Ein Schießstand der Berliner Polizei. Foto: Kai-Uwe Heinrich
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Vorsichtsmaßnahme im Schießstand Polizisten dürfen nur im Stehen schießen

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Berliner Polizisten dürfen in dem Schießstand in Wannsee nur noch im Stehen trainieren. Grund sind erhöhte Bleiwerte im Boden.

Seit Mittwoch gilt das Verbot: Polizisten dürfen auf ihren angemietete fünf Schießbahnen im Schießstand in Wannsee nur noch im Stehen und nicht mehr auf Knien oder im Liegen trainieren. Das bestätigte die Polizei am Donnerstag.

Das Verbot ist von der "Landeskoordination Schießstände" (LaKos) im Namen des Polizeipräsidenten Klaus Kandt ausgesprochen worden. Der Grund: Im Boden seien erhöhte Prüfwerte für Blei nach der Bodenschutz- und Altlastenverordnung festgestellt worden, sagte ein Sprecher der Polizei.

Es liegt laut Polizei keine konkrete Gesundheitsgefährdung vor

Dabei handele sich jedoch nicht um Grenzwerte, auch liege keine konkrete Gesundheitsgefährdung für die Beamten vor. Es handle sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme  für die Beamten - gerade vor dem Hintergrund der seit Ende 2015 anhaltenden Debatte um die Schadstoffbelastung in anderen Schießständen der Berliner Polizei. Man sei mit dem Betreiber der Anlage im Gespräch über weitere Maßnahmen zum Schutz der Beamten. Bereits in der Vergangenheit seien verschiedene Maßnahmen ergriffen worden, so seien Essen und Trinken auf der Schießbahn verboten oder der Boden der Schießbahnen bewässert worden, um Schadstoffe im Boden zu binden.

Der Betreiber wiederum betonte, dass ihm bislang nicht einmal die Anordnung bekannt sei, dass Polizeibeamte auf den Schießbahnen nur noch im Stehen trainieren dürften. Zahlreiche wiederholte Untersuchungen hättet ergeben, dass keine „Maßnahmenwerte“ überschritten worden seien.

Gewerkschaft fordert Bau neuer Einsatzzentren

Die „Problematik“ in Wannsee sei schon länger bekannt, sagte Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Ohnehin dürften die Beamten dort bereits nur auf schützenden Gummimatten schießen. Es sei vollkommen richtig, dass die LaKos bei Verdachtsfällen sofort reagiert habe und kein Risiko eingehe.

Die Verhandlungen, die sich teils sehr lang hinziehen würden, und die Auseinandersetzungen mit dem Betreiber zeigten, wie „wichtig es wäre, dass der Bau der fünf geplanten Einsatzzentren schnellstmöglich umgesetzt wird, um eigenständig handeln zu können“, sagt Jendro dem Tagesspiegel.

2015 hatte RBB-Recherchen  gesundheitsgefährdende Zustände auf Schießbahnen der Berliner Polizei aufgedeckt. Die Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers soll bereits 2011 von den Missständen gewusst haben, aber nicht eingeschritten sein. Wannsee war nach Angaben des Betreibers nicht betroffen.

 

- Hinweis: In einer früheren Version des Beitrag war von Gesundheitsgefahr und zu hohen Schadstoffen die Rede. Nach Hinweisen des Betreibers und neuen, konkretisierten Angaben der Polizei haben wir dies präzisiert.

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