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Der ermordete Reinhold Zuber. Foto: Polizei Berlin
© Polizei Berlin

Senior wurde in Moabiter Wohnung getötet Zwei Männer nach gewaltsamem Tod von Berliner Pastor verurteilt – einer wegen Mordes

Der 77-jährige Reinhold Zuber sollte ausgeraubt werden. Doch der Überfall lief aus dem Ruder. Nun wurden zwei Männer verurteilt.

Vielleicht hatte er mit Geld geprahlt, vielleicht war es seine großzügige Art: Drei junge Männer hatten aus Sicht des Landgerichts geplant, den ehemaligen Pastor Reinhold Zuber auszurauben. Der Überfall lief aus dem Ruder. Der 77 Jahre alte Senior wurde ermordet, stand am Montag für die Richter fest.

Gegen den 22-jährigen Vandam G. erging wegen gemeinschaftlichen Mordes eine Jugendstrafe von acht Jahren. Der 25-jährige Cristian-Cosmin C. erhielt wegen Raubes drei Jahre und sechs Monate Gefängnis. Er sei nicht mit in der Wohnung gewesen.

Der ehemalige Pastor wurde laut Urteil am 30. Juni 2020 ermordet. Vandam G. und ein rumänischer Landsmann, der sich inzwischen der Polizei gestellt habe, hätten die Tat begangen.

Den Tipp hätten sie von C. erhalten. Er habe Zuber bereits etwa ein Jahr zuvor im Strichermilieu kennengelernt. Zwischen beiden Männern habe sich ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Der Senior habe Cristian-Cosmin C. unter anderem 40.000 Euro für einen Hauskauf gegeben.

„Ohne den Angeklagten C. wäre es nicht zu der Tat gekommen“, stand für das Gericht nach fast neunmonatigem Prozess fest. „Nur er wusste oder vermutete, dass es in der Wohnung etwas geben könnte.“ G. und der dritte Komplize hätten sich am 30. Juni 2020 zur Parterrewohnung des Seniors in einem Altbau in der Moabiter Thomasiusstraße begeben.

„Bereits im Flur kam es zu einem Kampfgeschehen“

„Es sollte ein Raub stattfinden“, hieß es weiter im Urteil. C. habe im Hintergrund bleiben wollen und sei nicht am Tatort gewesen. „Bereits im Flur kam es zu einem Kampfgeschehen“, so das Gericht. Der Senior sei geschlagen worden. „Offenbar wollte er keine Verstecke nennen, vielleicht hatte er auch nichts.“

Er sei dann zu Boden gebracht, mit einem Geschirrhandtuch geknebelt und mit einem Kissen erstickt worden. Anschließend sei die Wohnung intensiv durchsucht worden. „Was mitgenommen wurde, konnte im Prozess nicht geklärt werden.“

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Vandam G. hatte zu Prozessbeginn bestritten, nach rund sechsmonatiger Verhandlung aber eine neue Version mit geständigen Angaben präsentiert. Er offenbarte den Mann, der mit ihm in der Wohnung war: Er belastete Vasile B. schwer. Der 23-Jährige sei derjenige gewesen, der sich in einem Streit um sexuelle Handlungen auf den Senior gestürzt und versucht habe, ihm den Mund zuzuhalten. Laut und chaotisch sei es gewesen.

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„Vasile hat dann auf den Schultern und dem Brustkorb gekniet“, erklärte G. Sie hätten ihm schließlich ein Geschirrtuch in den Mund gestopft.

Staatsanwalt forderte lebenslange Freiheitsstrafe für Vadam G.

Die Richter hielten das nicht für die ganze Wahrheit. Vandam G. habe den laut Spurenlage das Opfer zumindest festgehalten und dadurch einen Tatbeitrag geleistet. Es sei ein heimtückischer Mord zur Ermöglichung einer Straftat gewesen.

Die Richter folgten dem Votum der Jugendgerichtshilfe sowie eines psychiatrischen Gutachters und entschieden auf eine Jugendstrafe für G. Zu seinen Gunsten seien sein Teilgeständnis und die Offenbarung des Mittäters gewertet worden, so das Gericht.

Der Staatsanwalt hatte auf eine lebenslange Freiheitsstrafe gegen Vandam G. plädiert. Im Fall des zweiten Angeklagten forderte der Staatsanwalt zwölf Jahre Gefängnis wegen Raubes mit Todesfolge.

Die Verteidiger von Cristian-Cosmin C. hatten Freispruch verlangt. Die Anwälte von G. sprachen sich für einen Schuldspruch wegen Beihilfe zum Totschlag aus. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Anklage gegen Vasile B. steht noch aus.

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