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Einsatzkräfte am Unfallort am Donnerstag. Foto: Madlen Haarbach
© Madlen Haarbach

Update Lieferwagen stand auf Radweg Radfahrerin stirbt bei Unfall in Berlin-Friedrichshain – Mahnwache am Freitag

Eine Radlerin ist auf der Frankfurter Allee von einem Lkw tödlich verletzt worden. Sie war einem Lieferwagen ausgewichen, der auf dem Pop-up-Radweg stand.

Eine Radfahrerin ist bei einem Unfall auf der Frankfurter Allee in Berlin-Friedrichshain tödlich verletzt worden. Nach vorläufigen Informationen musste die Radfahrerin einem auf dem Radstreifen geparkten Lieferwagen ausweichen. Dabei wurde sie von einem von hinten kommenden Sattelzug offenbar gerammt und tödlich verletzt.

Ein Feuerwehrsprecher sagte, drei Menschen, die in der Nähe waren, hätten einen Schock erlitten. Sie würden von Rettungskräften betreut. Zu Details des Unfalls äußerten sich zunächst weder die Pressestelle der Polizei noch die Einsatzleitung am Unfallort.

Nach Darstellung eines Augenzeugen soll die junge Radfahrerin auf der Fahrradspur unterwegs gewesen sein. Diese geht stadteinwärts vor dem östlichen Zugang des U-Bahnhofs Samariterstraße von einem alten Hochbord-Radweg in einen provisorisch markierten Radfahrstreifen auf der Fahrbahn über.

Unmittelbar hinter dieser Verschwenkung soll der Lieferwagen gestanden haben. Er befand sich am frühen Nachmittag nicht mehr an der weiträumig abgesperrten Unfallstelle, an der der Verkehrsermittlungsdienst der Polizei Spuren sicherte und die Unfallstelle auch mit einer Drohne dokumentierte.

Der nachfolgende Lastwagen, der die Radfahrerin einem Zeugen zufolge beim Vorbeifahren im hinteren Bereich gerammt hatte, stand am Nachmittag noch am Unfallort. Die Frankfurter Allee war am Donnerstag stundenlang abgesperrt.

Der Radweg ist als sogenannter Pop-up-Radweg vor genau einem Jahr verändert worden: Ein Gitter vor dem U-Bahn-Zugang sorgt dafür, dass Radfahrer nicht mehr auf dem ehemaligen Hochbord-Radweg weiterfahren können, sondern auf die Fahrbahn wechseln müssen.

Der Pop-up-Radweg ist mit einer gelben Linie markiert, aber nicht baulich gegen illegales Parken geschützt. Nur an der Einfädelstelle stehen Baustellenbaken.

[Lesen Sie mehr: „Vision Zero“ in der Hauptstadt: Berlin ist von einem sicheren Straßenverkehr für alle weit entfernt (T+)]

Nach Auskunft des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg ist der Radweg nicht baulich geschützt, weil sich im Bereich dahinter Parktaschen finden, die dann für Autofahrer nicht mehr erreichbar wären. Bezirksamt und Senatsverkehrsverwaltung wollten sich noch am Donnerstag ein Bild von der Situation am Unfallort machen.

Die Initiative Changing Cities will am Freitag, 28. Mai, ab 17.30 Uhr eine Mahnwache auf Höhe der Unfallstelle in der Frankfurter Allee 57 bis 59 abhalten. Der Fahrradclub ADFC wird dabei auch ein weißes Geisterrad aufstellen, um an den Unfall zu erinnern.

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Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) schrieb am Donnerstag auf Twitter: "Ich bin es so leid! Wozu legen wir bitte Radstreifen an, wenn sich der motorisierte Verkehr nicht darum schert? Radstreifen müssen konsequent freigehalten werden. Jeder tödliche Unfall ist einer zu viel!"

Die Fahrradspur auf der Frankfurter Allee geht stadteinwärts vor dem östlichen Zugang des U-Bahnhofs Samariterstraße von einem alten Hochbord-Radweg in einen provisorisch markierten Radfahrstreifen auf der Fahrbahn über. Foto: Madlen Haarbach Vergrößern
Die Fahrradspur auf der Frankfurter Allee geht stadteinwärts vor dem östlichen Zugang des U-Bahnhofs Samariterstraße von einem alten Hochbord-Radweg in einen provisorisch markierten Radfahrstreifen auf der Fahrbahn über. © Madlen Haarbach

Im aktuellen Fahrradklimatest des ADFC erhielt Berlin bei der Frage, inwieweit das Parken von Autos auf Radwegen geduldet oder unterbunden wird, die Schulnote 5,2, ermittelt anhand 5628 ausgefüllter Fragebögen. Es ist die schlechteste aller 27 Einzelnoten für Berlin.

Sie ist die elfte Berliner Verkehrstote in diesem Jahr

Auf Radfahrstreifen ist Halten und Parken für Kraftfahrzeuge generell verboten. Verstöße werden aber - wenn überhaupt - weiterhin nur mit einem Verwarnungsgeld von 20 Euro geahndet, da der vor mehr als einem Jahr überarbeitete Bußgeldkatalog wegen einer juristischen Schlamperei des Bundesverkehrsministeriums nicht angewandt werden kann.

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Die Novelle sah ein Bußgeld von mindestens 55 Euro vor. Sie soll nun im Laufe dieses Jahres in Kraft treten. Die Radfahrerin ist die elfte Person, die in diesem Jahr bislang im Straßenverkehr in Berlin umgekommen ist.

Von den seit Jahresbeginn getöteten Menschen waren laut Polizei vier zu Fuß unterwegs, drei mit dem Fahrrad und vier im Auto.

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