Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Der Demonstrationszug setzt sich am Platz der Luftbrücke in Bewegung. Foto: Julius Geiler
© Julius Geiler

Update Protest in Neukölln und Kreuzberg Demo gegen Gewaltübergriffe durch Polizisten zieht durch Berlin

Die Demonstranten fordern "eine konsequentere Aufklärung rassistischer Vorfälle in den Reihen der Polizei". Angemeldet sind rund 2500 Teilnehmer. 

Mehrere tausend Menschen haben in Kreuzberg und Neukölln gegen Rassismus und Gewaltübergriffe durch Polizisten demonstriert. Der Protest war Teil eines bundesweiten Aktionstages, an dem in insgesamt 14 deutschen Städten Menschen aus antirassistischen Motiven auf die Straße gingen.

Die Demonstration hatte sich am Platz der Luftbrücke in Tempelhof gegen 13 Uhr in Bewegung gesetzt. Die Polizei verkündete vorab die Auflagen für die Teilnehmer per Lautsprecher: Waffen, Steine und Flaschen sind verboten, niemand darf zur Verschleierung seiner Identität das Gesicht verhüllen. 

Der Mund-Nasen-Schutz iwar damit nicht gemeint. Er war Pflicht für die Demonstranten, die sich daran auch größtenteils hielten.

Zu der Demonstration unter dem Motto „Ihr seid keine Sicherheit“ aufgerufen hatte ein Bündnis aus verschiedenen Initiativen. Angemeldet waren 2500 Teilnehmer. Auf dem weiteren Verlauf der Route durch den Bergmannkiez schlossen sich immer wieder größere Gruppen dem Demo-Zug an.

Die Polizei begleitete die Demonstration mit einem größeren Aufgebot, etwa 1300 Beamte waren dort und bei einem Fahrradkorso im Einsatz. Sie schätze die Teilnehmerzahl zunächst „niedriger als 1600“.

Nach Beobachtungen des Tagesspiegels waren es jedoch mehrere tausend Menschen, die von Tempelhof nach Kreuzberg und dann über den Neuköllner Hermannplatz zum Spreewaldplatz am Görlitzer Park zogen. Die Veranstalter sprachen von 5000 Teilnehmern.

Die Veranstalter forderten „eine konsequentere Aufklärung rassistischer Vorfälle in den Reihen der Polizei“ sowie die „Entnazifizierung der mit rechtsradikalen Netzwerken durchsetzten Sicherheitsbehörden“. Aufrufe zur Unterstützung kursierten auch auf linksradikalen Internetseiten.

[Die Demo im Tagesspiegel-Livestream können Sie auch nach Ende der Veranstaltung noch unter diesem Link auf Facebook ansehen.]

Zu den Berliner Initiatoren gehörte auch der Neuköllner Kommunalpolitiker Ferat Ali Kocak, der für die Linke ins Berliner Abgeordnetenhaus einziehen will. In seiner Rede sprach Kocak die rechtsextremen Attentate von Hanau und Halle an und kritisierte das polizeiliche Vorgehen bei beiden Terrorakten. Angesichts der rechtsextremen Anschlagsserie, die Berlin-Neukölln seit mehreren Jahren in Atem hält, forderte Kocak einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss.

An der Gneisenaustraße wurde den behinderten Opfern des Vierfachmordes im Potsdamer „Oberlinhaus“ von vergangener Woche gedacht, die Namen der Ermordeten wurden laut vorgelesen. Laut der Rednerin richtete sich die Demonstration nicht nur gegen Gewaltübergriffe durch Polizisten und Rassismus, sondern auch gegen Sexismus, Transfeindlichkeit und Behindertenfeindlichkeit.

[Wenn Sie alle aktuellen Nachrichten live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Die Stimmung war friedlich. Die Versammlungsleitung wies immer wieder auf die Einhaltung der Hygieneregeln hin. Die Polizei begleiteet den Zug am Rand, was mit Parolen von Demonstranten wie „samstags frei - für die Polizei“, kommentiert wurde.

Am 1. Mai vor einer Woche war an mehreren Stellen der Demonstration linker Gruppen Gewalt ausgebrochen. Demonstranten und Randalierer griffen die Polizei mit Flaschenwürfen an und zündeten Müllcontainer an. Die Polizei setzte Reizgas ein.

93 Polizisten wurden insgesamt an dem Tag verletzt, die allermeisten leicht. Auch Demonstranten erlitten Verletzungen. Die Polizei nahm 354 Männer und Frauen fest, die meisten wurden schnell wieder entlassen. (mit dpa)

Zur Startseite