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Zugriff in der Villengegend: Polizeifahrzeuge stehen in Wannsee in der Nähe zur Stadtgrenze zu Potsdam. Foto: Julian Stähle/dpa
© Julian Stähle/dpa

Update „Er hat massive körperliche Gewalt angewandt“ Serientäter wollte sich anschließend noch mit Opfern verabreden

Er ging „ganz freundlich“ auf die Frauen zu: Wegen acht Vergewaltigungen in Berlin und Brandenburg sitzt ein 29-Jähriger seit Mittwoch in Untersuchungshaft.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben eine Serie von Sexualstraftaten in Berlin und Brandenburg aufgeklärt. Der am Dienstagabend in einer Villengegend in Berlin-Wannsee gefasste Verdächtige wurde am noch Mittwoch einer Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Tiergarten vorgeführt. Sie verhängte Untersuchungshaft für den Mann.

"Durch die gestrige Festnahme konnte eine Tatserie von mindestens acht teils versuchten, teils vollendeten Vergewaltigungen aufgeklärt werden", sagte Bauer. "Dabei handelt es sich teils auch um besonders schwere Fälle."

Staatsanwältin Katrin Frauenkron ergänzte, drei der Taten würden von den Ermittlern als besonders schwer eingestuft. Der Mann soll die Frauen in diesen Fällen auch mit gefährlichen Werkzeugen eingeschüchtert haben. Welche Werkzeuge, dazu wollte die Polizei keine genaueren Angaben machen. Eines der Opfer ist den Behörden zufolge minderjährig.

Das Gesetz sehe für die schweren Vergewaltigungen eine Haftstrafe von fünf Jahren pro Tat vor, sagte Frauenkron. Allerdings werde auch noch ein medizinisch-psychiatrisches Gutachten erstellt. "Die Beweislage stellt sich für uns sehr gut dar", erklärte die Staatsanwältin. Dazu zählen auch DNA-Spuren und Fingerabdrücke.

Bei dem mutmaßlichen Serienvergewaltiger handelt es sich dem Oberstaatsanwalt zufolge um einen 29-jährigen Serben. Sein Alter war zunächst mit 30 Jahren angegeben worden. Er habe die Frauen zunächst "ganz freundlich" zu normalen Tageszeiten angesprochen, dann aber gepackt, gewürgt und in entlegene Gebiete gezerrt, sagte Ermittlerin Norma Schürmann von der Polizei Berlin zum Muster der Taten.

Mit Gewalt brachte er seine Opfer zum Schweigen

"Er hat massive körperliche Gewalt angewandt und die Opfer in dem Moment zum Schweigen gebracht", sagte Schürmann. Deshalb hätten sich die Frauen nicht getraut, nach Hilfe zu rufen. Nach der Tat habe er sich gewissermaßen um seine Opfer "gekümmert" und sich auch am Tag darauf mit ihnen verabreden wollen - worauf einige der Frauen nur zum Schein eingegangen seien.

Norma Schürmann vom Berliner Landeskriminalamt erläuterte das Muster der Taten. Foto: Fabian Sommer/dpa Vergrößern
Norma Schürmann vom Berliner Landeskriminalamt erläuterte das Muster der Taten. © Fabian Sommer/dpa

Nach einer erneuten Vergewaltigung am Dienstagvormittag in einem Waldstück an der Stahnsdorfer Straße in Potsdam konnte die Polizei den Verdächtigen verfolgen. Auch in diesem Fall hatte der Täter die Frau zunächst ganz normal angesprochen - und auf Englisch nach dem Weg gefragt, ehe er sie überwältigte. Eine andere Frau, die das Opfer später getroffen habe, habe gegen 11.30 Uhr einen Notruf abgesetzt, berichtete Ermittler Oskar Vurgun von der Brandenburger Polizei.

Veranlasste den Einsatz eines Hubschraubers mit Wärmebildkamera: Oskar Vurgun von der Polizei Brandenburg. Foto: Fabian Sommer/dpa Vergrößern
Veranlasste den Einsatz eines Hubschraubers mit Wärmebildkamera: Oskar Vurgun von der Polizei Brandenburg. © Fabian Sommer/dpa

Um 12.15 Uhr hätten zwei Polizisten einen Sichtkontakt gehabt und seien dem Mann in das Waldstück gefolgt – wo sie sein blaues Fahrrad und sein Handy entdeckten. Das Handy sei glücklicherweise entsperrt gewesen, sodass die Ermittler es anhand der Daten schnell dem Verdächtigen zuordnen konnten. Trotz mehrere Warnschüsse setzte der Mann jedoch seine Flucht fort.

