Still aus der Videokunst-Arbeit "Le-le-Lesbisch" von Maik Leffers. Foto: LÄSBISCH TV / Schwules Museum Berlin
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Schwules Museum* zeigt "Läsbisch TV" "Haben Sie schon einmal eine Frau geküsst?"

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Anfang der Neunziger gab es in Berlin ein lesbisches Fernsehmagazin: „Läsbisch TV“ berichtete über Kultur, Politik und Gesellschaft aus Lesbensicht. Jetzt zeigt das Schwule Museum* eine Retrospektive.

„Die ganze Berlinale ist ein Skandal!“ Von 440 Filmen stammen nur 44 von Frauen. Eine Quote von zehn Prozent. Das geht ja gar nicht, fanden im März 1992 die Macherinnen von „Läsbisch TV“ dem Berliner Fernsehmagazin für Lesben zu Beginn ihrer 15. Sendung. Besonders krass: Nur ein einziger Kurzfilm hatte ein lesbisches Thema.

Da sieht es bei der am Donnerstag startenden 68. Berlinale schon etwas besser aus. Sie kommt bei den neuen Produktionen auf eine Frauenquote von 37,5 Prozent. Mindestens vier Langfilme haben lesbische Protagonistinnen – einer davon läuft sogar im Wettbewerb („Las herederas“). Vor 26 Jahren war Cheryl Farthing mit ihrem 14-minütigen Film „Rosebud“ noch allein auf weiter Flur. Im Interview mit „Läsbisch TV“ beklagt sie dies denn auch, genau wie die schwierige Finanzierungssituation von lesbischen Filmen.

Pünktlich zum Berlinalestart kann man diese und andere Folgen von „Läsbisch TV“ jetzt noch einmal sehen: Das Schwule Museum* zeigt bis zum 16. März in seiner neuen Filmlounge eine Retrospektive des „einzigen lesbischen TV-Magazin des Planeten“, das von April 1991 bis Mai 1993 beim Kabelsender FAB (Fernsehen aus Berlin).

Liebevolle No-Budget-Sendungen

Die rund einstündigen Folgen bestanden aus Berichten über Festivals, Kongresse, Workshops, CSDs sowie Interviews, Nachrichten und Filmausschnitten. Auch Straßenumfragen („Haben Sie schon einmal eine Frau geküsst?“) und Videokunst-Arbeiten und Musik-Clips gehörten zu der bunten Mischung. Besonders schön: die liebevolle Zeichentrick-Animation zu dem Song „Ich und Frau Berger“, der von der Affäre eine jungen Lesbe mit einer älteren, verheirateten Frau erzählt.

Das Logo der Sendung. Foto: Schwules Museum/Läsbisch TV
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Die Zwischenmoderationen besorgte unter anderem die Läsbisch-TV-Gründerin und Kulturvermittlerin Mahide Lein, bei der die Masterbänder 26 Jahre lang lagerten. Jetzt werden sie digitalisiert und katalogisiert. Anschließend sollen sie in LGBTIQ* und Frauen-Archive wandern.

Die 27 Sendungen, die von rund 100 Frauen in No-Budget-Arbeit erstellt wurden, bieten einen aufschlussreichen Einblick in die Geschichte der Berliner Lesbenszene. Sie nehmen die Zuschauer*innen mit in eine Zeit, als es noch die Lesbenpartys im Lipstick gab und die Frauenkneipe Medusa im Prenzlauer Berg täglich ab 21 Uhr geöffnet war.

Diese Orte existieren schon lange nicht mehr, genau wie „Läsbisch TV“, das 1993 zusammen mit dem Schwulenmagazin „Andersrum“ abgeschaltet wurde. Die heterosexuellen FAB-Macher empfanden die Sendungen offenbar als Hindernis bei der Bewerbung um einen Antennenplatz. Vor neun Jahren ging FAB pleite. Und „Läsbisch TV“ feiert Wiederauferstehung im Museum.

Schwules Museum, Lützowstraße 73, 15.2. bis 16.3., Mo, Mi, Fr, So 14-18 Uhr, Do 14-20 Uhr, Sa 14-19 Uhr, Di geschlossen. Am 11.3. findet um 14 Uhr eine Sonntagsmatinée mit Mahide Lein statt, die ein Best-of aller Sendungen präsentiert.

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