Die schwedische Rapperin Silvana Imam in der Doku über sie. Foto: Mantaray Film
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Filmporträt "Silvana" "Let's go lesbos!"

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Karriereblitzstart und berührende Liebesgeschichte: Der Dokumentarfilm "Silvana" porträtiert die queer-feministische Rapperin Silvana Imam aus Schweden.

„Es ist nicht die Zeit für versteckte Botschaften. Sie hören nicht zu. Sie werden es nicht verstehen. Also schreie ich es heraus.“ So klingen die Kampfansagen der schwedischen Rapperin Silvana Imam, die statt eines Mikrofons gern mal ein Megafon benutzt. In ihrer Hand wirkt es wie eine Waffe. Sie schießt damit ihre Raps und Parolen heraus. Volle Power gegen ihre drei Hauptfeinde: das Patriarchat, Rassisten und Homohasser.

Es sind Texte in eigener Sache, denn die Frau mit dem langen blonden Zopf ist die offen lesbische Tochter einer Litauerin und eines Syrers. Mit vier kam sie nach Schweden. Mit 27 startet sie 2014 ihre Rap-Karriere, immer an ihrer Seite sind Mika Gustafson, Olivia Kastebring und Christina Tsiobanelis. Das Regietrio sammelte drei Jahre lang Material für seine Dokumentation „Silvana“. Das Team hat Glück, denn vor seinen oft wacklig geführten Kameras spielen sich gleich zwei außergewöhnliche Geschichten ab: der Blitzaufstieg Silvanas zur angesagtesten schwedischen Rapperin, inklusive eines Zusammenbruches und Neustarts, sowie ihre Liebesgeschichte mit dem Popstar Beatrice Eli. Das Filmteam ist quasi live dabei, als die beiden sich verlieben.

Vorbild für queere Jugendliche

Es ist sehr süß zu sehen, wie die sonst so markig auftretende Rapperin plötzlich ganz verzückt schaut, wenn sie einen Song der Kollegin hört, oder Eli bei Konzerten anhimmelt. Als die beiden im Backstagebereich eines Festivals aufeinandertreffen, gleicht Silvana einem nervösen Teenager. Bald darauf sind die beiden ein Paar und werden in Schweden als power couple gefeiert, sogar mit Beyoncé und Jay-Z vergleicht man sie. Hochglanzporträts der beiden werden auf Linienbusse gedruckt, sie knutschen auf roten Teppichen und treten auf gemeinsamen Konzerten auf. In den ersten Reihen stehen ausschließlich junge Frauen und Mädchen, sie strahlen, schreien, weinen.

„Silvana“ enthält einige Statements von weiblichen Fans, die verdeutlichen, dass das bis heute liierte Paar unter queeren Jugendlichen eine Vorbildfunktion einnimmt. Die Musikerinnen nehmen diese Rolle gerne an, in ihrer Jugend hätten sie sich selbst manchmal jemanden zum Aufblicken gewünscht. Jetzt haben die Kids Silvana, die „Let’s go lesbos!“ und „Danke, Gott, dass ich homo bin“ ruft, und Beatrice Eli, die ihre Oralsexfantasien besingt.

Dass es für die Rapperin ein weiter Weg zu dieser Offenheit war, begreift man, wenn es um Silvanas Familie geht. Auf Videoaufnahmen aus den Neunzigern ist sie als Tomboy zu sehen. Sie wollte damals ein Junge sein und Erik heißen. Als das Mobbing zu schlimm wurde, ließ sie sich die Haare wachsen und trug Perlenketten. Auch ihr Vater lehnte Homosexuelle ab, was Silvana in einem Lied thematisiert. Inzwischen hat er seine Meinung geändert und macht – genau wie Silvanas Mutter – bei einem ihrer Songs mit. In arabischen Versen preist er seine Tochter, sogar live auf der Bühne. Als er anschließend die Regenbogenflagge eines Fans signiert, traut Silvana ihren Augen nicht – einer von vielen anrührenden Momenten dieses emotionalen Films.
In Berlin: OmU: Central, Wolf, B-ware, Il Kino; OmenglU: B-ware, Il Kino

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