Hubschrauber entdeckte Tatverdächtigen an der Landesgrenze

"Wendepunkt" sei der Einsatz eines Polizeihubschraubers mit Wärmebildkamera ab 18.45 Uhr am Abend gewesen, sagte Vurgun. Bald darauf sei der Verdächtige an der Landesgrenze zwischen Brandenburg und Berlin entdeckt worden, erklärte der Brandenburger Ermittler. Der Mann sei auch über Gleisanlagen geflüchtet und schließlich gegen 19.30 Uhr in der Neuen Kreisstraße auf Berliner Gebiet gestellt worden.

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Die Polizei aus Brandenburg, Berlin und der Bundespolizei war nach Angaben eines Sprechers mit 83 Beamten im Einsatz, außerdem mit einem Hubschrauber, Diensthunden, Wasserschutzbooten und einer Drohne. Von der Bundespolizei seien Pferde eingesetzt worden.

Durch Fingerabdrücke von früherem Laubeneinbruch identifiziert

Vor einer Woche hatten Berliner Ermittlungsbehörden eine Öffentlichkeitsfahndung nach dem mutmaßlichen Serienvergewaltiger gestartet. Ihm werden acht Taten seit dem 12. Juni zur Last gelegt. Allein zu fünf Taten soll es im Grunewald oder dessen näherer Umgebung im Berliner Südwesten gekommen sein. Nachdem Polizei und Staatsanwaltschaft Aufnahmen des Gesuchten von einem Bahnsteig in Bernau veröffentlicht hatten, gingen rund 300 Hinweise aus der Bevölkerung dazu ein.

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Am Montag gaben die Behörden bekannt, dass der Mann identifiziert sei. Bei der Pressekonferenz erklärten sie auch, wie das möglich war: Von dem 29-Jährigen hatten die Ermittler bereits Fingerabdrücke von einem früheren Laubeneinbruch. Vor den Sexualstraftaten soll der Verdächtige bereits kriminelle Taten in Berlin begangen haben: Im Dezember vergangenen Jahres hatte er einen Diebstahl begangen, für den er zu einer geringen Geldstrafe verurteilt wurde. Im März dieses Jahres kam es zu einem weiteren Eigentumsdelikt.

Er war wiederholt in der Stadt - und schlief im Hostel

Der 29-Jährige hat sich offenbar wiederholt in Berlin aufgehalten, hatte allerdings keinen festen Wohnsitz in der Stadt. Zuletzt lebte er offenbar in einer „heimähnlichen Unterkunft, einem Hostel“, wie Norma Schümann vom LKA Berlin sagte.

Warum der mutmaßliche Täter sich immer wieder in Berlin aufhielt und was er in der Stadt tat, ist unbekannt. Allerdings wisse man, dass er versucht habe, Geld zu machen, indem er ein Auto verkauft habe, sagte Ermittlerin Schürmann. Auch sei der Verdächtige bei einem vorangegangen Aufenthalt mit einer Begleiterin in Berlin gewesen. Diese Frau halte sich derzeit allerdings im Ausland auf, hieß es.

Der gefasste Verdächtige wurde noch am Mittwoch einer Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Tiergarten vorgeführt, die verkündete ihm einen Haftbefehl. Jetzt sitzt er in Untersuchungshaft. Ob der Verdächtige sich zu den Beschuldigungen gegen ihn schon geäußert habe, dazu konnten am Mittwoch keine Angaben gemacht werden. 

Allerdings berichtete der Polizeibeamte Oskar Vurgun, der mutmaßliche Täter habe sich am Abend nach seiner Verhaftung nicht kooperativ verhalten, sondern sich immer wieder gewehrt, sodass einfache körperliche Gewalt gegen ihn eingesetzt werden musste. Der Mann soll nun auch von einem psychiatrischen Experten begutachtet werden.

Brandenburgs Innenminister betont Bedeutung der Opferhilfe

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Täters drang Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen darauf, die Unterstützung für die Opfer in den Mittelpunkt zu rücken. „Keiner kann nachempfinden, wie schlimm solche Verbrechen für die Opfer sind“, erklärte Stübgen am Mittwoch. „Gut, dass wir den Täter jetzt haben und er keinen Schaden mehr anrichten kann.“

Der CDU-Politiker dankte der Brandenburger Polizei für deren Einsatz, die den Mann gemeinsam mit Berliner Beamten ergriffen hatte. „Jetzt müssen wir uns aber darauf konzentrieren, den Opfern zu helfen.“ (mit dpa)

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