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Der Vorsitzende der Geschäftsführung des Klinikums "Ernst von Bergmann", Steffen Grebner. Foto: Andreas Klaer
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Potsdamer Corona-Affäre Leitung von Bergmann-Klinikum soll beurlaubt werden

Die Potsdamer Klinik ist nach einem schweren Ausbruch des Coronavirus in der Krise. Nun gibt es Konsequenzen für die Klinikleiter.

In der Potsdamer Corona-Affäre um einen schweren Virusausbruch im Klinikum „Ernst von Bergmann“ soll die zweiköpfige Geschäftsführung des kommunalen Krankenhauses mit sofortiger Wirkung beurlaubt werden.

Dafür sprach sich am Dienstagabend auf Vorschlag von Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) der Aufsichtsrat mit deutlicher Mehrheit aus. Ein Rechtsgutachten soll die Verantwortung der Chefs klären.

Das Bergmann-Klinikum befindet sich in einer Krise. Die Geschäftsführung hatte knapp vier Wochen nach dem Corona-Ausbruch und und 37 verstorbenen Patienten seit dem 26. März Versäumnisse zugegeben und Aufklärung versprochen. Dies konnte in der Stadtpolitik jedoch kaum überzeugen.

Am Mittwoch berät der Hauptausschuss der Stadtverordneten über Konsequenzen. Gleichzeitig wächst der Druck, den Ausbruch in den Griff zu bekommen, um das Krankenhaus wieder in Betrieb nehmen zu können. Seit 1. April gilt ein Aufnahme- und Verlegungsstopp, das Haus wird in Bereiche für Corona-Infizierte, Verdachtsfälle und Nicht-Infizierte geteilt.

Es geht auch um den Vorwurf der fahrlässigen Tötung

Gegen drei leitende Ärzte führt das Potsdamer Gesundheitsamt Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen des Verdachts des Verstoßes gegen die Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz; gegen die Geschäftsführung werden Verfahren wegen des Verdachts des Organisationsverschuldens geführt.

Die Staatsanwaltschaft prüft, ob Ermittlungen aufgenommen werden. Es geht auch um den Vorwurf der fahrlässigen Tötung.

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In der Belegschaft herrscht Unruhe. Die Zufriedenheit ist laut Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wegen der Corona-Affäre so gering wie selten, die Stimmung „sehr angespannt“. Besonders eine intransparente Informationspolitik werde beklagt.

Beschäftigte befürchteten eine Corona-Infektion und einen Mangel an Schutzausrüstung. Die in Potsdam regierende rot-grün-rote Rathauskooperation will die Belegschaft auch infolge der Coronakrise besser bezahlen. Das Haupthaus und alle hundertprozentigen Tochterfirmen sollen ab Juni wieder in den kommunalen Arbeitgeberverband wechseln – und damit zur Bezahlung nach Tarif.

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