Für einen weißen Hauch hat es am Freitag gerade so gereicht, wie hier in Lebus an der Oder. Foto: Patrick Pleul/dpa
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Regen und Schnee in Berlin Erstmals seit fast einem Jahr hat sich das Wetter normalisiert

Auf den dringend nötigen Regen könnte bald mehr Schnee folgen. Das kann die Natur dringend gebrauchen, um das Defizit von 2018 auszugleichen.

Auch beim Wetter kann Schönheit im Auge des Betrachters liegen: Die nasskalte Nieselsuppe dieser Tage kam gerade noch rechtzeitig, um die im Extremjahr 2018 entstandenen Probleme zu lindern. So bringt die Spree wieder saubereres Wasser nach Berlin, was dem Trinkwasser aus dem Werk Friedrichshagen zugute kommt. „Seit Dezember sind die Sulfatwerte in der Müggelspree rückläufig“, sagt Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe (BWB).

Schon in den Monaten davor lagen die Werte an der Messstelle in Rahnsdorf meist unter denen der Vorjahre – trotz des Regenmangels. Offensichtlich wurde das Wassermanagement in der Lausitzer Tagebauregion verbessert.

Übers Wochenende soll weiterer Nachschub von oben folgen – und in der zweiten Januarhälfte steigen die Chancen für einen Bilderbuchwinter. Nach einem verregneten Wochenende und einem windigen, kalten Wochenbeginn soll es zwar kurzzeitig milder werden, aber zum nächsten Wochenende sinken die Temperaturen nach Auskunft des Meteorologen Friedemann Schenk von der Wettermanufaktur wohl deutlich, tendenziell in Richtung Dauerfrost. Anders als im Februar 2018 – als mit eisigem Ostwind die Dürre begann, die das Jahr schließlich zum sonnigsten und trockensten seit Messbeginn machte – sehe es diesmal eher nach Schnee aus, sagt Schenk.

Das Wasser wird dringend gebraucht

Während selbst der graue und vernieselte Dezember etwas trockener ausfiel als im langjährigen Mittel, hat der Januar sein bisheriges Niederschlagssoll leicht übererfüllt. Wie dringend das Wasser gebraucht wird, zeigt ein Blick auf die Talsperre Spremberg, den einzigen großen Speicher der Spree in Brandenburg: Gut 38 Millionen Kubikmeter fasst der Stausee, weniger als 21 Millionen sollen es laut behördlicher „Bewirtschaftungsrichtlinie“ nicht werden. Während im Herbst nur die Hälfte dieses Minimums vorhanden war, sind es jetzt wieder 20 Millionen Kubikmeter. Sparsam gehaushaltet wird mit den gestauten Flüssen nach wie vor. Dahme und Havel bringen nur knapp halb so viel Wasser nach Berlin wie sonst im Januar, die Spree etwa drei Viertel.

Um das Defizit von 2018 auszugleichen, müsste es noch wochenlang regnen

Dass es noch wochenlang weiter regnen oder schneien müsste, um das Defizit von 2018 – statistisch fehlen 250 von 600 Litern pro Quadratmeter – auszugleichen, zeigt der „Dürremonitor“ des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung. Vor allem im nördlichen und westlichen Berliner Umland sind die Böden noch längst nicht so, wie Natur und Landwirtschaft es bräuchten. „Normalerweise ist im Winter der Boden überall in Deutschland mit Wasser gesättigt“, sagt Helmholtz-Wissenschaftler Andreas Marx. Pfützen und Schlamm taugten allenfalls als Indiz für die oberen fünf Zentimeter.

Für die oberen 25 Bodenzentimeter zeigt der Dürremonitor ein geteiltes Deutschland. Von Berlin an nordwärts ist es noch zu trocken, südlich davon haben sich die Verhältnisse normalisiert. In den tieferen Schichten bis 1,8 Meter – in denen sich eher Grundwasser bildet und Bäume sich versorgen – ist es dagegen fast überall noch viel zu trocken. Wobei die Bodenfeuchte überwiegend nicht gemessen, sondern berechnet wird.

Nach Auskunft von BWB-Sprecher Natz bildet sich in Berlin vereinzelt schon wieder neues Grundwasser. Diese Nachricht ist auch deshalb gut, weil die Ressourcen nur im Winter aufgefüllt werden können. Im Sommer ziehen Vegetation und Verdunstung alle Feuchtigkeit aus dem Boden heraus.

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