Das Grab von Uwe Lieschied wurde verwüstet. Foto: privat
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Update Hakenkreuz-Schmiererei auf Berliner Friedhof Gräber im Dienst erschossener Polizisten erneut geschändet

Die Beamten Uwe Lieschied und Roland Krüger starben im Dienst. Ihre Gräber wurden nun verwüstet – wie schon vor fast genau einem Jahr.

Der Grabstein von Uwe Lieschied ist umgeworfen worden, ein Hakenkreuz wurde auf die Rückseite gesprüht. Pflanzen sind ausgerissen, Kerzen und andere Grab-Dekorationen wild auf dem Rasen verteilt. Auch der Grabstein von Roland Krüger ist beschmiert, die Erde aufgewühlt.

Die Gräber der beiden 2003 und 2006 im Dienst getöteten Berliner Polizisten am Friedhof in Buckow (Neukölln) sind verwüstet worden. Die Pressestelle der Polizei bestätigte am Donnerstag entsprechende Informationen des Tagesspiegels. Ein Passant hatte die Verwüstung gegen 11 Uhr am Donnerstag bemerkt, heißt es in einer Mitteilung. Die Tat wurde wahrscheinlich in der Nacht begangen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Ruhestätten geschändet wurden.

Gerade erst wurden Straßen nach den Männer benannt

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) teilte am Donnerstag mit, er empfinde "tiefe Scham". Gräber wären Orte der Erinnerung und Zuwendung. Deren Schändung sei "an Niedertracht kaum zu überbieten". Zudem sagte er über die beiden Polizisten: "Sie sind Teil unserer Stadt und sie werden es auch immer bleiben".

Auch der Chef der Gewerkschaft der Polizei nahm am Donnerstag Stellung. „Meine Kollegen Roland Krüger und Uwe Lieschied haben ihr Leben in den Dienst unserer Stadt und aller Menschen gestellt und diesen mit ihrem Leben bezahlt. Wer ihre Gräber schändet, handelt nicht nur respektlos und beschmutzt ihr Andenken, er greift alle Polizistinnen und Polizisten dieser Stadt an“, teilte Norbert Cioma mit.

Die Hintergründe der Tat sind noch unbekannt

Auch die CDU verurteilte das Geschehene. Landeschef Kai Wegner sprach von einer "widerwärtigen Tat". Er forderte den Senat auf die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. In der Mitteilung der CDU ist desweiteren die Rede von einem möglichen Zusammenhang der Tat mit einer abgesagten Demonstration gegen die Räumung der Neuköllner Kiezkneipe "Syndikat". 

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Erst Ende Februar waren zwei Straßen in Neukölln nach den Männern benannt worden. Auch die Straßenschilder wurden nach Tagesspiegel-Informationen nun beschmiert.

Vor fast genau einem Jahr, Anfang April 2019, wurden die Gräber schon einmal geschändet – die Bilder von damals gleichen jenen, die dem Tagesspiegel nun zugesandt wurden. Im November 2016 hatten Unbekannte eine Gedenktafel für Lieschied in Neukölln beschädigt. Später bekannten sich Linksextremisten zu der Tat und erklärten: „Wir verhöhnen tote Polizisten.“ Die Ermittlungen im aktuellen Fall führt der Staatsschutz im Landeskriminalamt.

Ein Hakenkreuz wurde auf den Grabstein gesprüht. Foto: privat Vergrößern
Ein Hakenkreuz wurde auf den Grabstein gesprüht. © privat
Schmierereien auch auf Roland Krügers Grab. Foto: privat Vergrößern
Schmierereien auch auf Roland Krügers Grab. © privat
Ausgerissene Blumen sind verstreut. Foto: privat Vergrößern
Ausgerissene Blumen sind verstreut. © privat


Reaktionen aus der Berliner Politik

Auf Twitter gab es kurz nach Bekanntwerden der Tat bereits erste Reaktionen von Polizeivertretern und Politikern.

Der Berufsverband „Unabhängige in der Polizei“ sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Der SPD-Abgeordnete Tom Schreiber schrieb auf Twitter, er sei „fassungslos“.

Der grüne Innenpolitiker Benedikt Lux schrieb von einer „feigen und menschlich auf niedrigster Stufe stehenden Tat“

FDP-Innenexperte Marcel Luthe sagte: „Der nunmehr zweite Anschlag auf die Gräber zweier verdienter Polizeibeamter binnen Jahresfrist zeigt die Menschenverachtung der Täter und ihren blinden Hass auf den Rechtsstaat. Der Senat muss endlich aufwachen und den Kampf gegen jeden Extremismus gleichermaßen aufnehmen und die Polizei die feigen Täter schnell ermitteln.“

Tödliche Einsätze 2003 und 2006

Roland Krügers war im April 2003 getötet worden. Er stürmte an der Spitze eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) eine Wohnung in Neukölln, um den Libanesen Yassin Ali-Khan wegen einer Messerstecherei unter Clan-Mitgliedern festzunehmen.

Ali-Khan feuerte mehrfach auf die Polizisten, Roland Krüger wurde am Kopf getroffen und starb wenige Tage danach. Tausende Polizisten und Berlin nahmen am Trauermarsch für Roland Krüger teil.

Uwe Lieschied war Zivilfahnder im Abschnitt 55 in Neukölln, am 17. März 2006 war er mit seinem Kollegen auf Zivilstreife am Volkspark Hasenheide unterwegs. Dabei bemerkten sie zwei rennende Männer, die eine Prostituierte ausgeraubt hatten, wie sich später herausstellte. Die Beamten forderten die Männer auf, stehen zu bleiben. Doch einer der Flüchtenden schoss mit seiner Pistole sofort um sich - er feuerte acht Mal.

Lieschied erlitt einen Kopfschuss durch die linke Schläfe. Im Dienst war Lieschied nur, weil das Spiel seiner Freizeit-Fußballer ausgefallen war und er deshalb die Nachtschicht übernommen hatte. Uwe Lieschied lag vier Tage im Koma, am 21. März 2006 starb er. Auch Lieschied wurde unter großer Anteilnahme der Berliner beigesetzt. (Tsp)

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