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Gefährliche Nähe: Die Stimmung zwischen Radfahrern und Autofahreren wird in Berlin immer aufgeheizter. Jetzt wurde ein SUV-Fahrer wegen Nötigung verurteilt. Foto: picture alliance / dpa
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Er arbeitet in Berlin als Feuerwehrmann SUV-Fahrer bedrängt Radfahrer - wegen Nötigung und Körperverletzung verurteilt

Dirk K. glaubt einen Rotlichtverstoß zu sehen, verfolgt einen Radfahrer, zerrt ihn von Rad. Jetzt wurde der Autofahrer deshalb zu 4000 Euro Strafe verurteilt.

Aus seiner hohen Sitzposition meinte SUV-Fahrer K. einen Rotlichtverstoß eines Radlers beobachtet zu haben. Die Sache wollte der Feuerwehrmann im Sportgeländewagen nicht durchgehen lassen. „Er hat mich regelrecht verfolgt“, sagte der Radfahrer am Montag im Prozess gegen den SUV-Fahrer.

„Das geht gar nicht“, hieß es am Ende im Urteil des Amtsgerichts Tiergarten. Der 52-jährige Beamte, der den 38-jährigen Radfahrer belehren wollte und vom Rad geholt hatte, erhielt am Montag eine Strafe von 4000 Euro und ein dreimonatiges Fahrverbot. Dirk K. im schweren SUV gegen Paul H. auf dem Fahrrad.

Es war 13.00 Uhr, als sie sich am 24. Mai 2019 auf der Köpenicker Landstraße in Treptow begegneten. Der Radfahrer weiß nicht, ob er tatsächlich bei  Rot in die Pedalen trat. „Plötzlich war da der weiße Wagen, er drängte mich ab.“ Der Fahrer habe durch das geöffnete Beifahrerfenster geschrien und mit einem Ausweis gewedelt: „Feuerwehr! Anhalten!“

Auch der 38-Jährige war in der Situation nicht fein: „Als es so knapp war, machte ich den Fehler, mich durch ein Spucken zu wehren.“ Der Autofahrer habe ihn weiter bedrängt. „Ich wich aus, er jagte mich bis zum Dammweg.“ Immer wieder habe der Angeklagte gebremst und beschleunigt. An der nächsten Ampel habe er ihn geschnitten und vom Fahrrad gezerrt. „Er packte mich an den Oberarmen.“

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Ein anderer Autofahrer hatte die erschreckende Szene beobachtet. „Der Radfahrer war geschockt“, so der 65-Jährige. Mal sei der SUV schneller und mal langsamer gefahren. „Dann zog er vorbei bis zur Kreuzung.“ Quer auf den Fußweg soll sich K. gestellt haben. „Dann lief er auf den Radler zu.“ Als das Ausbremsen begann, habe sich Paul H. auf dem Fahrradweg befunden.


„Was machst Du hier? Ist doch völlig bekloppt?“

Der Feuerwehrmann senkte nun den Kopf. „Ich weiß nicht, was an dem Tag mit mir los war, es tut mir sehr leid“, beteuerte er. Das Spucken sei wohl der Auslöser gewesen. Er habe H. aber nicht mehrfach ausgebremst. „Dazu kam es erst, als ich mich ihm in den Weg stellte.“ Als er den Radfahrer an den Armen gepackt hatte und dieser fragte, was er von ihm wolle, sei ihm klar geworden, dass da etwas nicht stimmte. Er habe gedacht: „Was machst du hier? Ist doch völlig bekloppt!“

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Schuldig der Nötigung und der Körperverletzung, befand der Richter. Mit der Strafe von 50 Tagessätzen zu je 80 Euro folgte er dem Antrag der Anklage. K. hielt er vor: „Sie hatten keine Berechtigung, einen anderen Verkehrsteilnehmer zu belehren. Wohin das führt, sehen sie ja.“ Und: „SUV gegen Radfahrer – das kann nicht gut gehen. Es hätte viel schlimmer enden können.“ Kerstin Gehrke

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