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Andere Zeiten. Lange waren Bushido (zweiter von links) und Arafat Abou-Chaker (rechts neben ihm) eng verbunden. Hier ein Foto von der Weltpremiere des Films "Zeiten ändern Dich" im Cinestar im Sony Center 2010. Foto: imago/Raimund Müller
© imago/Raimund Müller

Rapper Bushido und der Clan-Beef Anklage gegen Arafat Abou-Chaker erhoben

Erst trennte sich Rapper Bushido von seinem Geschäftspartner Arafat Abou-Chaker, jetzt ist gegen den Clan-Chef und einige seiner Brüder Anklage erhoben worden.

Die Staatsanwaltschaft Berlin hat Anklage gegen mehrere Mitglieder des Abou-Chaker-Clans erhoben – im Zentrum stehen Arafat Abou-Chaker und die Auseinandersetzungen mit dem Rapper Bushido. Das berichtete der „Spiegel“. Die Staatsanwaltschaft wollte sich auf Anfrage am Dienstagabend nicht dazu äußern. Grund könnten Fristen sein, an die die Staatsanwaltschaft bei der Zustellung der Anklageschrift gebunden ist.

Wie der „Spiegel“ schrieb, werfen die Ermittler den Brüdern Arafat, Yasser, Nasser und Rommel mehrere Straftaten mit Bezug auf Bushido vor. Es geht um versuchte schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung und Beleidigung. Nasser und Rommel Abou-Chaker sollen vor allem wegen Beihilfe zu den Straftaten vor Gericht gestellt werden.

Yasser Abou-Chaker soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zudem seine beiden Kinder gegen den Willen der Mutter aus Dänemark entführt haben. Deshalb soll es in der Anklage um den Vorwurf der Entziehung Minderjähriger gehen. Yasser war im Januar in Dänemark festgenommen worden. Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte einen europäischen Haftbefehl ausgelöst.

Die Ehefrau von Yasser Abou-Chaker soll sich von ihrem Mann getrennt haben und mit ihren Kindern bei der Familie in Dänemark Zuflucht gesucht haben. Den Berliner Ermittlern berichtete sie von Entführungsplänen der Abou-Chaker-Brüder. Die Aussagen der Frau waren auch der Auslöser für die Durchsuchung des Anwesens von Abou-Chaker in Kleinmachnow im November. 

Bei der Polizei-Aktion – schwer bewaffnete Spezialeinheiten stürmten das Haus – ging es zudem um den Vorwurf des Verstoßes gegen das Waffengesetz. Auch Kriegsmunition soll bei der Razzia gefunden worden sein.

Das Anwesen von Bushido in Kleinmachnow. Foto: Manfred Thomas/PNN Vergrößern
Das Anwesen von Bushido in Kleinmachnow. © Manfred Thomas/PNN

Arafat Abou-Chaker saß im Januar dieses Jahres wegen mutmaßlicher Kidnapping-Pläne vorübergehend in Untersuchungshaft, womöglich – so der Vorwurf – erwog er, Bushidos Kinder zu entführen. Dieser Vorwurf soll laut „Spiegel“ in der Anklage nicht auftauchen. Auch Arafat Abou-Chaker hatte diesen Verdacht zurückgewiesen, er kam nach zwei Wochen wegen fehlender Haftgründe wieder auf freien Fuß. Der Verdacht hatte sich bislang nicht bestätigt.

Selbstbewusst. Arafat Abou-Chaker gab sich vor Gericht meist siegesgewiss. imago/Olaf Wagner Vergrößern
Selbstbewusst. Arafat Abou-Chaker gab sich vor Gericht meist siegesgewiss. © imago/Olaf Wagner

Der Haftbefehl für die Untersuchungshaft war ihm im Januar noch im Kriminalgericht Moabit verkündet worden, nachdem er Mitte Januar in einem anderen Fall verurteilt worden war – wegen Körperverletzung und Bedrohung: zehn Monate auf Bewährung. Dem Urteil zufolge hat er den Hausmeister einer Physiotherapiepraxis verprügelt, an der einige Clan-Brüder beteiligt waren.

