Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Etwa 50 Menschen sollen am Freitagabend in Neukölln Autos, Mülltonnen und Hauswände beschädigt haben. Foto: Screenshot: Twitter/@glr_berlin
© Screenshot: Twitter/@glr_berlin

Update Zusammenhang mit George Floyd-Demonstrationen Randale in Neukölln - Linksextreme veröffentlichen Bekennerschreiben

Am Freitag sind etwa 50 Personen mit Pyrotechnik durch Neukölln gezogen. Linksextreme bekannten sich und gaben die Ermordung des Afroamerikaners George Floyd als Grund an.


Etwa 50 Personen haben am späten Freitagabend in Berlin-Neukölln randaliert. Die Gruppe sei vermummt und mit Fackeln von der Richardstraße über die Karl-Marx-Straße bis zum Rathaus Neukölln gezogen. 

Wie die Polizei am Samstag mitteilte, soll aus der Menge heraus ein Müllcontainer in der Richardstraße in Brand gesetzt worden sein. Auch seien Steine auf die Schaufenster von insgesamt neun verschiedenen Geschäften geworfen worden, die laut Polizei dadurch teilweise vollkommen zerstört wurden. 

Außerdem wurden mehrere Hauswände mit Schriftzügen beschmiert, die auf einen Zusammenhang mit den Anti-Rassismus-Demonstrationen nach der Ermordung des Afroamerikaners George Floyd hindeuteten. Zuvor hatte die dpa gemeldet, dass die Polizei einen Zusammenhang mit dem Gerichtsurteil zum umstrittenen Hausprojekt „Liebig 34“ vermutet.

Gegen 22.00 Uhr traf die Polizei mit rund 70 Einsatzkräften vor Ort ein. Die Gruppe habe sich daraufhin aufgelöst. Zuvor hatten mehrere Anwohner die Polizei alarmiert.

Auf dem linksextremen Internetportal Indymedia wurde ein Bekennerschreiben zu der Randale veröffentlicht. Foto: Screenshot: Twitter/@glr_berlin Vergrößern
Auf dem linksextremen Internetportal Indymedia wurde ein Bekennerschreiben zu der Randale veröffentlicht. © Screenshot: Twitter/@glr_berlin

Eine Polizeisprecherin sagte dem Tagesspiegel am Samstagmorgen, dass Einsatzkräfte insgesamt 20 Personen überprüft hätten. Diese wurden allerdings noch vor Ort wieder entlassen. Außerdem seien 14 Sachbeschädigungen festgestellt worden.

Der dazu ermittelnde Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt stellte auf einer linksextremen Internetseite ein dazu veröffentlichtes Selbstbezichtigungsschreiben fest. „George Floyd wurde von einem Bullen ermordet", heißt es darin. Die zerstörten Scheiben einer Bank, eines Bio-Supermarktes und Schmierereien werden offen zugegeben. „Wir haben Hass auf das System", schreiben die Verfasser. „Widerstand an jedem Ort! Später von anderen mehr." 

Polizei bittet um Mithilfe

Die Ermittlerinnen und Ermittler betrachten dieses Schreiben als authentisch und haben dazu folgende Fragen:

- Wer hat entsprechende Tathandlungen beobachtet und kann Angaben zu den Tätern machen?
- Wer hat in Tatortumgebung Personen gesehen, die sich ggf. umkleideten sowie vermummten?
- Hat jemand beobachten können, ob Kleidungstücke oder Tatmittel entsorgt wurden?
- Hat jemand beobachten können, woher die Täter kamen oder wohin bzw. mit welchen -  Verkehrsmitteln sie geflüchtet sind?

Hinweise sollen an das Landeskriminalamt 521 am Bayernring 44 in 12101 Berlin-Tempelhof unter den Rufnummern (030) 4664-952101 oder an jede andere Polizeidienststelle gerichtet werden.

In Berlin finden am Samstag mehrere Anti-Rassismus-Demonstrationen statt

Auch Anwohner sprachen von einem Zusammenhang mit den Anti-Rassismus-Demonstrationen nach der Ermordung des Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis. In Berlin wird in Solidarität mit der „Black Lives Matter“-Bewegung in den sozialen Netzwerken seit Tagen zu der deutschlandweiten Kundgebung „Nein zu Rassismus“ eingeladen. Am Samstag sollen mehrere Anti-Rassismus-Demonstrationen in der Hauptstadt stattfinden

Neuköllns Bezirksbürgermeister verurteilt "sinnlose Randale" 

Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) hat den Krawall von mutmaßlichen Linksextremisten in der Nacht zum Samstag scharf kritisiert. „Für diese sinnlose und zerstörerische Randale kann es kein Verständnis und keine Rechtfertigung geben“, sagte Hikel in einer Mitteilung. 

Besonders perfide finde er, dass diese Personen den Namen von George Floyd hinterlassen hätten und damit auf die Proteste Hunderttausender in den USA gegen Rassismus Bezug nehmen. Eingeschlagene Fensterscheiben von Optikern und Supermärkten in Neukölln hätten nichts mit dem wichtigen Protest gegen Rassismus zu tun. „Ganz im Gegenteil: Ein solches Verhalten ist dämlich, unsolidarisch und schadet dem tatsächlichen Protest gegen Rassismus - in Neukölln und überall“, sagte Hikel.

[In unseren Leute-Newslettern berichten wir wöchentlich aus den zwölf Berliner Bezirken. Die Newsletter können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Der FDP-Abgeordnete Marcel Luthe erklärte zu den Randalen: „Ein schwarzuniformierter Mob zieht marodierend durch die Straßen Berlins und zertrümmert die Glasscheiben von Geschäften. Allein das ist schon unfassbar." 

Der Innenexperte der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus ergänzte: "Indessen hat der Senat nichts Besseres zu tun, als von Deeskalationspflichten zu fabulieren, während der Innensenator die Polizei – auch persönlich mit seiner Stimme Donnerstag im Parlament – unter Generalverdacht stellt. Hier – im Gegensatz zu friedlichen Demonstrationen – kann es nur ein entschlossenes, hartes polizeiliches Vorgehen geben: bei einem Mob führt Deeskalation nur zur Eskalation.“ (mit dpa)

Zur Startseite