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Die Wasserstadt Oberhavel in Spandau ist einer von 16 Orten in Berlin, an denen neue Quartiere entstehen. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
© Kitty Kleist-Heinrich

Probleme mit Verkehr und Naturschutz Berlin will 52.000 Wohnungen bauen – nur bis wann?

In Berlins neuen Stadtquartieren sollen zehntausende Wohnungen entstehen. Doch der Bau verzögert sich – auch weil Verkehrswege fehlen.

An insgesamt 16 Orten in der Stadt plant das Land neue Wohnquartiere. Sie sollen die Antwort des Senats sein auf steigende Mieten und immer knapperen Wohnraum in Berlin. Am Dienstag hat Stadtentwicklungssenator Sebastian Scheel (Linke) dem Senat einen neuen Bericht vorgelegt, wie es um die Entwicklung der Quartiere steht. Geplant sind demnach an den Standorten nun insgesamt mehr Wohnungen als ursprünglich gedacht. Doch auch der Zeitplan für den Bau der neuen Viertel verzögert sich an vielen Stellen weiter.

Insgesamt 51.846 geplante Wohnungen in den 16 Quartieren listet der aktuelle Bericht auf. Im Vergleich zu den Plänen aus dem Jahr 2018 zeige sich „eine deutliche Steigerung, die auf den kontinuierlichen Zuwachs an neuen Quartiersprojekten im Laufe der Legislatur zurückzuführen ist“, heißt es in dem Bericht. Neben den rund 4250 weiteren Wohnungen durch die zusätzlichen Quartiere Siemensstadt² und Stadtgut Hellersdorf sei auch in den ursprünglich geplanten Projekten die Zahl der geplanten Wohnungen um 3500 erhöht worden.

„In den letzten Jahren ist durchaus einiges passiert.“ Der Senator verwies auf die Wasserstadt Oberhavel in Spandau, wo insgesamt 8600 Wohnungen von landeseigenen und privaten Gesellschaften gebaut werden: „Dieses Quartier ist im Entstehen und wird schon bezogen.“ Auch der zum Projekt gehörende Wohnturm wachse stetig weiter in die Höhe. Noch in diesem Jahr soll zudem auf den Buckower Feldern der Bau beginnen. In Johannisthal-Adlershof sei Ende 2020 das Wohngebiet „Straße am Flugplatz“ fertiggestellt worden. Ein weiteres Vorhaben „Wohnen am Campus II“ sei im Bau.

Von Fortschritten konnte Scheel auch beim Großvorhaben „Blankenburger Süden“ berichten. Der Senat habe das im April vorgestellte Struktur- und Nutzungskonzept als Grundlage für die vorbereitenden Untersuchungen beschlossen. Damit sei ein wichtiger „Meilenstein auf dem Weg zur konkreten Planung von Wohnraum, Kitas und Schulen, öffentlichen Grün- und Freiflächen sowie neuer Verkehrsinfrastruktur“ im Norden des Bezirks Pankow erreicht worden.

Man sei vielen Interessen nachgekommen, erklärte Scheel. So sei das künftige Quartierszentrum weiter in Richtung Blankenburg verschoben worden. Im Frühjahr 2022 würden dann die städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen festgesetzt.

2021 gehen 2000 Wohnungen weniger in Bau als geplant

Um das Projekt wird seit Jahren gerungen. Ursprünglich sahen die Pläne 10.000 Wohnungen vor. Nach aktuellem Stand sollen auf dem Gelände zwischen Blankenburg und Heinersdorf 5500 Wohnungen entstehen. Auch bei der Siemensstadt² geht es voran. Am Dienstag hat der Senat den Rahmenplan beschlossen, auf dessen Grundlage das Quartier umgesetzt werden soll. Geplant sind 2750 Wohnungen, deren Bau im kommenden Jahr beginnen soll.

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Trotz mancher Fortschritte verdeutlicht der neue Bericht jedoch auch: An vielen Stellen geht es deutlich langsamer voran als geplant. Es seien „nicht unerhebliche Verschiebungen in spätere Zeiträume und damit Verzögerungen bei der Fertigstellung von Wohneinheiten aufgetreten“, benennt der Senats-Bericht die Probleme.

So gehen etwa in diesem Jahr knapp 2000 Wohnungen weniger in Bau als ursprünglich vorgesehen. Für umso mehr Einheiten sollen die Arbeiten erst nach 2026 beginnen. Für insgesamt 17.500 Wohnungen sollen erst danach die Bagger rollen. Etwa 6000 mehr als zunächst geplant.

Kritischer Punkt: Verkehrserschließung geht zu langsam voran

„Wir haben den Bericht zum Anlass genommen, die Fragen der Verzögerungen in den Blick zu nehmen“, sagte Scheel dazu am Dienstag. Insbesondere zwei Themen bereiteten Probleme. Etwa die notwendige Bereitstellung von Ausgleichsflächen für den Naturschutz. „Das wird zu einem zunehmenden Problem, weil wir nicht ausreichend Flächen haben um den notwendigen Regularien Rechnung zu tragen“, sagte Scheel. Insbesondere bei Projekten im Zentrum könne der Ersatzraum nicht auf einem Stadtgut in Brandenburg liegen. Künftig werde man daher darüber reden müssen, auch Dachbegrünungen als Ausgleichsfläche anzuerkennen, sagte der Senator.

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Der zweite kritische Punkt ist die an vielen Stellen langsam voranschreitende Verkehrsplanung. „Als Voraussetzung für den Wohnungsbau ist die Verkehrserschließung das Nadelöhr“, sagte Scheel. Im Blankenburger Süden, wo unter anderem die Tramlinie M2 zum S-Bahnhof Blankenburg verlängert werden soll, hänge die Verkehrsplanung deutlich hinterher. Ähnlich sei es bei Projekten in Spandau wie der Wasserstadt Oberhavel. Während die Planungen der Gebäude meist nur drei Jahre dauere, brauche ein Planfeststellungsverfahren für Schienenwege sieben Jahre.

„Wenn wir jetzt angefangen zu bauen, dann wohnen die Leute schon dort, aber die Tram kommt erst in sieben, acht, neun, Jahren“, kritisierte Scheel. Die Verkehrsplanung müsse daher früher beginnen. „Hier brauchen wir noch bessere und abgestimmtere Vorgehensweisen.“ Dabei gehe es auch im die Frage von Prioritätensetzungen, konnte sich Scheel eine Spitze in Richtung Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) nicht verkneifen. Man müsse wohl noch einmal „ernste Worte“ miteinander wechseln.

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