Der Angriff ereignete sich etwa zu jeder Zeit, als sich Bushido von seinem Geschäftspartner getrennt hatte. Vor allem Arafat Abou-Chaker profitierte lange von der Freundschaft zu Rapper Bushido, mit dem er Haus an Haus in Kleinmachnow auf einem gemeinsamen Gehöft wohnte. Im März 2018 kam es zum Bruch.

Der Rapper Bushido stand lange dem berüchtigten Abou-Chaker-Clan nahe. Foto: adolph press/WELSCHER Vergrößern
Der Rapper Bushido stand lange dem berüchtigten Abou-Chaker-Clan nahe. © adolph press/WELSCHER

Vor allem mit Unterstützung seiner Frau Anna-Maria Ferchichi ging der Rapper auf Abstand zu jenem Mann, dem er sogar eine Generalvollmacht ausgestellt hatte. In einem „Stern“-Interview hatte der Rapper Arafat als Abzocker, Heuchler und Reaktionär dargestellt, der sich nicht neben den Geschäften auch in sein Privatleben einmischte. Aus der Freundschaft sei eine Tyrannenherrschaft geworden.

Der Bruch führte zu Streit über Verträge, Absprachen und Millionensummen. Ermittler befürchteten schon damals „erhebliches Konfliktpotenzial“. Bushido bekam von der Polizei sogar Personenschutz und fürchtete um sein Leben. In der Rapper-Szene, die eng mit den Clans zusammenarbeitet, werden ihm deshalb bis heute schwere Vorwürfe gemacht.

Ermittlungen wegen Anschlägsplänen gegen Kollegah und Farid Bang

Die Abou-Chakers sind einer der kleinsten, aber auch berüchtigsten deutsch-arabischen Clans in Berlin. Den Kern bilden mehrere Brüder, deren Eltern aus dem palästinensischen Flüchtlingslager Wavel im Libanon kamen. Die Brüder sind bei Polizei und Justiz aktenkundig. Einzelne Abou-Chakers waren durch Gewalt-, Eigentums- und Drogendelikte aufgefallen. Einer der Brüder wurde als Kopf des Überfalls auf das Pokerturnier am Potsdamer Platz 2010 verurteilt.

Erst Anfang August war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft gegen Arafat ermittelt, weil er Anschläge auf die Rapper Kollegah und Farid Bang geplant und in Auftrag gegeben haben soll. Abou-Chaker soll sich demnach im Milieu für den Einsatz von Schusswaffen ausgesprochen haben – auch gegen frühere Partner.

Kollegah und Farid Bang Foto: imago/xcitepress Vergrößern
Kollegah und Farid Bang © imago/xcitepress

Kollegah und Farid Bang, die aus Nordrhein-Westfalen und Hessen stammen, waren mit Abou-Chaker immer wieder in Streit geraten. Ob die Anschlagspläne jetzt ebenfalls zur Anklage kommen, blieb am Dienstag unklar. Bereits im August hieß es, gegen Arafat und einige seiner Brüder werde wegen versuchter Anstiftung zum Totschlag, zur schweren räuberischen Erpressung, versuchter Anstiftung zum Menschenraub und versuchter räuberischer Erpressung ermittelt.

Immer wieder tauchen Angehörige einschlägig bekannter Clans als Sicherheitsleute, Manager oder Stammgastronomen von Musikern auf. Es ist in der Szene üblich, dass Rapper einen sogenannten "Rücken" haben - also starke Männer im Hintergrund, die für Schutz sorgen. Auch im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses hieß es 2018, durch die beabsichtigte Nähe konkurrierender Familien zu erfolgreichen Rap-Musikern ergäben sich Probleme: Von den Einnahmen könnten Clan-Kriminelle profitieren.

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