So sieht das oft aus in Berlin. Ein Bild aus Steglitz. Foto: Jörn Hasselmann
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Radfahren in Berlin Zwischen Wurzeln und drängelnden SUVs

Marc Enke Damiano Quinque Olympia Rumpf Vincent Petzold

Autos haben immer Vorfahrt: Vier Schüler berichten über ihren Weg zur Schule auf dem Rad.

Viele Wege sind zu eng und zu kaputt

Ich bin früher jeden Tag mit dem Fahrrad zur Schule hin und zurück gefahren. Auf meinem Schulweg musste ich durch die Bergmannstraße in Kreuzberg fahren, die morgens immer ziemlich überfüllt ist, weil die ganzen Lieferwagen in der zweiten Spur stehen. Dadurch muss man als Fahrradfahrer mitten auf der Straße fahren, was sehr gefährlich ist, weil die Autofahrer keine Rücksicht auf dich nehmen und dir keine Vorfahrt lassen. Als Radfahrer ist es aber nicht möglich, auf den Radweg zu wechseln, weil es dort keinen gibt und es so schon viel zu eng ist. Wenn man aber über die Kreuzung am Mehringdamm rüber ist, gibt es einen langen Radweg bis zur Schule, der auch gut zu befahren ist.

Ein weiteres Problem für die Radfahrer sind Baustellen. Wenn man mit dem Fahrrad den Tempelhofer Damm/Mehringdamm hinunterfährt, dann stößt man auf eine große Baustelle. Durch diese Baustelle ist eine komplette Spur gesperrt und man muss sich als Radfahrer eine viel zu enge Spur mit den Autofahrern, die viel zu rücksichtslos sind, teilen und hat keinen sicheren Abstand mehr zu den Autos. Wenn die Autofahrer zu unvorsichtig fahren kommt es oft zu Unfällen, bei denen meistens die Radfahrer wegen den Autofahrern ums Leben kommen. Um die Autofahrer zu sensibilisieren, wurden auch schon elektrische Tafeln aufgehengt auf denen steht wie viel Radfahrer durch Autofahrer ums Leben gekommen sind. Ich bin dort einmal vorbeigefahren und habe gesehen, wie auf der Tafel "dieses Jahr schon sieben Tote" stand. Das kann nicht sein und sollte den Autofahrern klarmachen, dass sie vorsichtiger fahren müssen.

Einige Radwege sind auch zu eng, verdreckt und kaputt, sodass man nur schwer darauf fahren kann. Auf diesen Wegen muss man sich beim Fahren immer sehr konzentrieren nicht zu stürzen. Dazu kommt noch, dass diese Wege sehr kurvig verlaufen und man immer sehr langsam fahren muss, damit man die Kurven bei dem kaputten Boden noch gut fahren kann. In meinem Kiez gibt es auch viele Straßen mit Kopfsteinpflaster, die auch sehr schnell nervig beim Fahren werden können.

Ich hatte in der Grundschule Mitschüler, die dadurch keine Lust mehr aufs Fahrradfahren hatten und lieber zu Fuß zur Schule gegangen sind, was sehr schade ist. Heute benutze ich das Fahrrad auch nicht mehr für den Schulweg und gehe lieber zu Fuß zur U-Bahn-Station. In meiner jetzigen Klasse benutzt auch keiner das Fahrrad am Morgen für den Schulweg. Vielleicht liegt es ja daran, dass es den meisten Menschen zu gefährlich ist.

Ich muss aber auch sagen, dass es in Kreuzberg Wege gibt, die durchaus gut zu befahren sind und auf denen man auch noch Spaß am Fahrradfahren haben kann, wie zum Beispiel die Radwege auf der Gneisenaustraße. Dort ist der Radweg breit genug und er liegt neben der Straße und es kann kein Auto in die Quere kommen.

Insgesamt kann man sagen, dass das Radfahren in Kreuzberg noch besser klappt als in manch anderen Bezirken. Jedoch gibt es manchmal schon etwas Probleme. Wenn die Autofahrer etwas mehr Rücksicht auf die Radfahrer nehmen und die Radwege etwas besser würden, dann wären die Probleme aber auch schon behoben.  

Marc Enke, 14 Jahre, Kreuzberg

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