinder- und Jugendtherapeuten.

Traditionell finanziert der Spendenverein eher Sachkosten. Aber der Ukraine-Krieg ist eine Ausnahme. „Diesmal“, sagt Annette Kögel, „müssen wir Experten ermöglichen, den Betroffenen zu helfen.“

Hier können Sie spenden:
Empfänger: Spendenaktion Der Tagesspiegel e.V.
Verwendungszweck: „Menschen helfen!/Ukraine“,
Berliner Sparkasse BIC: BELADEBE,
IBAN: DE43 1005 0000 02500309 42

Zur Startseite