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Studierende an der CODE University of Applied Sciences in Berlin lernen unter anderem Grundlagen des Code-Schreibens. Das Foto entstand im Jahr 2019 und zeigt keine Teilnehmer des "Techstart"-Projektes. Foto: CODE University
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Programm "Techstart" in Berlin Initiative macht 22 Migranten fit für einen Job in der IT-Branche

In Berlin haben private Initiativen ein neuartiges Projekt für Geflüchtete organisiert. Es soll auch dem IT-Fachkräftemangel bekämpfen helfen.

22 Frauen und Männer aus 15 Ländern erhalten im Rahmen eines deutschlandweit wohl einzigartigen Fortbildungsprogrammes die Chance auf einen Einstieg in die Berliner Tech-Industrie. Dabei werden sie zunächst sechs Monate intensiv im Umgang mit IT-Technologien und Organisationsformen geschult und mit wichtigen Figuren aus der lokalen Tech-Szene vernetzt. Im Anschluss können sie in einem sechsmonatigen Praktikum das Gelernte in der Praxis anwenden, mit dem Ziel, dass die Personen dann eine feste Anstellung erhalten oder selbst ein Unternehmen gründen.

 Am Montag stellten die Initiatoren, Sponsoren und Kooperationspartner ihr Projekt „Techstart“ vor. Darunter sind die CODE University of Applied Sciences und die Geflüchteteninitiative „Einstieg zum Aufstieg“ des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI). 60.000 Euro – das ist etwas die Hälfte der nötigen Kosten im ersten Jahr – kommen von der noch jungen Andreas Gerl Stiftung, die bessere Bildungschancen schaffen will. Auch die spendenfinanzierte Hochschule ReDi School of Digital Integration unterstützt mit einem Campus in Berlin-Mitte unterstützt das Projekt.

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 Die Partner haben aus insgesamt 60 Bewerbungen elf Teilnehmerinnen und elf Teilnehmer im Alter zwischen Anfang 20 und Mitte 40 ausgewählt. Sie strammen unter anderem aus Syrien, Afghanistan, Brasilien, Irak, Somalia, Nigeria, Pakistan, Argentinien, Thailand, Frankreich und Griechenland. Einige sind schon seit einigen Jahren in Deutschland, andere Teilnehmerinnen sind erst seit kurzem. Ausschlaggebend für die Auswahl waren offenbar weniger nachgewiesene IT-Kenntnisse oder gar Abschlüsse an ausländischen Hochschulen. „Wir wollten eher wissen, welche plausiblen Gründe gibt es dafür, dass die Person beruflich noch nicht Fuß gefasst hat. Und ob wir ihr zutrauen, die Motivation aufzubringen, ein Jahr sich intensiv zu engagieren“, sagte Manuel Dolderer, der Präsident der CODE University, die ihren Campus in der Factory am Görlitzer Park hat.

Studierende an der CODE University of Applied Sciences in Berlin Alt-Treptow (Archivbild). Foto: Tibor Szabosi/CODE University Vergrößern
Studierende an der CODE University of Applied Sciences in Berlin Alt-Treptow (Archivbild). © Tibor Szabosi/CODE University

 Die Lehrgänge finden in englischer Sprache statt – als Präsenzveranstaltung mit der Möglichkeit, daran auch virtuell teilzunehmen. Den Zeitaufwand schätzen die Organisatoren auf 25 bis 30 Stunden in der Woche. Da das „Techstart“-Programm keine Vergütung vorsieht, dürften etwa vier von fünf der Teilnehmenden noch einem Nebenjob nachgehen – bestenfalls ebenfalls im Sektor der Informationstechnologien. Man habe bereits „eine kleine Jobbörse“ organisiert, sagte Dolderer von der CODE University.

 Lehrinhalte sind unter anderem die Softwareentwicklung, das Productmanagement, das Interaction Design und Web Development. Zu Deutsch: Es geht zum Beispiel darum, mit welchen Methoden man Softwareentwicklung heute organisiert und wie ein Computerprogramm möglichst anwenderfreundlich gestaltet werden kann. „Ziel ist, dass wir die Kandidaten nach einem Jahr in zukunftssichere Arbeitsplätze vermitteln können“, sagt der ehemalige VBKI-Geschäftsführer Udo Marin, der in seinem Ruhestand die Initiative „Einstieg zum Aufstieg“ koordiniert.

 Unternehmensgründerin Verena Pausder, Mitglied im VBKI-Präsidium und Gründerin des Vereins Digitale Bildung für alle e.V., sagte bei der Vorstellung am Montag: „Wir brauchen einen Ausbildungspakt, zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft“. Man könne nicht darauf vertrauen, dass genügend junge Menschen Fächer wie Data Science lernen würden. Ihre Hoffnung sei, dass Techstart jetzt bundesweit Schule machen und „die anderen VBKIs im Land das Modell kopieren“.

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