Parlamentssitzungen, wie hier im Potsdamer Landtag, leben von den Debattenbeiträgen der Abgeordneten und der Regierungsmitglieder. Foto: Soeren Stache/dpa
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Potsdams unauffälligster Abgeordneter Der SPD-Politiker Harald Pohle hielt im Landtag nur eine einzige Rede

Was macht ein Abgeordneter, der im Parlament so gut wie gar nicht spricht? Eine Suche in der Potsdamer Politik.

Der Brandenburger Landtag ist ein fleißiges Parlament. 23 Plenarsitzungen mit rund 200 Stunden Sitzungsdauer verzeichnete das Potsdamer Parlament seit Beginn der Legislaturperiode am 25. September 2019. Und auch die Abgeordneten sind fleißig, wie ein Blick in die Statistik des Landtags und die Parlamentsdatenbank zeigt. So kommt der Prignitzer Abgeordnete Thomas Domres (Linke) auf bislang 25 Landtagsreden. Und sein Parlamentskollege Gordon Hoffmann (CDU) stand immerhin schon 13 Mal am Rednerpult des Plenarsaals.

Und Harald Pohle (SPD)? Nun, der Abgeordnete, der den Wahlkreis in der Prignitz gegen Domres und Hoffmann beim letzten Mal direkt gewann, ist in Potsdam – vorsichtig formuliert – unauffällig unterwegs. Eine einzige Rede steht für den 69-Jährigen aus Cumlosen in der Landtagsstatistik vermerkt. Damit ist er – mit dem für den Wahlkreis Schwedt (Oder) antretenden früheren SPD-Fraktionsvorsitzenden Mike Bischoff und dem AfD-Abgeordneten Franz-Josef Wiese – das Schlusslicht in der Statistik, sieht man von Ministerpräsident Dietmar Woidke, Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke oder Finanzministerin Katrin Lange ab, die ihre Reden vor dem Haus natürlich nicht als einfache Parlamentarier halten. Ein Blick in die Parlamentsdatenbank ändert diesen Eindruck nicht. Dort gibt es zahlreiche Anfragen von Thomas Domres. Gordon Hoffmann hat eine mündliche Anfrage gestellt, Mike Bischoff ebenso. Zu Harald Pohle findet sich in der aktuellen Legislaturperiode nichts dergleichen. Hoffmann ist beispielsweise zudem im Ehrenamt auch Generalsekretär der CDU, Bischoff hat als ehemaliger Fraktionsvorsitzender ein gut funktionierendes Netzwerk. Und Pohle? Manch langjähriger Parlamentsberichterstatter kann auf Nachfrage nicht einmal ein Gesicht mit dem Namen verbinden.

„Jeder Mensch ist eben anders“, sagt Pohle. „Der eine steht mehr im Fokus der Öffentlichkeit, der andere eher nicht – ich bin zum Beispiel der, der gern im Hintergrund arbeitet, um Ergebnisse für unsere Region zu erzielen.“ Als Beispiele für seine Arbeit nennt er die Debatten um die Einrichtung des „Grünen Bandes“ als Nationales Naturmonument. Er habe viele Gespräche mit Landeigentümern und Bürgern geführt, die Angst vor neuen Ver- und Geboten gehabt hätten. „Dass es die nicht geben würde, hat Minister Vogel ja auch schon im Februar verkündet“, sagt Pohle. Wieso er im Landtag nicht zu diesem Thema sprach? „Da hat ja schon Herr Domres das Thema besetzt“, sagt Pohle. „Da spricht man sich untereinander ab, das muss man nicht doppelt machen.“ Den Landwirtschaftspolitikern seiner Fraktion habe er mitgegeben, dass er nicht für das „Grüne Band“ stimmen werde, wenn es neue Verbote gebe. „Und hinter den Kulissen haben wir das ganz gut hinbekommen.“

Und was hält die SPD-Landtagsfraktion von dem Abgeordneten aus der Prignitz? Nach der Anfrage stellt Sprecherin Katrin Molkentin Pohle ein tolles Zeugnis aus. „Die Arbeit eines Landtagsabgeordneten wird nicht ausschließlich in der Parlamentsstatistik abgebildet“, sagt die Pressesprecherin. Pohle sei Sprecher für Kommunalpolitik. Er habe – ebenso wie Bischoff – engagiert in den Ausschüssen und den vorbereitenden Arbeitskreissitzungen mitberaten. „Es ging im Arbeitskreis 1 der Fraktion oft auch um die Arbeitsfähigkeit der kommunalen Parlamente in der Pandemie.“ Daran habe Harald Pohle „intensiv mitgearbeitet“. Der Uckermärker Bischoff habe sich wiederum viel für den deutsch-polnischen Grenzverkehr, die Unterstützung bei der Beherbergung polnischer Arbeitskräfte in Deutschland und die Verflechtungen der beiden Länder eingesetzt. „Die Arbeit von Abgeordneten der Koalitionsfraktionen bildet sich eher in Fragen an die Ministerien ab, die nicht von der Parlamentsstatistik erfasst werden“, sagt Molkentin. „Beide haben über die Arbeitskreise stets die Möglichkeit und auch darüber hinaus, Fragen an die Exekutive zu richten.“ Davon machten sie reichlich Gebrauch. „Auf die Expertise, das Engagement und das Wissen beider kann die SPD-Landtagsfraktion stets bauen.“

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