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Carsten Meyer im neu gestalteten Gedenkgarten für Peter Josef Lenné und Gustav Meyer. Foto: Gerd Nowakowski
© Gerd Nowakowski

Prenzlauer Berg: Lenné-Meyer-Garten eröffnet Zweite Ehrung für die Gartenkünstler

Erfolgreicher Bürgereinsatz: Gedenkort für Schöpfer der Berliner Volksparks ist neu gestaltet. Kampf gegen die Fällung der Eschenallee geht weiter.

Ein bunt-blühendes Staudenbeet im Zentrum, gelb-gestrichene Bänke zum Verweilen, akkurate Hecken und gepflegter Rasen im ovalen Rund - und dazu noch zwei große Eichen zum Angedenken: eine für Peter Josef Lenné und eine für Gustav Meyer. Geehrt werden mit dem „Lenné-Meyer-Garten“ nun auf angemessene Weise an der Werneuchener Wiese am Rande des Volksparks Friedrichshain die zwei großen Gartenbaukünstler des 19. Jahrhunderts. Korrekterweise muss hinzugefügt werden, dass es an dieser Stelle bereits der zweite Anlauf ist, an die Erfinder der Berliner Volksparks zu erinnern. Denn an Lenné und seinen Schüler Meyer, der Berlins erster Gartenbaudirektor war, wurde an gleicher Stelle schon 1995 mit den Eichen und den Gedenktafeln in einer gestalteten Anlage erinnert. Doch in den unseligen Berliner Sparzeiten verkam die Anlage mangels Pflege vollkommen – es wuchs buchstäblich Gras über die Erinnerung. Er sei häufig achtlos über das Gelände gegangen, erzählt Anwohner Carsten Meyer, bis er über den verwilderten Gedenkstein gestolpert sei. Das war 2018, erinnert sich der ehemalige Lehrer aus dem Bötzowkiez. „Aus einem Ehrenort wurde ein Unehrenort, ein Schandmal“, sagt Meyer. Es sei respektlos und unwürdig, wie mit dem Andenken an die für Berlins Stadtentwicklung so wichtigen Persönlichkeiten umgegangen wird, dachte sich der Gründer der GartenInitiative Arnswalder Platz. Die rührige Initiative kümmert sich bereits seit 2012 mit ständigen Arbeitseinsätzen um die Verschönerung des denkmalgeschützten Platzes mit dem markanten Stierbrunnen.  

Der Protest geht weiter: Im Hintergrund die bedrohte Eschenallee entlang der Kniprodestraße in Prenzlauer Berg. Foto: Gerd Nowakowski Vergrößern
Der Protest geht weiter: Im Hintergrund die bedrohte Eschenallee entlang der Kniprodestraße in Prenzlauer Berg. © Gerd Nowakowski

Carsten Meyer ist ein hartnäckiger Mann. Dieser Hartnäckigkeit und der ehrenamtliche Einsatz von ganz vielen Menschen aus dem Bötzowkiez, der GartenInitiative und dem Verein ProKiez Bötzowviertel ist es zu verdanken, dass am 9. Juni die Eröffnung der neuen Anlage gefeiert werden konnte. Rund 400.000 Euro hat die Gestaltung der Gedenkstätte gekostet. Der frühere Abgeordnete Tino Schopf (SPD), seit Ende 2021 Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, hat die Mittel aus dem Landeshaushalt freigekämpft. Und mitgeholfen haben auch engagierte Mitarbeiter*innen aus dem Bezirksamt Pankow. Für Carsten Meyer und seine Mitstreiter*innen Petra Wilfert, Wolfgang Krause und Joachim Poweleit ist dies ein schönes Beispiel, was eine engagierte Zivilgesellschaft und eine kooperative Verwaltung zusammen zustande bringen können. Die Info-Stelen im „Lenné-Meyer-Garten“ sind auch Ausgangspunkt einer digitalen Führung durch den von Lenné inspirierten und von Meyer geplanten Volkspark Friedrichshain per Smartphone. Damit soll der Garten auch zu einem Lernort zu öffentlichem Grün in Berlin werden, hoffen für Engagierten. 

„Nichts gedeiht ohne Pflege“, zitierte Carsten Meyer bei der Feierstunde für die neue Anlage ein Motto des Gartenbaukünstlers Lenné als Mahnung und Verpflichtung. Respekt wünscht sich Meyer und die verschiedenen Initiativen aus dem Kiez aber nicht nur für Lenné, sondern auch für die vorhandene Natur. Für Meyer war die Eröffnung deswegen zwar ein „freudiger Tag“, aber auch eine süß-bittere Angelegenheit. Denn er und die Initiativen aus dem Kiez kämpfen seit geraumer Zeit für die Rettung der direkt neben dem Gedenkort stehenden Eschenallee auf der historischen Werneuchener Wiese. Im April 1945 wurden die im 19. Jahrhundert gebauten 48 Wohnhäuser mit 1600 Wohnungen von der SS gesprengt, um freies Schussfeld auf die anrückende Rote Armee zu bekommen. Seitdem ist die Fläche unbebaut, soll aktuell aber als temporärer Schulstandort genutzt werden. Die 26 gesunden Eschen, vor rund 30 Jahren dort gepflanzt, sollen nach dem Willen der Umwelt-Stadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) deswegen nun gefällt werden: Zum Schutz der Schulkinder. Angeblich seien sie wegen des darunter befindlichen Trümmerschutts nicht standfest genug. „Fällt die Eschen nicht“, forderte Carsten Meyer in seiner Rede die anwesende Stadträtin auf. Noch hoffen er und die Engagierten aus dem Kiez, dass auf die Fällungen verzichtet wird. An Meyers Hartnäckigkeit wird es nicht fehlen.

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