In Workshops zur digitalen Sicherheit lernen Geflüchtete, wie sie sich vor Bedrohungen im Netz schützen können. Foto: picture alliance / Oliver Berg/d
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Projekt Wirtschaftsfreiheit wird fortgesetzt Berlin zahlt verfolgten Bloggern Geld

„Kein Platz für Ausgrenzung und Hass“: Der Berliner Senat gibt 250.000 Euro, um junge Talente aus aller Welt zu fördern und Geflüchteten zu helfen.

Der Senat will auch künftig Geflüchteten helfen, die sich als Gründer selbstständig machen wollen, und junge Talente aus dem Ausland nach Berlin locken, damit sie hier den Fachkräftemarkt entlasten. So hat die Landesregierung beschlossen, das Programm zur „Wirtschaftsfreiheit“ fortzusetzen.

Im aktuellen Doppelhaushalt 2020/2021 sind – wie auch im vorigen Jahr – jeweils 250 000 Euro pro Jahr eingestellt, um neu Zugewanderte zu unterstützen. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft koordiniert die Vergabe. „Es gibt einen positiven Zusammenhang zwischen Vielfalt, Geschäftserfolg und Innovation“, sagt Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) zur Begründung des Programms.

Berlin sei offen für Talente aus aller Welt. „Ausgrenzung und Hass haben in der Stadt der Freiheit keinen Platz. Deshalb helfen wir den Menschen dabei, ihre innovativen Ideen hier in Berlin in die Tat umzusetzen.“

Der Gewinner aus dem vorigen Jahr investiert in Marketing

Das Programm besteht aus drei Säulen: Die erste ist ein Stipendium für Journalisten und Blogger, die sich mit digitaler Sicherheit beschäftigen und in ihren Heimatländern Bedrohungen ausgesetzt sind. Noch bis zum 19. Januar können sich die Digital-Journalisten über den Kooperationspartner „Reporter ohne Grenzen“ bewerben. Im vorigen Jahr hatten 17 Stipendiatinnen und Stipendiaten teilgenommen. Sie erhielten jeweils 1000 Euro Taschengeld im Monat und Flüge nach Berlin.

Außerdem durften sie in Workshops von Reporter ohne Grenzen unter anderem lernen, wie sie ihre digitale Sicherheit optimieren können, um sich besser vor Bedrohungen und Verfolgung in ihren Heimatstaaten zu schützen.

Zweite Säule ist der „Berlin Newcomer Start-up Award“. Hier werden die besten geflüchteten Gründerinnen und Gründer ausgezeichnet. Insgesamt mehr als 53 000 Euro sind im vergangenen Jahr an die vier Gewinner geflossen – neben einem Co-Working-Space und einem Gründungspaket haben die Gewinner bis zu 1500 Euro Preisgeld erhalten.

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Einer von ihnen ist David Montiel. Sein Start-up Beelinguapp aus Kreuzberg hat eine Möglichkeit geschaffen, dass Nutzer auf einem Handy oder Tablet einen Text in zwei Sprachen auf einer Seite gleichzeitig lesen können.

Der 36-Jährige kam 2013 aus Mexiko nach Berlin. 2017 gründete er sein Start-up. „Von einem Freund habe ich erfahren, dass man sich für einen Award bewerben kann“, schildert er. 20 000 Euro habe er als Startgeld für sein Unternehmen gewonnen. „Das Geld kann ich gut gebrauchen. Unter anderem werde ich es in Marketing investieren“, sagt der Unternehmer.

Junge Talente sollen schon in ihrer Heimat für Berlin begeistert werden

Als dritte Säule will der Senat mit einem „Beratungs- und Serviceprojekt“ zusammen mit der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner junge Kreative und Fachkräfte, Wissenschaftler und Gründer schon in ihren Heimatländern für Berlin als zuknftige Arbeitsstätte begeistern. Zentral ist hier die Webseite der Kampagne „Because Berlin“.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Gräff, ist grundsätzlich für die Fortsetzung des Programms. Allerdings findet er, dass „die breite Öffentlichkeit besser informiert werden“ müsse.

„Ich kenne geflüchtete Journalisten, die noch nie etwas davon gehört haben“, sagt er. Hier könne die Senatswirtschaftsverwaltung noch deutlicher an die Zielgruppen gerichtet kommunizieren.

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