Symbol der Rechtsprechung: Justitia. Foto: picture alliance / dpa
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Prozess in Berlin 1,4 Millionen veruntreut: Haftstrafe für Buchhalterin

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Um sich ihre Spielsucht zu finanzieren, hat sich die 45-jährige Mutter an Geld ihrer damaligen Arbeitgebern vergriffen. Nun muss sie ins Gefängnis.

Die Buchhalterin drehte an einem „ganz großen Rad“, verzockte beim Glücksspiel ein Vermögen und plünderte fremde Konten. Davon war das Amtsgericht überzeugt. 396 Mal habe sich Jeannette N. an Geld ihrer damaligen Arbeitgeber vergriffen und fast 1,4 Millionen Euro für sich abgezweigt. Wegen Untreue und Betrug erhielt sie am Montag eine Strafe von drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis. Damit folgte das Amtsgericht Tiergarten dem Strafantrag des Staatsanwalts.

„Die Angeklagte hat klein angefangen und sich immer größere Beträge zugeschanzt“, sagte der Vorsitzende Richter. Dabei habe sich die Frau ein „durchaus ausgeklügeltes System mit vielen Bankkonten aufgebaut“. Weil in den geschädigten Unternehmen Kontrollmechanismen fehlten oder versagten, sei die Angeklagte jahrelang unentdeckt geblieben und habe dreist ihre Spielsucht finanziert.

1,4 Millionen Euro Schulden

Die Angeklagte, eine 45-jährige Mutter eines Sohnes, war vor rund sechs Monaten festgenommen worden und befand sich seitdem in U-Haft. Sie war Angestellte einer Anwaltskanzlei, als sie im August 2012 erstmals ihre „gewonnenen Erkenntnisse und erteilten Befugnisse“ ausnutzte und Geld auf ein eigenes Konto umleitete. Beträge zwischen 350 Euro und 15.000 Euro ergaunerte sie laut Urteil. Drei Arbeitgeber – zwei Kanzleien und eine Sicherheitsfirma – schädigte sie. „Mit über 1,4 Millionen Euro Schulden stehen sie nun da“, sagte der Richter am Tag des Urteils.

Jeannette N. beschrieb sich im Prozess immer wieder als Opfer des Online-Zockens. „Das Casino meldete sich auch bei mir und schenkte mir nach Verlusten Geld.“ Das habe sie eingesetzt und verloren. Sie sei spielsüchtig.

Ihr kriminelles Treiben will sie verdrängt und das Zocken vor der Familie verheimlicht haben. Nachts sei sie mit ihrem Laptop in die Küche gegangen und habe sich bei einem Online-Glücksspiel eingeloggt. Stets sei es Roulette gewesen. „Man wagt immer mehr.“ Einmal habe sie 20.000 Euro gewonnen und sofort verzockt.

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